Erste Predigt von Pfarrerin Melanie Khalil

Die Gottesdienstbesucher der Auferstehungsgemeinde freuten sich, ihre neue Pfarrerin begrüßen zu können

hl

Die Kirche war voll wie selten. Beim Abendmahl reichte die Anzahl der vorbereiteten Kelche nicht aus. Nach ihrer Vorstellung wurde Pfarrerin Khalil durch Applaus willkommen geheißen. Ihre Predigt über die Begegnung von Jesus mit der Frau aus Samarien am Jakobsbrunnen, die sie mit Parallelen zu ihrer Person ausschmückte, wurde sehr positiv aufgenommen. Am letzten Freitag gab Melanie Khalil den Krifteler Nachrichten ein Interview.

Wie hat sich Ihr Glaube, der Sie nun als Pfarrerin nach Kriftel führt, entwickelt?

Ich bin katholisch getauft und in Aschaffenburg aufgewachsen. In der Maria-Ward-Schule wurde ich von Nonnen unterrichtet. Es hat mich sehr beeindruckt, wie diese Frauen ihr Leben in den Dienst Gottes gestellt haben. Meine Familie selbst hatte damals noch nicht besonders viel Bezug zur Kirche. Mein Glaube hat sich erst später als Jugendliche entwickelt. Hier prägten mich meine Freundinnen, Jugendgruppen und weitere kirchliche Aktivitäten.

Wie sah ihre Berufsausbildung aus?

Nach dem Abitur habe ich mich für ein Architekturstudium an der FH Frankfurt entschieden. Als Architektin gearbeitet habe ich 15 Jahre bei der ABG Frankfurt Holding, was mir viel Freude bereitet hat. Wir haben uns mit Wohnungsbau beschäftigt. Die Arbeit war sehr vielfältig, unter anderem habe ich die Rolle der Bauherrenvertretung eingenommen, Kunden betreut, mich mit juristischen Fragen beschäftigt und gelernt mit Menschen im Team umzugehen und die passenden Antworten auf Vorgaben zu finden.

Wieso entschieden Sie sich als Architektin Theologie zu studieren?

Bei meiner Beschäftigung mit der Bibel sind viele Fragen aufgetaucht. Und ich glaubte, diese besser beantworten zu können, wenn ich Hebräisch und Altgriechisch können würde. Ich dachte, ich könnte dann die ursprünglichen Texte selbst übersetzen und damit den Dingen mehr auf den Grund gehen. Aber es sind viele Fragen geblieben und ich wollte weiter forschen. So dachte ich mir, dann kann ich auch gleich Theologie studieren. Ein zentraler Bibelvers, der mich bei dem Vorhaben ermutigte, ist Matthäus 6, Vers 33 „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“. Diese Sichtweise entspricht meiner tiefen Überzeugung, Gott an erste Stelle zu setzen, ihm in allen Dingen zu vertrauen und nicht selbst die Kontrolle behalten zu wollen. Ich erlebe, dass mir dann tatsächlich alles andere zufällt, wenn Gott meine erste Priorität ist.

Wo haben Sie Ihr Theologiestudium durchgeführt?

Die Goethe-Universität in Frankfurt bietet ein berufsbegleitendes Studium an, das mit dem Abschluss Master of Theological Studies endet. Es dauert 3 Jahre und setzt einen Hochschulabschluss und eine fünfjährige Berufspraxis voraus. Außerdem sind Bibelkunde und das Erlernen der Sprachen Hebräisch und Griechisch Voraussetzung. Die Sprachen hatte ich mir während der Corona Zeit schon angeeignet.

Sie sprechen von Fragen zum Glauben. Haben Sie die immer noch, auch als Pfarrerin?

Ich denke, ein Glaube ohne Zweifel wäre ein toter Glaube. Man muss zu jeder Zeit Fragen zulassen. Ich habe festgestellt, dass dadurch der Glaube stärker wird. Ich selbst habe mich nicht linear auf Gott zubewegt, sondern eher kreisförmig oder besser gesagt in Form von Serpentinen. So war ich mal weiter entfernt, mal wieder näher dran, sozusagen auf Sichtweite. Froh bin ich darüber, dass mir der Glaube nie abhandengekommen ist. Die Bibel zeigt die ganze Vielfalt an Emotionen in der Beziehung der Menschen zu Gott, Klagen, Lob, menschliche Konflikte. Gott will, dass wir uns mit allem an ihn wenden, und das ist ein Privileg.

Wie erlebten Sie ihr Vikariat?

