1966 wurde Kurt Georg Kiesinger der erste Kanzler einer großen Koalition aus CDU/CSU und SPD, Heinz Schenk und Lia Wöhr moderierten zum ersten Mal den „Blauen Bock“, Drafi Deutscher stürmte mit „Marmor, Stein und Eisen bricht“ an die Spitze der Hitparade und 42 Schülerinnen und Schüler der Riedschule Flörsheim nahmen ihre Realschulabgangszeugnisse in Empfang.
Nun, 60 Jahre später, traf man sich erneut, um gemeinsam Erinnerungen auszutauschen, die je eigene Sicht zu den verschiedenen Lehrerinnen und Lehrer zum Besten zu geben und sich die Anekdoten von damals ins Gedächtnis zu rufen. „Da ich nicht gerne Hausaufgaben machte, hatte ich mir einen Trick überlegt, um beim Abzeichnen der Aufgaben durch die Englischlehrerin nicht aufzufallen. Das ging lange, aber leider nicht auf Dauer gut und mein Vater wurde über mein „schändliches Tun“ informiert,“ erinnerte sich Hedi Römer, die mit Angelika Remsperger und Ute Wähner das Treffen vorbereitet hatte.
Leider ist schon ein Drittel der damaligen Mitschülerinnen und Mitschüler verstorben und einige, die sich schon auf das Treffen gefreut hatten, mussten aus gesundheitlichen Gründen absagen. Trotzdem war die Stimmung hervorragend. Schnell war man sich bei der Einordnung der Lehrerinnen und Lehrer einig. Während ein Teil der Älteren, noch geprägt durch den Krieg, überwiegend auf Zucht, Ordnung und Gehorsam setzte und pädagogische Empathie vermissen ließ, waren es vor allem die jungen Lehrer, die die Schülerinnen und Schüler begeisterten und ihnen neue Sichtweisen eröffneten.
„Mein Interesse für die klassische Musik wurde durch den Musiklehrer Segschneider geweckt, der mit uns ,Die Moldau' von Smetana anhörte und erläuterte,“ führte Hajo Schuy als Beispiel an. Für viele Schüler war der Junglehrer Horst Bender von großer Bedeutung. Er las mit den Schülern Herbstgedichte, erstellte mit ihnen mehrfach Tonaufzeichnungen und Mappen und initiierte auch eine Pantomime zum „Zauberlehrling“ von Goethe oder Wandzeitungen zu historischen Ereignissen. „Er favorisierte schon den Projektunterricht, bevor es den Begriff gab,“ brachte es Rolf Müller-Calleja, später selbst Lehrer, auf den Punkt.
Spontan wurden einige Gedichte rezitiert, die seit damals in den Köpfen geblieben waren. Schon zum 50.Jahrestag, der ganz im Zeichen des Schulbesuchs der Riedschule stand (die „Flörsheimer Zeitung“ berichtete darüber), hatten die Schülerinnen und Schüler Mappen, Bilder und Erinnerungen von Horst Bender zurückbekommen, die er all die Jahre aufbewahrt hatte.
Einig war sich die Gruppe auch in der Einschätzung, dass die Schulzeit eine Zeit des Aufbruchs gewesen sei. „Wir waren zwar recht brav, aber offen für Neues und bereit vieles auszuprobieren. Alle anwesenden Mitschülerinnen und Mitschüler blicken auf eine erfolgreiche berufliche und private Zeit zurück“, meinte Paul Herbert Kleber, der aus der Stuttgarter Gegend angereist war.
Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum. Das Organisationsteam denkt schon an das nächste Treffen, das im nächsten Jahr stattfinden soll. „Vielleicht können die, die aus Krankheitsgründen diesmal nicht dabei sein konnten, sich im nächsten Jahr beteiligen, wenn es wieder heißt: Weißt du noch …?“, formulierte Angelika Remsperger abschließend einen Wunsch.

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