Wie Mangafiguren Flörsheim erobern

Die Wie.MAI.KAI lockt Anime- und Japanfans in die Stadthalle - mit Ausstellern, Workshops und Nilo

nab

Aus einem kleinen Fantreffen ist eine feste Größe im Rhein-Main-Gebiet geworden: Am Wochenende fand in Flörsheim die Wie.MAI.KAI statt. Rund 3000 Besucherinnen und Besucher kamen in die Stadthalle und die benachbarte Graf-Stauffenberg-Sporthalle. Seit ihrer Gründung 2007 hat sich die Veranstaltung zu einer Convention rund um Anime, Manga, Cosplay, Gaming und japanische Kultur entwickelt.

Schon vor dem Eingang wurde der besondere Charakter deutlich. Auf dem Vorplatz bewegten sich Besucher in farbenfrohen, teils aufwendig gefertigten Kostümen. Perücken, Requisiten und detailreiche Outfits gehörten zum Bild. Viele kamen nicht nur als Zuschauer, sondern als Teil der Szene. Cosplay ist seit Jahren ein prägendes Element der Veranstaltung.

Ein Schwerpunkt lag erneut auf dem Ausstellerbereich. Mehr als 70 Aussteller präsentierten sich, darunter Künstler, Fanprojekte, Händler und Anbieter japanischer Produkte. Im Händlersaal wurden unter anderem Figuren, Kleidung, Poster und Accessoires angeboten. Ergänzt wurde das Angebot durch Kreativstände mit Illustrationen, Schmuck, Stoffarbeiten, Dekoobjekten und handgemachten Einzelstücken.

Stärker als in den Vorjahren setzte die Convention auf Mitmachangebote. Das Workshop-Programm sei im Vergleich zum Vorjahr ausgebaut worden, weil die Nachfrage groß gewesen sei, erklärte Andreas Neuhauser, Vorsitzender des Wie.MAI.KAI-Vereins. „Deshalb haben wir das Angebot erweitert. Gerade diese Mischung aus Messe, Kultur und Mitmachen macht die Wie.MAI.KAI aus.“

Damit wurde die Convention an vielen Stellen zur kleinen Werkstatt: Zwischen Pinseln, Stoffresten, Perücken und Requisiten entstanden eigene Arbeiten, die Besucher gleich mitnehmen konnten. Bei der japanischen Kalligraphie konnten Teilnehmende mit Pinsel, Tinte und Papier erste Schriftzeichen gestalten. In der Tuschemalerei ging es darum, Motive mit wenigen Strichen und reduzierten Mitteln sichtbar zu machen. Beim Lavendeldruck entstanden eigene bedruckte Taschen, während in der Onigiri-Nähwerkstatt kleine Schlüsselanhänger aus Stoff gefertigt wurden. Andere Angebote führten ins kreative Schreiben, in Schauspielübungen oder in die Improvisation ein.

Für Cosplayer waren vor allem die handwerklichen Workshops interessant. Dort ging es um Perücken, Materialkunde, Schnittmuster, Nähen und den Bau von Requisiten. In sogenannten Propmaking-Workshops wurden Grundlagen vermittelt. Fortgeschrittene konnten sich mit Stoffen, Schnittkonstruktion und Verarbeitungstechniken befassen. Praktisch war auch die Repair Station in der Sporthalle: Wer mit gerissener Naht, losem Knopf oder einem beschädigten Kostümteil ankam, konnte kleinere Pannen direkt vor Ort beheben lassen.

Daneben vermittelte die Convention Einblicke in japanische Kultur. Ein Vortrag des Generalkonsulats von Japan beschäftigte sich mit Feiertagen und Feierlichkeiten in Japan, von der Goldenen Woche bis zur Kirschblüte. Weitere Programmpunkte führten in japanische Redewendungen, Sprache, Geschichte und Küche ein. Auch Themen wie Yōkai, Geister und Dämonen der japanischen Mythologie, fanden ihren Platz.

In der Sporthalle kamen Bewegung und Vorführung hinzu. Beim Kyūdō, dem japanischen Bogenschießen, standen Haltung, Konzentration und Technik im Mittelpunkt. In einem Lichtschwert-Workshop konnten Interessierte Choreografien ausprobieren. Tanzkurse bereiteten auf den Cosplayball vor oder griffen die Ästhetik japanischer Idol-Auftritte auf. So bot die Wie.MAI.KAI nicht nur etwas fürs Auge, sondern auch viele Gelegenheiten, selbst mitzumachen.

Einen besonderen musikalischen Akzent setzte die Sängerin und Komponistin Nilo. Sie trat an beiden Veranstaltungstagen auf und gab anschließend Autogramme. Sie stammt aus der Kansai-Region, begann ihre Karriere in Japan auch als Radio-DJ in Osaka, Nagoya und Sapporo und arbeitete als Autorin. Ihr Major-Debüt gab sie 2007 mit dem Album „Bossa@NILO“. Seit 2011 lebt sie in Deutschland.

Musikalisch verbindet Nilo Bossa Nova und Jazz mit brasilianischen Rhythmen und japanischer Ästhetik. Später kamen City Pop und Anime-Songs hinzu. Damit passte sie gut zum Charakter der Wie.MAI.KAI: Ihr Auftritt schlug eine Brücke zwischen Japan und Europa, zwischen Popkultur, Nostalgie und musikalischer Eigenständigkeit. Während in den Fluren Kostüme, Kameras und Fanartikel dominierten, brachte Nilo eine ruhigere und zugleich internationale Facette der Veranstaltung auf die Bühne.

Die Wie.MAI.KAI zeigt damit erneut ihr Profil als Mischung aus Convention, Kulturveranstaltung und Szene-Treff. Zwischen Kostümen, Workshops und Bühnenprogramm entsteht eine Veranstaltung, bei der Besucher nicht nur zuschauen, sondern selbst Teil des Geschehens werden.

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Sicherheitsprüfung
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.


X