In der letzten Schulwoche vor den Ferien lud das Graf-Stauffenberg-Gymnasium wieder zu seinen Weihnachtskonzerten ein. Am 17. und 18. Dezember verwandelte sich die St.-Gallus-Kirche in einen festlichen Konzertsaal. Die besondere Akustik und Atmosphäre der Barockkirche boten erneut den passenden Rahmen für einen musikalischen Jahresabschluss, der an beiden Abenden restlos ausverkauft war. Rund 750 Besucherinnen und Besucher erlebten ein ebenso anspruchsvolles wie abwechslungsreiches Programm.
Rund 120 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 13 standen an den beiden Abenden auf der Bühne. Beteiligt waren der Chor mit etwa 40 Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Wiebke Vella, das Orchester mit rund 25 Musikerinnen und Musikern unter der Leitung von Katrin Pons, sowie die Symphonics mit etwa 30 Beteiligten, betreut von Malte Biegler und Lilit Di Tavi-Danieljan. Die Big Band mit rund 20 Aktiven stand ebenso wie die Technik-AG für Licht und Ton mit etwa zehn Schülern unter der Leitung von Bernhard Frank. Das Pop-Folk-Ensemble wurde von Dominik Plachta und Katrin Pons geleitet und der Eltern-Lehrer-Ehemaligen-Chor (ELEC) von Katrin Pons und Wiebke Vella. Die Korrepetition übernahm Miriam Schröer. Malte Biegler, der früher selbst Schüler am Graf-Stauffenberg-Gymnasium war und viele Jahre in den Ensembles mitwirkte, kehrte damit auch musikalisch an seine alte Schule zurück.
Nach der Begrüßung durch die Schulleitung prägten die Ensembles den weiteren Verlauf des Abends. Die Symphonics eröffneten das Programm unter anderem mit der „Romanze in D“ sowie dem Weihnachtsklassiker „Do You Hear What I Hear“. Der Chor setzte mit „Carol of Christmas“ und später mit „All of Me“ ruhige, klangvolle Akzente. Das Orchester präsentierte neben dem ersten Satz aus Joseph Haydns Sinfonie Nr. 16 auch ein Medley aus Tschaikowskys „Der Nussknacker“ sowie Filmmusik aus „The Hunger Games“. Die Big Band sorgte mit „Fairytale of New York“, „Inception“ und einem Earth-Wind-and-Fire-Dance-Mix für rhythmische Kontraste. Das Pop-Folk-Ensemble überzeugte mit Titeln wie „Night Changes“, „Salvatore“ und „Underneath the Tree“, während der ELEC unter anderem „Don’t Stop Believin’“ und „Candlelight Carol“ interpretierte. Zum Abschluss vereinten sich alle Ensembles bei „Man in the Mirror“ und anschließend gemeinsam mit dem Publikum bei „O du fröhliche“. Das Publikum dankte mit lang anhaltenden stehenden Ovationen.
Die Programmauswahl entstand im engen Austausch zwischen Schülerinnen und Schülern und den betreuenden Lehrkräften. Die Gesamtverantwortung für Organisation und Ablauf der beiden Konzertabende lag bei Katrin Pons, die auch die inhaltliche Abstimmung des Programms koordinierte. Ideen und Wünsche der Jugendlichen seien dabei ausdrücklich willkommen gewesen, erläuterte sie. Gerade beim gemeinsamen Abschlussstück habe man bewusst darauf geachtet, eine klare inhaltliche Botschaft zu vermitteln. Mit „Man in the Mirror“ wollten die jungen Musikerinnen und Musiker ein Zeichen setzen für Verantwortungsbewusstsein, Zivilcourage und die Überzeugung, dass gesellschaftliche Veränderungen nur dann gelingen, wenn viele Menschen gemeinsam handeln.
„Man in the Mirror“ entstand vor dem Hintergrund großer gesellschaftlicher Spannungen der 1980er-Jahre, geprägt vom Kalten Krieg, Kriegen, Armut und sozialen Gegensätzen. Der Song richtet sich gegen passives Zuschauen und fordert dazu auf, das eigene Handeln zu hinterfragen. Die Metapher vom Mann im Spiegel steht für Selbstreflexion und Verantwortung jedes Einzelnen. Damit war das Stück mehr als ein musikalischer Höhepunkt. Sein Appell, Haltung zu zeigen und bei sich selbst anzufangen, ist zeitlos und angesichts sozialer Ungleichheit, Rassismus und globaler Krisen aktueller denn je.
Katrin Pons blickte am Ende der beiden Abende zufrieden zurück. „Es war einfach gute Laune in der Kirche zu spüren, tolle Musik und ein besinnlicher Weihnachtsabend“, sagte sie. Besonders das Stück „Candlelight Carol“ habe sie persönlich berührt. Was sie nach all den Jahren motiviere, solche Großprojekte immer wieder neu zu stemmen, fasste Pons so zusammen: „Hier geht es um das Miteinander, darum, gemeinsam etwas zu schaffen, sowohl innerhalb der Ensembles als auch ensembleübergreifend. Musik wirkt unmittelbar, die Reaktionen im Ensemble und im Publikum sind ehrlich und direkt spürbar.“
In der Konzertorganisation reize sie vor allem, Rahmen zu schaffen, in denen Schülerinnen und Schüler glänzen könnten. Planung und Struktur seien kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für Sicherheit, Konzentration und künstlerische Freiheit. „Wenn am Konzertabend alle spüren: Wir haben das zusammen geschafft, relativiert das jede Anstrengung. Kurz gesagt: Die Motivation entsteht aus dem Miteinander, der gemeinsamen Verantwortung und dem Moment, in dem Engagement, Musik und Gemeinschaft sichtbar werden.“
Seit vielen Jahren sind die Weihnachtskonzerte ein fester Bestandteil des Schullebens am Graf-Stauffenberg-Gymnasium. Auch diesmal zeigten sie eindrucksvoll, wie Musik Gemeinschaft stiften, Vielfalt sichtbar machen und zum Nachdenken anregen kann.


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