"Dann geht die Sonne eben früher unter" Bürgerinfo: RMD plant Erweiterung der Wickerer Deponie – Hitzige Diskussionen in der Goldbornhalle

Bürgerinfo: RMD plant Erweiterung der Wickerer Deponie – Hitzige Diskussionen in der Goldbornhalle

Warum ist eine Deponieerweiterung geplant? Gibt es keine anderen Standorte? Werden Umwelt und Klima durch die Erweiterung noch mehr belastet? Diese und eine Vielzahl anderer Fragen waren Thema bei der mehr als zweistündigen Bürgerinformationsveranstaltung der Rhein-Main-Deponie GmbH (RMD) am 26. November in der Wickerer Goldbornhalle.

Ziel der öffentlichen Veranstaltung war es, den Planungsprozess transparent zu gestalten, Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu informieren und eine aktive Beteiligung zu den Themen zu ermöglichen. Ziel war auch, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger sowie Akteure aus Politik von der Deponieerweiterung zu überzeugen. Bis zum 20. Dezember können Interessierte auch online unter www.rmd-erweiterung.de ihre Ideen und Kommentare einbringen. Die Eingaben sollen in das Genehmigungsverfahren einfließen. Im Anschluss wird ein politischer Abwägungsprozess folgen.

Madlen Overdick, Aufsichtsratsvorsitzende der RMD und Kreisbeigeordnete des MTK begrüßte die etwa 350 Gäste, sprach über Herausforderungen und Chancen der Deponieerweiterung. Die Verlängerung der Betriebszeit um 20 Jahre und die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes seien nicht von der Hand zu weisen. Für die Optimierung des Betriebes, für höhere Standards im Hinblick auf Umwelt- und Klimaschutz sollen sich jedoch Chancen eröffnen; langfristige regionale Entsorgung sei somit gesichert, betonte sie.

Durch die Erweiterung wäre Entsorgungssicherheit für rund 2 Millionen Menschen im Raum Frankfurt/Rhein-Main geboten, klimaschädliche Transporte würden vermieden und dem Gebührenzahler wäre Kostensicherheit garantiert. Neue Techniken, wie beispielsweise Förderbänder zur Staubreduzierung und Lärmschutzwände auf der Deponie würden die Belastungen insgesamt verringern, betonte Overdick.

Heino von Winning, Sprecher der RMD-Geschäftsführung, erläuterte das Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie die spezielle Bautechnik „Deponie auf Deponie“. Ein Genehmigungsantrag für eine Erweiterung auf bestehendem Gelände wird erarbeitet. Bürger und Politik sollen von Anfang an die gleichen Informationen bekommen. Ein Kommunales Unternehmen soll für neutrale Kommunikation sorgen. Eine neue Deponie würde 35 Hektar Grünland verschlingen; also ein Gelände, das es im Rhein-Main-Ballungsraum nicht gebe. Bei der Deponieerweiterung in Wicker würde dagegen kein zusätzliches Gelände benötigt. Die Erweiterung ist auf einer rund 18 Hektar großen Fläche innerhalb des Deponiegeländes geplant. Überwiegend soll eine durch die Höchstspannungstrasse gebildete Senke verfüllt werden. Allerdings würde sich die einbezogene Fläche um 20 Meter erhöhen. Bisher noch nicht abgedeckte Teile der Deponie sollen einbezogen werden. Eine multifunktionale Abdichtung mit zwei Sperrschichten soll eine Wanne bilden, in die der Abfall verfüllt wird. Regen- und Sickerwasser werden laut Planung kontrolliert abgeleitet und gereinigt.

„Nach derzeitigem Stand ist das Deponievolumen spätestens in zwei Jahren ausgeschöpft. Die Kosten für die Beseitigung der Hausmüll-Schlacke werden sich mehr als verdoppeln“, so Winning.

In einer Podiumsdiskussion sprachen Experten aus den Bereichen Gewerbe, Naturschutz und Entsorgung über die Bedeutung und den Nutzen der Deponieerweiterung. Deponien in der Rekultivierungsphase seien einzigartige Lebensräume und Rückzugsort für seltene Tierarten, wie zum Beispiel der Steinschmätzer. Ablagerung und Aufbereitung von Bauabfällen würden aufwändiger und teurer. Die Müllverbrennung und die Entsorgung der dadurch entstehenden Restschlacken sei die einzige Option, die in naher Zukunft bleibt.

Unmut der Betroffenen

Geplant war seitens der RMD, die Bürgerinnen und Bürger im Anschluss zum Dialog in vier verschiedene "Themenecken" einzuladen. Bürgerinnen und Bürger konnten sich dort an thematisierten Stellwänden über den derzeitigen Zustand und das Ausmaß der geplanten Erweiterung, deren Chancen und Risiken informieren. 50 Mitarbeiter der RMD standen bereit, um Fragen zu beantworten. Doch laute und heftige Forderungen aus dem Publikum zeigten, dass dies nicht im Sinne der Bürgerinnen und Bürger lag: „Schickt uns nicht in Themenecken, wir wollen die offene Diskussion mit dem Plenum und unmittelbare Antworten auf unsere Fragen!"

Mitglieder der Bürgerinitiative Massenheim e. V., Vertreter des Winzervereins Wicker und viele interessierte Bürgerinnen und Bürger traten in heftige Diskussion mit dem Plenum. Ganz besonders die Wickerer Bürgerinnen und Bürger zeigten sich verärgert. „Seit 40 Jahren ertragen und leben wir mit der Deponie, jetzt reicht’s“, beklagte CDU-Stadträtin Berthilde Enders mit einem selbstgefertigten Banner. Doch auch aus Flörsheim, Massenheim und Hochheim machte sich der Unmut breit: „Uns wurde von der Politik schon immer viel versprochen und nichts wurde gehalten! Wir haben hier nicht die heile Welt! Was wird man uns in 20 Jahren zumuten? Wie steht das Biosphären-Reservat im Einklang mit der Deponie? Wer erstellt ein Gutachten und was wird das Gutachten beinhalten? Möchte man jetzt Geld verdienen und die finanziellen Lücken auf Kosten der Bürger füllen?“, so die Reaktionen der Betroffenen. Klimaveränderung, Feinstaub, Lärm, Schlacke, Ausbringung von Jauche – heiße Themen, die die Bürgerschaft bewegen. Die Entscheidungsfreiheit, die man den Bürgern einräumt, ob der Müllberg am Ende einer Hügellandschaft oder einem Tafelberg gleichen wird, erschien dem Einen oder Anderen angesichts der Tragweite des heiklen Themas Deponieerweiterung nahezu lächerlich.

„Wenn wir auf die Deponie noch etwas draufpacken, dann wird der darunterliegende Müll besser verpackt, doch wir müssen auch die Flughöhe beachten“, erklärte Heino von Winning und erntete mit seiner Aussage höhnisches Gelächter seitens der Gäste. „Die Alternative ist die Straße“, versuchte er zu beschwichtigen. „Dann geht die Sonne in Wicker eben etwas früher unter“, so der sarkastische Konsens des Wickerer Ortslandwirts Allendorf.

Es geht um Abfall, der uns alle angeht

Am 27. Februar 2020 wird es eine weitere Bürgerversammlung in Massenheim geben, dann sollen die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung vorgestellt werden. Die Entscheidung, ob die Genehmigungsanträge abgegeben werden, liegt beim Aufsichtsrat der RMD. Erst nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Planungsverfahren kann tatsächlich die Genehmigung zur Erweiterung der Deponie erteilt werden.

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