Als ich meine erste Prüfung zur Pfarrerin abgelegt hatte, musste ich für meinen weiteren Weg eine Entscheidung treffen. Berufsbegleitend oder halbtags kann man kein Vikariat machen. Also entschied ich mich, meine Stelle als Architektin zu kündigen. Das war ein Riesenschritt, den mein damaliger Arbeitgeber sehr bedauerte. Ich kam dann nach Bad Homburg in die Gemeinde der Erlöserkirche. Von Anfang an habe ich mich dort sehr wohl gefühlt. Meine Entscheidung zum Beruf der Pfarrerin habe ich keinen Tag bereut. Ich bin ein kreativer Mensch und liebe es, Dinge zu gestalten. Ich stellte fest, dass ich in meiner Tätigkeit als Vikarin noch mehr Gestaltungsfreiheiten hatte als bei meiner Tätigkeit als Architektin. So lernte ich meinen jetzigen Beruf schätzen und lieben.

Wie wollen Sie die Arbeit in ihrer neuen Wirkungsstätte, der Auferstehungsgemeinde in Kriftel angehen?

Ich freue mich sehr auf meine Aufgaben in der Auferstehungsgemeinde. Ich habe heute schon einen vollen Terminkalender. Ich bewundere die Gemeinde sehr, dass sie die zweijährige Vakanzzeit so gut gestaltet hat. Ein festes Konzept habe ich nicht, ich möchte erst einmal kennenlernen, welche Gruppen und Aktivitäten es vor Ort gibt. Und dann sehr sensibel schauen, wo ich mich einbringen kann, wo vielleicht Potentiale noch brach liegen oder Menschen noch mit einbezogen werden können. Auf keinen Fall will ich gut laufende Prozesse ändern oder zum Erliegen bringen.

Welche Tätigkeiten mögen Sie besonders?

Ich liebe die Vielfalt meiner Tätigkeit, deshalb habe ich keine besonderen Vorlieben. Die Verkündigung spielt für mich eine große Rolle. Es fasziniert mich, dass man sich für die Vorbereitung der Predigt eine ganze Woche lang mit einem Bibeltext beschäftigen kann. Und dann auch noch mit anderen über den Text ins Gespräch kommen kann. Ich möchte keine Monologe führen und freue mich auf Rückmeldungen, also bitte mich immer ansprechen. Die Ökumene liegt mir am Herzen, aber auch die Lehre. Ebenso mag ich sehr die Arbeit mit Jugendlichen.

Unsere Leser und Leserinnen wollen sicher auch gerne etwas über ihr Privatleben wissen. Es wäre schön, wenn Sie darüber etwas erzählen mögen.

Ich bin mit meinem Mann Samuel Khalil seit zwei Jahren verheiratet. Er ist Urologe und praktiziert in Hattersheim. Mein Mann hat mich sehr stark bei meinem Theologiestudium und in der Vikariatszeit unterstützt und wird auch öfters in der Auferstehungskirche zu sehen sein. Er selbst ist koptisch-orthodox und in seiner Kirche im Kirchenvorstand aktiv. Seine Eltern stammen aus Kairo, er ist in Höchst geboren. Wir haben uns in Frankfurt im Nordend ein Haus mit fünf Wohnungen gekauft und dieses vollständig saniert. Da konnte ich mich als Architektin sehr einbringen. Wir wohnen in der Erdgeschosswohnung mit einem Garten. Ich habe eine Schwester und zwei Stiefbrüder. Meine Eltern leben auch jetzt noch in der Nähe von Aschaffenburg.

Was sind Ihre Hobbys?

Im Moment muss ich sagen, dass die Theologie mein Hobby ist. In den letzten Jahren war nicht sehr viel Zeit für etwas anderes. Mein Mann und ich wandern gern. Irgendwann werden wir sicher auch noch unsere geplante Alpenüberquerung schaffen. Wir haben beide einen großen Freundeskreis und mögen es, uns mit unseren Freunden zu treffen.

Wieso bedeutet es Ihnen viel, dass Propst Albrecht ihre Ordination vornimmt?

Propst Albrecht hat mich in meinem Vikariat begleitet. Die Begegnungen mit ihm waren immer sehr angenehm und er hat mich gut eingeschätzt. Er hat meine Vikariatsstelle in Bad Homburg ausgewählt und jetzt Kriftel vorgeschlagen.

Nach dem Gottesdienst am Sonntag hatte Pfarrerin Melanie Khalil noch eine wunderbare neue Nachricht. Das Ehepaar Khalil adoptiert ein sechs Monate altes Mädchen. Sie werden die Kleine zur Ordination von Melanie Khalil am Samstag, 21. Februar um 15 Uhr mitbringen.

Herzlichen Glückwunsch der jungen Familie und alles Gute für den Start in Kriftel!

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