Es gibt weiterhin viele Optionen

Ortsbeirat Wicker lässt sich Sachstand in Sachen Nahversorger berichten - FDP-Antrag beschlossen

Foto: gus
Im Anschluss an den Grünstreifen östlich des Hunsrückwegs schließt sich ein Acker an, den die Stadt im neuen Regionalen Flächennutzungsplan gerne als Mischgebiet ausweisen würde, um dann einen Investor für einen Nahversorger in dem Bereich zu finden.
Im Anschluss an den Grünstreifen östlich des Hunsrückwegs schließt sich ein Acker an, den die Stadt im neuen Regionalen Flächennutzungsplan gerne als Mischgebiet ausweisen würde, um dann einen Investor für einen Nahversorger in dem Bereich zu finden.

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Das Interesse bei den potenziellen Anbietern ist weiter da, erwartet Kirsten Thürmer. Die Bauamtsleiterin im Flörsheimer Rathaus hatte bei der Sitzung des Wickerer Ortsbeirats die Aufgabe, den Fraktionsvertretern Hoffnung zu machen, dass es mit der Ansiedlung eines Nahversorgers im Stadtteil etwas wird, obwohl es in der Sache nun schon länger keine Fortschritte gab. Daher erläuterte sie in der zweiten Sitzung des neu zusammengesetzten Gremiums den Sachstand, ohne bedeutende Neuigkeiten mitbringen zu können, aber doch einige Planungsdetails.

Immerhin: Die zwischenzeitlich aufkommende Befürchtung, durch die gleichgelagerten Pläne der Stadt Hochheim für den südlichen Ortseingang von Marxheim stünden der Ansiedlung eines Anbieters in Wicker entgegenstehen, kann die Stadt nicht teilen. „Das Interesse ist da, vor allem wegen der großen Kaufkraft der Wickerer“, hätten die allerdings schon etwas länger zurückliegenden Gespräche gezeigt. Die planerischen Schritte seien im Gange. Im neuen Flächennutzungsplan, der gerade in die erste Offenlage geht, hat die Stadt den anvisierten Standort am östlichen Ortsausgang, derzeit noch ein Acker, für die neue Nutzung angemeldet – als Mischfläche wohlgemerkt, um sich die Option offenzuhalten, dass das Grundstück für mehr als einen Neubau eines Nahversorgers dienen kann, so auch für Wohnungen.

Ende des Jahres werden die Ergebnisse der Offenlage erwartet, der zweite Teil wird ein weiteres Jahr in Anspruch nehmen, erwartet Thürmer, dann könnte mit einem Beschluss der Regionalversammlung die neue Nutzung der 1,5 Hektar großen Fläche rechtsgültig sein. Die müsste übrigens der Anbieter oder ein Investor erwerben, da es nicht Aufgabe der Stadt ist, einzelne Gewerbeflächen anstelle des künftigen Nutzers aufzukaufen. Eine gleichwertige Alternative zu dieser Lösung sieht Thürmer nicht, denn freie Gewerbeflächen gibt es in Wicker aktuell genauso wenig wie Leerstände, die umgenutzt werden könnten für einen Einkaufsmarkt – allerdings bald dann doch.

Im Sommer 2027 ist schließlich der Umzug der Freiwilligen Feuerwehr in den Neubau ziemlich genau auf der anderen Straßenseite des ins Auge genommenen Grundstücks zu erwarten. Da stellt sich die weiter völlig offene Frage, was mit der alten Feuerwache passieren soll. Thürmer kann sich nicht vorstellen, dass das alte und doch deutlich marode Gebäude einem neuen Zweck zugeführt werden kann, der Abriss scheint unabhängig von der späteren Verwendung des Areals angesagt.

Ausgeschlossen ist es nicht, dass sich hier am Ortszentrum die Lösung der Standortfrage für den Nahversorger findet – aus Platzgründen dann freilich nur als Kleinanbieter mit einem Sortiment von einigen hundert Artikeln. Interessenten für solche Geschäfte gibt es auf dem Markt durchaus, „das wäre dann auch zeitnah machbar“, sieht Thürmer als Vorteil dieser Überlegungen.

