Sechs Anläufe brauchte es diesmal, dann war es um den Gickel geschehen. Andreas Kling setzte beim traditionellen Gickelschlag der Weilbacher Kerb dem Bembel ein Ende und darf sich nun für ein Jahr Besitzer des Gickel-Wanderpokals nennen.
Wer beim Gickelschlag in den Kreis gerufen wird, darf das durchaus als Auszeichnung verstehen. Schließlich sucht der Kerbeverein bevorzugt Menschen aus, die sich um die Kerb verdient gemacht haben, einem Jubiläumsjahrgang angehören oder der Weilbacher Kerbetradition auf andere Weise eng verbunden sind.
Mit einem echten Wettbewerb hat das Ganze zumindest zu Beginn nur bedingt zu tun. Die Kandidaten bekommen die Augen verbunden und dürfen zunächst hören, wo der Bembel über das Pflaster geschoben wird. Doch gerade bei den ersten Teilnehmern steht das Tongefäß beim anschließenden Schlag längst nicht mehr dort. Dieses Spiel gehört zur Gaudi. Später bleibt der Bembel tatsächlich in Reichweite, während das Publikum mit mehr oder weniger hilfreichen Zurufen für zusätzliche Verwirrung sorgt.
Nach fünf erfolglosen Kandidaten schlug schließlich die Stunde von Andreas Kling. Im sechsten Anlauf erwischte er den Bembel und entschied den Gickelschlag 2026 für sich.
Kling tritt damit die Nachfolge von Pascal Schäfer an, der sich im vergangenen Jahr deutlich länger gedulden musste: 2025 zerlegte erst der 13. Kandidat den Bembel. 2024 war Thomas Schmidt als fünfter Kandidat erfolgreich, während Heinz Lauck 2023 den Gickel überraschend bereits als zweiter Teilnehmer erwischte. Einen lebenden Hahn gibt es als Preis mittlerweile nicht mehr. Seit 2019 erhält der Sieger den von Thomas „Tommy“ Reinelt gestalteten Wanderpokal, einen Gickel aus Metall.
Für Kling schließt sich damit gewissermaßen ein Kreis: Schon 2010 gehörte er zum aktiven Weilbacher Kerbejahrgang. Ganz kostenlos ist der Erfolg allerdings auch heute nicht: Zum Gickelschlag gehört die Verpflichtung, den aktuellen Kerbejahrgang am Vorabend der nächsten Kerb zum Essen einzuladen. Diese Aufgabe fällt nun Andreas Kling zu.
Dem Spaß mit verbundenen Augen und Dreschflegel ging am Montag ein Programmpunkt voraus, der in Weilbach eine mindestens ebenso lange Tradition hat. Die Kerbeborsch übergaben 1600 Euro an den Verein „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt“.
Die Unterstützung reicht bis ins Jahr 1990 zurück. Damals begannen die Kerbeborsch „Die Nachteulen“, Einnahmen aus dem Kerbekaffee für krebskranke Kinder zu spenden. Die heutige Kerbegesellschaft führte diese Tradition später fort.
Bereits 2012 waren innerhalb von 22 Jahren mehr als 15.000 Euro zusammengekommen. Seitdem wurde Jahr für Jahr weiter gesammelt. Insgesamt dürfte sich die Weilbacher Unterstützung damit inzwischen der Marke von 30.000 Euro nähern.
So verbindet der Kerbemontag seit Jahrzehnten ausgelassene Tradition mit einem ernsten Anliegen: Während beim Gickelschlag irgendwann der Bembel zu Bruch geht, hat die Hilfe für krebskranke Kinder dauerhaft Bestand.


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