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Wo man singt, da lass‘ Dich ruhig nieder

150 Jahre Sängervereinigung Weilbach: Mitreißendes Gemeinschaftskonzert zum großen Jubiläum

Der gemischte Chor „La Musica“ bei seinem Auftritt zur Jubiläumsveranstaltung.
(Fotos: L. Engel)

WEILBACH (eng) – Am Samstag, 21. April, hatte die Sängervereinigung Weilbach zum großen Festkommers ab 14 Uhr eingeladen. Bei strahlendem Sonnenschein füllte sich die Weilbachhalle mit den geladenen Chorgemeinschaften und Sängervereinigungen mit über 500 Sängerinnen und Sängern aus der Umgebung.

Karl-Heinz Groß, 1. Vorsitzender des Vereins, begrüßte die anwesenden Gäste und Vereinsmitglieder und sprach allen, die an der Organisation dieser großen Veranstaltung beteiligt waren, seinen herzlichen Dank aus, verbrachte man doch ein ganzes Jahr mit den Vorbereitungen zum 150-jährigen Jubiläum. Neben den helfenden Vereinen hatten wohl die Freunde aus Obersuhl, die bei solchen Festen gerne unterstützend zugegen sind, die weiteste Anfahrt. „Möglicherweise“, so Groß, „ist der Eine oder Andere noch etwas müde von der Gute-Laune-Party mit der Band namens Wanda.“ Deren Konzert fand am Vorabend statt.

Stellvertretend für den zwölfköpfigen Vereinsvorstand bat er die zweite Vorsitzende Barbara Steiner auf die Bühne, ebenso wie Georg Koch, der für seine langjährige Zugehörigkeit zum Verein geehrt wurde. Es folgte ein kurzer Rückblick über die Geschichte des Weilbacher Chorgesanges, die bis ins Jahr 1868 zurückreicht, über soziale Beweggründe, Trennungen und Zusammenschlüsse, von „Sängerlust“ und „Liederzweig“. 1988 entstand neben dem Männerchor auch ein Frauenchor, 2007 wurde daraus ein gemischter Chor. 2014 stellte sich der Verein neu auf und agiert seitdem als gemischter Chor der Sängervereinigung Weilbach e.V. 

Schirmherr der Jubiläumsveranstaltung mit anschließendem Chorkonzert war der Flörsheimer Bürgermeister Michael Antenbrink. In seiner Rede begrüßte er den ältesten Verein Weilbachs, der mittlerweile etwa 480 Mitglieder zählt. In Anwesenheit des Hessischen Sängerbundes, vertreten durch Walter Krimmel und den Ersten Stadtrat Sven Heß, tauchte er, beginnend mit der Gründung im Kaiserreich, tief in die Historie des Vereines ein. „Unter Berücksichtigung der Beweggründe zur Vereinsgründung im Jahre 1868“, so meinte er, „haben die wilden 68er wohl maßgeblich bereits ein Jahrhundert früher begonnen.“ Erwähnenswert fand er unter anderem eine etwas kuriose Werbeaktion aus dem Jahr 2014 nach dem Motto „Er sucht sie – sie sucht ihn“, vermuteten doch die Weilbacher erst einmal eine Kontaktbörse und waren ziemlich verwirrt. Immerhin gelang es dem Verein, mit dieser Aktion, die Zahl der damals 21 aktiven Sänger bis heute auf 44 zu steigern.

Anerkennung und Geschenke
Mit der Feststellung „Musik schlägt eben Brücken“ überreichte Bürgermeister Antenbrink in Anerkennung der Vereinsarbeit die Stadtplakette in Gold und – zur Freude des Vereinsvorsitzenden – einen Scheck zur finanziellen Unterstützung der Sängervereinigung.

Landrat Cyriax kam in seiner Ansprache zu dem Schluss, dass Chöre Lebensfreude verkörpern und ihnen eine riesige Anerkennung für ihren Beitrag in der Gesellschaft gebührt. Singen sei schon vom Ursprung her auf das soziale Miteinander ausgerichtet. „Anstelle eines Schecks“, so versprach er den Weilbacher Sängern mit einem Augenzwinkern, „werde ich im Laufe des Jahres etwas auf die IBAN-Nummer des Vereines überweisen, denn die ist mir bekannt.“

Ortsvorsteher Thomas Schmidt schloss sich an und überbrachte seine Grüße im Auftrag aller Weilbacher Vereine. Er hob in seiner Rede hervor, dass 16 Gruppierungen dem Vereinsring Weilbach angehören und endete mit der bekannten Zeile aus Johann Gottfried Seumes Gedicht bzw. Volkslied: „Da, wo man singt, da lass‘ Dich ruhig nieder.“

Um mit dem Chorkonzert pünktlich um 15 Uhr beginnen zu können, versuchte Karl-Heinz Groß, das Programm straff durchzuziehen und die Ansprachen so kurz wie möglich zu halten, was ihm gut gelang. Derweil standen die aktiven Sängerinnen und Sänger des gemischten Chores – alle in elegantem Schwarz gekleidet, und mit schicken Tüchern bzw. Krawatten in Türkis – sozusagen in den Startlöchern an der Seite des Bühnenaufgangs. Frank Linnerth, Dirigent und Chorleiter des Vereines, verleiht seit zwei Jahren mit seinem vielseitigen Repertoire dem Chorgesang neuen Schwung. Er eröffnete zusammen mit dem gemischten Chor, der sich seit 2015 „La Musica“ nennt, das Chorkonzert mit den Titeln „Wunderschön ist die Welt“ (Louis Armstrong), „Weit, weit weg“ (Lorenz Maierhofer) und „You raise me up“ (Roger Emerson, B. Graham).

Im Anschluss an den offiziellen Festakt gab es etwas auf die Ohren: Die befreundeten Gastchöre der Region trugen mit ihrem Liedgut zum Gelingen der Jubiläumsveranstaltung bei. Das Programm war breit gefächert, vom alten deutschen Volkslied wie „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“ über „Hallelujah“ von Leonard Cohen bis „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ war für jeden musikalischen Geschmack etwas dabei.

Im Eingangsbereich der Weilbachhalle war auf Schautafeln die interessante Vereinsgeschichte zurück zu verfolgen, und vielleicht war da auch der eigene Großvater auf einem der alten Fotos auszumachen.

Auch in Zukunft Freude am Singen
Singen macht Spaß und Singen bringt Lebensfreude. Singen macht ganz sicher aber auch hungrig und durstig. Zur Stärkung der Sängerinnen und Sänger war deshalb eine ansprechende Auswahl an verführerisch aussehenden, selbst gebackenen Kuchen vorbereitet, ebenso frisch gebackene Brezeln und Spundekäs‘. Für das leibliche Wohl war dank der engagierten Helferinnen und Helfer bestens gesorgt, und man konnte diesen angenehmen und erfolgreichen Nachmittag mit einem Gläschen Wein in angenehmer Gesellschaft ausklingen lassen.

Zum Ausklang der Jubiläumsveranstaltung fand am Sonntag die ökumenische Festandacht und ein Frühschoppen mit der Obersuhler Blasmusik statt.

Jeder, der Freude am gemeinsamen Singen hat, ist zum Schnuppersingen eingeladen; Chorproben des Männerchores und des gemischten Chores „La Musica“ finden jeweils mittwochs ab 20 Uhr in der Evangelischen Kirche Weilbach statt.
 

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