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Auf ein Wort Jesus Christus – wahrer Mensch und wahrer Gott

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Jesus Christus – wahrer Mensch und wahrer Gott

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

ob nun die Sixtinische Madonna von Raffael oder die Felsgrottenmadonna von Da Vinci: Das Motiv von Maria, die das Jesuskind in den Armen hält, ist außerordentlich beliebt. Viele der alten Meister haben davon Bilder gefertigt.

Sie zeigen in eindrücklicher Weise, dass Gott als Kind in unsere Welt hineingeboren wurde. Als ein Säugling, unfähig, trotz seiner göttlichen Herkunft, eigenständig zu existieren und wie jedes Baby abhängig von seinen Eltern.

Was seltener vorliegt, sind Abbildungen von Jesus als Heranwachsender oder Jugendlicher, weil über seine Kindheit so wenig bekannt ist – zumindest aus Sicht der vier kanonischen Evangelien. Hier wurden vor allem Bilder vom zwölfjährigen Jesus im Tempel gefertigt (Lk 2, 41-52), weil diese Begebenheit im Lukasevangelium berichtet wird. Aus der Erzählung lässt sich herauslesen, dass Jesus „auch“ ein ganz normaler Teenager war, denn schließlich war Jesus Mensch. Und damit wie jedes andere Kind auch, das in die Pubertät kommt, ein wenig schwierig.

In Jesu Fall läuft er einfach seinen Eltern weg – mitten im überfüllten Jerusalem. Das merken sie zuerst nicht, weil seine Eltern meinen, er wäre unter den Verwandten und Bekannten. Doch dann ist die Aufregung groß. Maria und Joseph suchen drei Tage lang ganz Jerusalem ab, ohne ihn zu finden. Sie waren verzweifelt. In der letzten Not gingen sie in den Tempel, um zu beten. Doch dort finden sie ihren Jungen, umringt von Lehrern, die sich mit dem zwölfjährigen Jesus unterhalten. Wie groß muss da die Erleichterung, aber auch die Wut gewesen sein, als sie ihn endlich fanden. Und wie jedes andere Kind auch bekam er erst einmal eine gehörige Standpauke von seinen Eltern.

Wie Jesus sich dann weiter entwickelte, sagen uns die vier Evangelien der Bibel nicht. Er erlernte den Beruf des Bauhandwerkers und trat mit etwa 30 Jahren als Rabbi auf, als ein jüdischer Lehrer. Doch dabei war der Mensch Jesus kein religiöser Snob oder frommer Überheiliger, sondern die Leute mochten ihn. Wer lädt schon einen „religiösen Spinner“ auf eine Party ein? Aber Jesus wurde eingeladen und zwar auf die Hochzeitsparty zu Kanaan. Dort, kann man annehmen, benahm er sich so, wie sich jüdische Männer und Frauen auf einer Feier benehmen: Er feierte mit, er lachte, er tanzte, er war ganz Mensch.

Jesus Christus teilte unsere Freuden ebenso wie auch den Schmerz. Angesichts seines bevorstehenden Todes am Kreuz bekannte er: „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod“ (Mt 26,38). Jesus kannte auch Gefühle des Verlassens seins und der Angst. Er teilte mit den Menschen das ganze Spektrum körperlicher und seelischer Empfindungen – seien es gute oder schlechte. Jesus war also ganz Mensch.

Allerdings zeigen die anfangs erwähnten Kunstwerke der alten Meister nicht nur eine „menschliche“ Familienszene mit Maria und Jesus. Der sie oft umgebende Glanz eines Heiligenscheins verweist ebenso auf Göttlichkeit. Jesus war zwar ein Mensch, aber er war zugleich auch göttlicher Natur.

Ebenso hat auch die Erzählung des zwölfjährigen Jesus im Tempel eine andere Seite: Jesus ist zwar ein normaler Heranwachsender, der auch mal seinen Eltern ausbüchst. Doch führt ihn sein Weg nicht zum Spielplatz, sondern ausgerechnet in den Tempel, und offenbart damit etwas ganz Besonderes: Die Szene zeigt Jesus als außergewöhnlichen Menschen, der bereits als Zwölfjähriger mit den klügsten Köpfen des Landes auf Augenhöhe diskutieren kann. Doch nicht nur das: Als seine Eltern ihn im Tempel wiederfinden, antwortet er seinen Eltern: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?“ In der Erzählung wird nicht nur die menschliche, sondern auch die göttliche Seite Jesu deutlich.

Auch die Erzählung von der Hochzeit zu Kanaan belässt es nicht nur bei der Darstellung seiner menschlichen Seite, sondern endet mit seinem ersten Zeichen im Johannesevangelium: Jesus Christus verwandelt Wasser in Wein und offenbart damit seine göttliche Seite.

Wenn wir also Kunstwerke betrachten mit Maria und Jesus, die Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel lesen oder ihm bei der Hochzeit zu Kanaan begegnen: Immer erleben wir Jesus Christus von zwei Seiten, als wahren Menschen und wahren Gott.

Weil Jesus Christus beides war und ist, können wir uns in allen Angelegenheiten an ihn wenden. Als Gott hat er längst alles für unsere Erlösung getan. Als Mensch ist Jesus uns nahegekommen, und weil ihm weder Freude noch Leid fremd ist, kann er uns verstehen. Er weiß, wie schwierig es sein kann, den richtigen Weg auf dieser Welt zu finden – er musste ja selbst einen der schwersten Wege gehen.

Ihr Pfarrer Timo Winzler

Ev. Kirchengemeinde

Eddersheim

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