Zwischen Anonymität und Ringen um Akzeptanz

Im Vorfeld der neuerlichen "Under the Bridge"-Aktion stellen Spraykünstler im Mainturm kleinformatig aus

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Es war in mancher Hinsicht eine etwas ungewöhnliche Vernissage im Kunstforum Mainturm. Sie eröffnete am Sonntagmittag eine Ausstellung, die weniger um ihrer selbst willen zusammengestellt wurde, sondern auf das Urban-Art-Festival „Under the Bridge“ einstimmen und es begleiten soll. Ab dem 6. Juli setzen die Sprayer, die vergangenes Jahr einen Teil der Säulen und Betonflächen der Opelbrücke mit großflächigen Kunstwerken veränderten, ihre Arbeit an selber Stelle in einem neuen Workshop fünf Tage lang fort.

„I know you don’t know me“ lautet der Titel der Ausstellung im Mainturm, bei der einige der an der Brücke Mitwirkenden zeigen, dass sie auch in Formaten arbeiten können, die zu den bescheiden großen Wänden eines Ausstellungsgebäudes passen. Sieben Kunstschaffende der Sprayerszene präsentieren ganz verschiedene Ansätze, zusammengebracht und -gestellt von dem von Projekten in der Jugendarbeit in Flörsheim bekannten Frankfurter Künstler Jorge Labraña.

Der als „Fuego Fatal“ in der Szene bekannte Sprayer hatte Ende 2025 den Verein „FFUKK“ (Freunde und Förderer urbaner Kunst und Kultur) gegründet. Der wurde sicher genau so benannt, um sich den Spaß zu gönnen, empfindsame Geister dieses Kürzel aussprechen zu hören. FFUKK kuratiert die Ausstellung und setzt sich ansonsten zum Ziel, „mit gemeinnütziger Kunst und Kulturarbeit gesamtgesellschaftlich Impact zu schaffen“. Es geht dabei um „große Arbeiten im öffentlichen Raum“ der Urban Art, wie eben an der Opel-Brücke, eher nicht im Kunstforum Flörsheim.

Einerseits nennt Labraña eine Zielsetzung mit dem Verein, "mit Künstlern und Einrichtungen gleichermaßen auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, um urbane Kultur endlich aus der Schmuddelecke in die Mitte der Gesellschaft zu bewegen." Die Kunstrichtung sieht Labraña andererseits als „längst etabliert“ an, sie habe die gesellschaftliche Akzeptanz erreicht. Dies zeigen für ihn die Kooperationen, die es zwischen Luxusmarken und Unternehmen mit Künstlern der Szene gebe. Und doch wird das einst zur DNA der Sprayerszene gehörende Bild einer Untergrundkunst weiter gepflegt. Manche der Ausstellenden in Flörsheim – deshalb der Titel – wie bei den Aktionen auf den großen Flächen verraten ihren bürgerlichen Namen nicht. Sie haben auch kein Interesse, sich persönlich bei Vernissagen sich zu zeigen und ihre Kunst zu erklären.

Labraña kennt die bürgerlichen Namen der jungen Kollegen natürlich, mit denen er arbeitet, betont aber auch, dass die Camouflage keine reine Attitüde sei, sondern durchaus juristisch zu empfehlen – nicht jeder hat seine Kunst stets an offiziell dafür freigegebenen Flächen entwickelt und sich ausprobiert und ist mit der Szene weiter eng verbandelt. Der Verruchtheit der Szene waren sich Bürgermeister Bernd Blisch und Kulturamtsleiter Christopher Naumann natürlich bewusst, als sie am Sonntagmittag die Ausstellung eröffneten. „Was im Illegalen begonnen hat, ist inzwischen hoch geschätzt“, betonte Blisch und erinnerte daran, dass die Flörsheimer Stadtverordnetenversammlung sich festgelegt habe, die Sprayeraktivitäten an der Opel-Brücke und an öffentlichen Gebäuden gutzuheißen, „ich weiß nicht, ob das der Anarcho-Szene so recht ist“.

Aber es ist ja keine neue Kunstbewegung, ungefragt im öffentlichen Raum künstlerisch aktiv zu werden. Darauf, dass es das, was heute „Streetart“ genannt wird, schon seit gut 2.000 Jahren gebe, verwies Naumann. Nur ein paar Jahrhunderte jünger ist das Graffito in einer Marmorplatte in der Hagia Sophia, die ein Wickinger namens Halfdan hinterlassen hatte, mit der einfallsreichen Botschaft „Halfdan war hier“. Vielleicht haben die Künstler der Ausstellung auch mit so etwas begonnen. „Die Ausstellung möchte Türen öffnen und zeigen, wir arbeiten nicht nur im ungefragten Raum“, sagte Labraña. Auch andere Kunststile, als sie bei den großflächigen Projekten gefragt sind, kommen in Mainturm zum Tragen.

Die in Flörsheim zu sehenden sieben Künstler seien alle schon lange in der Szene unterwegs, betonte der Projektleiter. Vincent Voigt hat es am ehesten geschafft, den von seinen Arbeiten bekannten Stil auf das großformatige Leinwandformat zu übertragen. Das funktioniert, zeigt sich bei seinen Porträtbildern. Die anderen Aussteller dürften sich zumindest im Format weit von ihren Arbeiten in den Straßen entfernt haben. „Moter One“, „Peng“, „Barok“, „Inka KB6“ und „Karies“ nennen sich die weiteren Künstler, die im Mainturm ausstellen, aber auch Fuego Fatal selbst ist vertreten.

Die Ausstellung ist bis einschließlich Sonntag, 2. August, zu den Öffnungszeiten donnerstags von 18 bis 20 Uhr, sowie samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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