Manche hängen seit Jahrzehnten im Wohnzimmer, andere wurden geerbt, auf Reisen entdeckt oder bei einer Ausstellung spontan gekauft. Normalerweise bleiben solche Kunstwerke einem kleinen privaten Kreis vorbehalten. Für die Ausstellung „PrivatArt – Kunst, die man sonst nicht sieht“ haben Mitglieder des Rotary Clubs Hochheim-Flörsheim Oberer Rheingau nun einen Teil ihrer persönlichen Sammlungen geöffnet. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kunstforum Mainturm. Seit Sonntag sind die Werke dort zu sehen.
Vor rund 40 Besuchern eröffnete Bürgermeister Bernd Blisch die Ausstellung gemeinsam mit Vertretern des Clubs und dem Leiter des Flörsheimer Kulturamtes, Christopher Naumann. Dabei geht es nicht allein darum, Bilder und Skulpturen für einige Wochen aus privaten Räumen in die Öffentlichkeit zu holen. Ebenso wichtig sind die Geschichten, die sich mit ihnen verbinden.
Zu jedem Exponat erfahren die Besucher, wie es in den Besitz seines heutigen Eigentümers gelangte. Mal handelt es sich um ein Erbstück, mal um ein Geschenk oder einen gezielten Kauf, gelegentlich spielte auch der Zufall eine Rolle. Kunst wird damit nicht nur als ästhetisches Objekt gezeigt, sondern als Teil persönlicher Lebensgeschichten.
Rotary-Präsident Thomas Kraemer verwies bei der Eröffnung auf die ungewöhnliche Vielfalt der Arbeiten. Viele Stücke sind für ihre Besitzer mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Dass an der heimischen Wand für einige Wochen eine Lücke bleibe, könne sogar den Blick auf ein vertrautes Werk verändern. Was einen über Jahre begleitet, werde im Alltag oft kaum noch bewusst wahrgenommen. Erst wenn es fehle, werde sein Stellenwert wieder deutlich.
„PrivatArt“ gliedert sich in drei Themenbereiche. Unter „Stadt – Land – Fluss“ sind zwölf Arbeiten versammelt, „Figur und Geschichte“ umfasst 13 Werke, weitere 16 gehören zu „Gesellschaft und Natur“. Die Bandbreite reicht von Landschaftsmalerei über figurative Arbeiten und Skulpturen bis zu sakralen Gegenständen und ungegenständlicher Fotografie.
Für Kulturamtsleiter Naumann war gerade diese Vielfalt bei der Zusammenstellung eine Herausforderung. Unterschiedliche Formate, Techniken und Motive mussten in den Räumen des Mainturms zu einer schlüssigen Schau verbunden werden. Auf klassische kunsthistorische Erklärungstafeln zu jedem Werk wurde bewusst verzichtet. Stattdessen stehen die Besitzer und ihre Beziehung zur Kunst im Mittelpunkt.
Wie persönlich solche Erwerbungsgeschichten sein können, zeigt ein Modell der Flörsheimer „Himmelsleiter“. Die Granitskulptur von Hubert Maier entstand Ende der 1990er-Jahre im Zusammenhang mit dem Bildhauersymposium am heutigen Panoramaweg zwischen Bad Weilbach und Wicker. Ein Sammler entdeckte damals den Entwurf und Reststeine des Werkes bei seinen Fahrradtouren und kaufte sie kurzerhand. Die große „Himmelsleiter“ ist längst ein markantes Kunstwerk in der Flörsheimer Landschaft – das kleinere Modell erzählt nun im Mainturm seine eigene Geschichte.
Auch das farbintensive Werk „Madrigal“ von Gerhard Matzat kam eher spontan zu seinem Besitzer. Bei einer Verkaufsausstellung in einer Scheune in Hofheim-Wallau fiel das Bild mit seiner dicht gedrängten Gesellschaft aus Musikern, Masken und skurrilen Figuren sofort ins Auge. Der Käufer griff zu und war damit schneller als der damalige Main-Taunus-Landrat Berthold Gall, der wenige Minuten später ebenfalls Interesse gezeigt haben soll. Solche Episoden zeigen, dass Kunstbesitz nicht immer Ergebnis langer Planung sein muss.
Zur Ausstellung ist zudem ein Katalog erschienen, der erworben werden kann. Neben Abbildungen der Werke dokumentiert er, wie die einzelnen Stücke in die privaten Sammlungen gelangten und welche Erinnerungen mit ihnen verbunden sind. Initiator des Projekts war der frühere Rotary-Präsident Helmut Mohr, der die Idee gemeinsam mit Naumann weiterentwickelte.
Der Rotary Club nutzte die Eröffnung auch, um auf sein soziales Engagement in Hochheim und Flörsheim hinzuweisen. Einnahmen und Spenden fließen nach Angaben des Clubs in örtliche soziale, kulturelle und ökologische Projekte. So finanziert der Verein etwa Obst für Grundschulen und sammelt mit dem Verkauf von Überraschungspaketen auf dem Weihnachtsmarkt Geld für gemeinnützige Zwecke.
Im Mittelpunkt stand am Sonntag jedoch die Kunst und die seltene Gelegenheit, Werke zu betrachten, die sonst hinter privaten Türen bleiben. „PrivatArt – Kunst, die man sonst nicht sieht“ ist noch bis Sonntag, 13. September, im Kunstforum zu sehen. Geöffnet ist donnerstags von 18 bis 20 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.


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