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Ein Update soll es richten

Fraport kündigt Erweiterung des Dachsicherungsprogramms und Kommunikationsoffensive an

Bis auf eine Ausnahme haben laut Fraport alle beauftragten Dachdeckerunternehmen „ausgezeichnete Arbeit“ geleistet. Nichtsdestotrotz will der Flughafenbetreiber eine stichprobenartige Überprüfung und ein Inspektionsprogramm für bereits gesicherte Dächer starten.
(Foto: Fraport AG)

FRANKFURT/FLÖRSHEIM (noe) – Die im Umkreis des Frankfurter Flughafens bereits durchgeführten und noch anstehenden Dachsicherungsmaßnahmen seien „weltweit in Quantität und Qualität einzigartig“, sagte Dr. Pierre Dominique Prümm, Bereichsvorstand Aviation der Fraport AG, am Dienstagvormittag, 25. September, im Rahmen einer Pressekonferenz. Der Flughafenbetreiber hatte zu diesem Termin geladen, um Informationen über die Ergänzung des aktuellen Dachsicherungsprogramms zu liefern, außerdem äußerte sich Fraport zum Stand der laufenden Maßnahme und zu den festgestellten Mängeln bei bereits geklammerten Dächern in Flörsheim.

Das Dachsicherungsprogramm betrifft im Wesentlichen die Kernstädte von Flörsheim und Raunheim. Dort, im sogenannten Anspruchsgebiet, liegen insgesamt 6.000 Dächer, von denen rund 2.800 bereits „vollständig gesichert“ worden seien, so Prümm: „Die Hälfte des Weges ist gegangen.“ Ziel bleibe die Sicherung aller Dächer im Anspruchsgebiet bei schnellstmöglicher Durchführung und bestmöglicher Qualitätssicherung. 47 Millionen Euro seien in die seit fünf Jahren laufenden Dachsicherungsmaßnahmen bereits geflossen, die Finanzierung der „zweiten Hälfte“ sei gesichert, betonte Prümm: „Es gibt für das Budget keine Obergrenze.“

Interne und externe Kontrollen
Hauseigentümer im Anspruchsgebiet können die Dachsicherung durch einen selbst beauftragten Fachbetrieb vornehmen lassen. Nach Fertigstellung, Kostenprüfung und erfolgreicher Abnahme durch einen Sachverständigen übernimmt Fraport die Rechnung. Statt in Eigenregie vorzugehen, ziehen die meisten Hauseigentümer das „Komplettpaket“ des Flughafenbetreibers vor: 94 Prozent der Dächer werden durch Fraport gesichert. Dies wird von Fraport als „große Bestätigung“ und als Vertrauensbeweis interpretiert. Angesichts der im Laufe des Jahres ans Licht gekommenen Mängel bei Dachsicherungsarbeiten, die von Fraport in Auftrag gegeben worden waren, bemüht sich das Unternehmen im wahrsten Wortsinn um Reparatur. Sozusagen mit einem Update des Dachsicherungsprogramms soll verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden. Hierzu wurden beim Pressetermin drei Schwerpunkte genannt: erstens die „Erweiterung der Qualitätssicherung“, zweitens ein „Inspektionsprogramm für Eigentümer“ und drittens eine „Kommunikationsoffensive“.

Die Qualitätssicherung soll zum einen mittels interner Kontrollen durch Fraport-Mitarbeiter gewährleistet werden. Dazu gehört erstens die Rechnungsprüfung und zweitens die Baubegleitung und -abnahme, bei der ein bei Fraport angestellter Dachdeckermeister als Baubetreuer zum Einsatz kommt. Jener begleitet laut Fraport die Dachsicherung täglich von Beginn bis Abnahme, um Fehler in der Ausführung rechtzeitig zu erkennen und anzusprechen. Bei der Abnahme werden laut Jörg Pallstöcker, der für Fraport als Dachdeckermeister tätig ist, „punktuell verschiedene Dachdetails aufgedeckt, bei denen keine Bebilderung vorliegt“ – der Baubetreuer dokumentiert die Dachsicherung nämlich in Wort und Bild in einer Baumappe, die dem Hauseigentümer übergeben wird. Zum anderen werden externe Qualitätskontrollen durch öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige durchgeführt. Darunter fallen baubegleitende Stichprobenkontrollen und eine Kontrolle nach Abschluss der Maßnahme. Diese Form der Qualitätssicherung sei, so der Flughafenbetreiber, „bereits in der Vergangenheit umfassend“ gewesen. Bis auf eine Ausnahme hätten alle beauftragten Dachdeckerunternehmen „ausgezeichnete Arbeit“ geleistet.

Nichtsdestotrotz will Fraport nun bereits gesicherte Dächer durch externe Sachverständige stichprobenartig überprüfen lassen. Die betroffenen Eigentümer werden vom Flughafenbetreiber zuvor kontaktiert; Ziel der Maßnahme sei es, „die Wirksamkeit des Programms zu untermauern“. Des Weiteren kündigt Fraport ein kostenloses Inspektionsprogramm für durchgeführte Dachsicherungsmaßnahmen an, das am 1. Januar 2019 starten soll. Eine sogenannte Kommunikationsoffensive schließlich soll vor allem diejenigen Hauseigentümer, die sich bislang noch nicht für eine Dachsicherung entschieden haben, von der Inanspruchnahme des Dachsicherungsprogramms überzeugen. In diesem Zusammenhang will Fraport weitere Informationsveranstaltungen anbieten, die Zusammenarbeit mit den Kommunen im Anspruchsgebiet intensivieren sowie den Service in Sachen Antragstellung ausweiten.

Stellungnahme zu Gutachten
Summa summarum ist Fraport-Bereichsvorstand Dr. Pierre Dominique Prümm überzeugt, dass der Flughafenbetreiber ein „sehr attraktives Gesamtpaket geschnürt“ hat. Er appelliert „an alle Eigentümer in Raunheim und Flörsheim, die noch keinen Antrag auf Dachsicherung gestellt haben, dieses möglichst rasch nachzuholen“.

Indes hat insbesondere der Wirbelschleppenvorfall vom 24. Mai dieses Jahres, bei dem Ziegel von einem durch Fraport geklammerten Dach geschleudert wurden, für Zweifel gesorgt. In Flörsheim ist man seitdem in Sorge, ob von Fraport gesicherte Dächer wirklich sicher sind. Zwar beteuert der Flughafenbetreiber, dass interne und externe Kontrollen für ein höchstmögliches Maß an Sicherheit sorgen würden – schließlich seien mehrere Sachverständige von Beginn bis Abschluss jeder einzelnen Maßnahme am Werk. Jedoch steht gerade vor diesem Hintergrund die Frage im Raum, wie eine mangelhaft durchgeführte Dachsicherung (spätestens) bei der Abnahme unbemerkt bleiben konnte. Auch während der Pressekonferenz am Dienstag wurde diese Frage den Fraport-Vertretern gestellt, eine präzise Antwort blieb erwartungsgemäß aus. Die Tatsache, dass man Mängel am Dach festgestellt und ein bestimmtes Unternehmen dafür verantwortlich machen konnte, zeige ja, dass die Qualitätssicherung funktioniert, meinte Prümm. Allerdings erst, als das Kind in den Brunnen – oder besser: der Ziegel vom Dach – gefallen war.

 

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