Stefan Graafen (FDP) zeigte sich skeptisch, was den Zuspruch durch Anbieter angeht, denn auch in seinem Ortsverband gab es Kontaktaufnahme mit den üblichen Verdächtigen für eine Nahversorgung. „Wir haben drei Unternehmen angefragt, die haben alle abgesagt“, berichtete er. Da gibt es offenbar unterschiedlich ausgeprägte Hoffnungen zwischen Verwaltung und FDP, was die Umsetzbarkeit der Pläne zum Nahversorger im Ort angeht.

Falls es gar nichts wird, wäre bei einer Umsetzung des auch noch nicht allzu weit fortgeschrittenen Verfahrens des Marxheimer Projekts die Entfernung zum nächsten Versorger von der Ortsmitte gesehen zu diesem Markt oder den Kolonnaden in der Innenstadt ungefähr gleich groß. Die Anregung Graafens, in dem Falle mit dem Nahverkehrsunternehmen zu verhandeln, gegen Kostenbeteiligung auf der Strecke Hochheim-Marxheim eine Busschleife durch Wicker einzurichten, dürfte keinen Erfolg haben. Wie Bürgermeister Bernd Blisch erläuterte, gab es schon einmal Anfragen in dieser Richtung, dabei wurde der Stadt eine jährliche Zahlungsverpflichtung von 250.000 Euro in Aussicht gestellt worden. Die Stadt Hochheim hat den Wickerern versichert, dass der Zuliefererverkehr der LKW zum künftigen Einkaufsmarkt, zumal diese Fahrten sehr früh am Morgen geschehen, nicht durch Wicker fahren wird. Eine Alternativroute werde den Zulieferern vorgegeben – dann müssen die sich nur noch dran halten.

FDP-Prüfantrag geht durch

Nicht ungeteilte Zustimmung, aber doch das erhoffte Votum für seinen Prüfantrag auf Installation eines Sonnenschutzes an der neu gestalteten Grünanlage Kirschgartenstraße erhielt Stefan Graafen. Der neue FDP-Vertreter im Ortsbeirat kassierte zwar mahnende Worte vom ebenso neuen Ortsvorsteher und Bruder Dirk Graafen, doch zum Schluss zu kommen, als er ausführlich die medizinische Problematik darlegte, die sich aus seiner fachlichen Sicht als Mediziner durch die fehlenden Schattenspender ergeben werden. Doch Prüfanträge werden in den Flörsheimer Gremien üblicherweise nicht abgeblockt.

Stefan Graafen hatte sich explizit dagegen ausgesprochen, den Antrag in einen der Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung weiterzureichen. Der Beschluss des Ortsbeirates bei zwei Gegenstimmen ist freilich nicht mehr als eine freundliche Bitte an den Magistrat, sich des Themas im Sinne des beschlossenen Antragstextes anzunehmen. Blisch verzichtete auf eine Stellungnahme der Verwaltung zum Thema, verwies allerdings darauf, dass es in Flörsheim, besonders entlang des Mainufers, jede Menge Sitzbänke gebe, die ebenfalls ohne jeden Sonnenschutz und für eine kurze Rast gedacht seien.

Es ist eben bei dem Thema nicht ganz einfach zu unterscheiden, warum die Grünfläche an der Kirschgartenstraße ein etwas anderer Fall ist als Parkbänke für Wanderer oder Spaziergänger. Stefan Graafen betonte, dass er die Umgestaltung der Anlage eigentlich gelungen finde und diese schon aufgrund seiner Lage im Ortskern für erhaltenswert halte – weil er sie gerade für die bei Sonneneinstrahlung vulnerablen Gruppen wie Senioren und kleine Kinder als Ort für einen sinnvollen Zwischenstopp ansieht, sie aber bei Sommersonne momentan nicht nutzbar sei.

Wie der Magistrat mit der Bitte aus Wicker umgeht, ist offen, helfen würde es sicher, wenn sich, wie Tobias Luger (dfb) es für denkbar hielt, für die Finanzierung Sponsoren finden, denn „so etwas kann eigentlich nicht so viel Geld kosten“, meinte er. Antragsteller Graafen verwies auf den Status der Stadt als Klimakommune, der bis zu 90 Prozent Projektförderung aus Landesmitteln ermögliche. Vermutlich geht es in der anstehenden Behandlung im Magistrat aber gar nicht so sehr um die Kosten, sondern um die Frage, ob es den betroffenen Senioren und Eltern der Kleinkinder zuzumuten ist zu wissen, dass sie sich bei großer Hitze erst gar nicht der Gefahr aussetzen und besser zu Hause bleiben, bis die Sonne im Westen untergeht.

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