Leserbrief Sprit: Heuchelei auf hohem Niveau

gus

Die aktuell hohen Spritpreise treiben viele Autofahrer/innen in den Ruin. Zu dem Ergebnis kann man kommen, wenn man die Berichte in den Medien sieht. Bei nüchterner Betrachtung des Problems zeigt sich folgendes:

1. Die Treibstoffkosten eines Mittelklasse-PKW bei einer Fahrleistung von 15.000 Kilometer pro Jahr betragen knapp 20 Prozent! Das mag viele überraschen. Die höchsten Kosten sind der Wertverlust des Fahrzeugs.

2. Im Jahr 2025 waren 33 Prozent der neu zugelassenen PKW SUV und elf Prozent Geländewagen. Das heißt, knapp die Hälfte waren Fahrzeuge mit hohem Eigengewicht. Und das zu bewegen kostet Treibstoff!

3. Bei hohen Geschwindigkeiten steigt der Spritverbrauch. Die häufigste Ursache für schwere Verkehrsunfälle ist „nicht angepasste Geschwindigkeit“, sagt die Polizei, und meint damit, dass zu schnell gefahren wird. Ein generelles Tempolimit auf Autobahnen würde nicht nur Sprit sparen, sondern auch viele schwere Unfälle verhindern. Für mich nicht nachvollziehbar: Deutschland ist das einzige Industrieland der Welt ohne generelles Tempolimit auf Autobahnen. In Nordkorea, Haiti und Somalia gibt es das (juristisch) zwar auch, muss aber nicht unbedingt ein Vorbild für uns sein. Im Übrigen: Wegen der schlechten Straßen sind hohe Geschwindigkeiten in diesen Ländern ohnehin nicht möglich.

4. Von den rund 15 Millionen Schul- und Kindergartenkindern in Deutschland werden rund 19 Prozent von Elterntaxis gefahren. Auf diesen Kurzstreckenfahrten ist der Spritverbrauch besonders hoch und damit auch teuer. Scheint aber Millionen ‚fürsorglicher‘ Eltern nicht zu stören. Ihnen ist es auch egal, dass sie damit erhebliche Verkehrs- und Umweltprobleme verursachen und ihren lieben Kleinen dadurch mehr schaden als nützen!

5. Rund acht Milliarden aller jährlichen PKW-Fahrten sind kürzer als ein Kilometer! Macht das tatsächlich Sinn? Zu Fuß oder mit dem Rad geht das oft schneller. Die meisten von uns sind nicht bettlägerig bzw. gehbehindert, oder?

Mein Fazit: Unter Berücksichtigung der oben genannten Fakten komme ich zu dem Ergebnis, dass der Spritpreis immer noch zu niedrig ist! Anders kann ich mir das Verhalten vieler Zeitgenoss/innen nicht erklären.

Bernd Zürn

Weilbach

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