Kein einziges Rad bleibt diesmal stehen

Stadtradeln-Abschluss: 20 Fahrräder finden bei Versteigerung neue Eigentümer - knapp 33.000 Kilometer gesammelt

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120 Aktive, 15 Teams, 32.865 Kilometer in 2.267 registrierten Fahrten – das sind die Daten für 2026 von der am Wochenende abgeschlossenen Kampagne des Flörsheimer Stadtradelns. Das sind sechs Aktive weniger als 2025, aber zwei Teams mehr als im Vorjahr. Die konnten den Kilometerwert des Vorjahres (34.572) wie aller Jahre seit 2019 nicht ganz erreichen – ein vorläufiges Resultat allerdings, denn es könnten noch ein paar Fahrten nachgetragen werden.

Die Kampagne, von der die Bürgerinnen und Bürger als Nichtbeteiligte in der Stadt wenig mitbekommen, weil die Teams ihre Aktivitäten eigenständig planen und umsetzten, sollte mit dem letzten Tag nach drei Wochen Aktion nicht einfach nur zu Ende gehen, sondern sich dann doch noch einmal bemerkbar machen. Dafür ist der Rathausplatz an einem Samstagnachmittag vielleicht nicht der beste Ort, da das Publikumsaufkommen in dem Bereich nicht gerade groß ist. Und doch durfte das beim Stadtradeln federführende Kulturamt und das die herrenlosen Räder in der Stadt einsammelnde Ordnungsamt mit der Resonanz auf die zentrale Aktion zufrieden sein.

Während die städtischen Ämter und Mitarbeitenden ihr Wochenende feierten, besserten Christian Kunesch, Organisator des Stadtradelns, und die stellvertretende Ordnungsamtsmitarbeiterin Stefanie Bremser die Stadtkasse um immerhin 1.145 Euro auf. Eingenommen nach dem Prinzip: zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten. Es ist der Erlös aus der Versteigerung von 20 Fahrrädern und zwei Tretrollern, die herrenlos in der Stadt aufgefunden und mangels Registrierung und Diebstahlmeldung keinem Besitzer zugeordnet werden konnten. Nach einem halben Jahr Wartezeit – darauf, dass sich der Eigentümer des Vehikels meldet und seinen Drahtesel abholt – gehen solche Fundstücke bei nächster Gelegenheit in die Versteigerung, schließlich ist eine Stadt kein Fahrradlager.

Nicht alle dieser herrenlosen Räder kommen freilich für eine Versteigerung in Frage. Der Zustand der aufgefundenen Drahtesel ist sehr unterschiedlich, angeboten werden nur Zweiräder, die in einem brauchbaren, wenn auch in vielen Fällen aufzupeppenden Zustand sind, den die Auktionatoren aber nicht näher erläuterten: Es galt das Prinzip „gekauft wie gesehen“, Gewährleistungsansprüche entfallen. Das recht hochwertige Angebot wurde am Samstag belohnt: Erstmals war der Auf- und Vorführplatz neben der Rathausvilla am Ende der Aktion komplett leergeräumt. Festgesetzt wurde jeweils ein Einstiegsgebot, nach oben ging es in Fünf-Euro-Schritten.

Die ersten beiden angebotenen Räder markierten die Extremwerte an diesem Nachmittag. Ein Kinderrad der Marke Puky, der erste Kandidat, war mit der Bereitstellung des Mindestangebots schon verkauft, „an den Mann mit dem Reisepass“, identifizierte Kunesch den Meistbietenden. Mehrfach reklamierte er klare Handzeichen und möglichst wenige durch die Haare fahrende Hände. Das zweite Rad, ein schickes Mountainbike der Marke Carver, hatte ein Einstiegsgebot von auch nur zehn Euro. Hier entwickelte sich zur Freude von Kunesch und Bremser ein Wettbieten von zunächst zwei, ab 125 Euro plötzlich drei Parteien, die sich bis auf 150 Euro hochpuschten – jedenfalls dem guten Anschein des Rades nach immer noch ein prima Schnäppchen am Samstagnachmittag auf dem Rathausplatz zu Flörsheim.

Ansonsten kam lediglich ein weiteres Rad auf einen dreistelligen Preis. Das einzige E-Bike war ohne Akku für die Interessierten offenbar komplett unattraktiv und ging für zehn Euro weg. Alle ersteigerten Räder – das hatten die Auktionatoren vorher klargestellt – mussten in bar bezahlt werden. Der rechtmäßige Besitz wurde nach Vorlage des Ausweises amtlich bestätigt. Sollte der ursprüngliche Eigentümer seinen verlustig gegangenen Drahtesel demnächst mit neuem Nutzer durch die Gassen rollen sehen und samt Nachweis über die Seriennummer die Rückgabe verspätet einfordern, ist die Rechtslage eindeutig: Solche Auktionen sind eine im BGB ausdrücklich so festgehaltene Ausnahme (§ 935) von der Regel, dass der gutgläubige Erwerb eines Gegenstandes von einem Verkäufer, der nicht der Eigentümer ist (hier das Ordnungsamt) ungültig ist, wenn der ursprüngliche Eigentümer seine Ansprüche erhebt.

Etwas ungünstig war der Erfolg der Auktion für das Sozialkaufhaus „Tisch und Teller“, an das die Stadt die nicht versteigerten Räder übergeben hätte. Schließlich ist die Fahrradwerkstatt ein Standbein der Einrichtung der Diakonie in der Liebigstraße, wo Monteur Wolfgang Schwarz die Räder aufgearbeitet hätte, um sie wieder nutzbar zu machen und zu veräußern. Mit dem Stand bei der Abschlussveranstaltung des Stadtradelns präsentierte sich das Kaufhaus und bot ein paar Schnäppchen aus dem Bestand der Einrichtung an, die mit dem Fahrradfahren in Verbindung stehen, wie etwa Taschen.

Teil des Angebots war auch wieder eine Fahrrad-Codier-Aktion des Präventionsrates des Main-Taunus-Kreises. Dies bedingt eigentlich eine Vorab-Anmeldung mit Terminvereinbarung, dann schritten Andreas Suda und Harald Rademacher in Aktion. Einen Extraauftrag einzustreuen wie für die Ersteigerer der Räder oder auch für ein Rad aus dem ebenfalls am Samstag geöffneten Repair Café war natürlich auch noch drin. Erstmals war mit „Litzinger mobil“ auch ein örtliches Unternehmen aus der Fahrradbranche auf der Abschlussveranstaltung vertreten, in der Bahnhofstraße bietet Mario Litzinger Reparaturen und Aufarbeitungen von Fahrrädern an.

TG Weilbach am fleißigsten

Die Auswertung der Stadtradeln-Ergebnisse zeigt, dass die TG Weilbach in diesem Jahr der große Kilometersammler unter den dreizehn Teams war. Die dreizehn Aktiven des Vereins sammelten bei 172 Fahrten 5.130 Kilometer ein. 2025 hatte die GALF mit 5.547 registrierten Kilometern den Kopf vorne, diesmal reichte es mit gleich viel Aktiven bei 150 Fahrten zu 4.372 Kilometern und damit zu Platz zwei. Mit den weiteren Stammteilnehmern „Spaß am Rad“, der bei 4.208 Kilometern mit 526 Kilometern den besten Pro-Kopf-Wert erreichte sowie dem „mobflo-Radelteam“ (4.091 Kilometer) knackten zwei weitere Gruppen die 4.000-Kilometer-Grenze. Die Stadt würdigt das Engagement der Teilnehmenden üblicherweise nachträglich mit einer Verlosung von Preisen, unabhängig von der Platzierung der Teams.

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