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„Ihr seid so wunderbare Clowns“

Junge und freche Kreppelkaffee-Sitzung der Sängerlust erobert Herzen der Narren im Sturm

Ein Höhepunkt des Abends: Die Musical-Gruppe begeisterte bei der Sängerlustsitzung mit einer tollen Asia-Show.
(Fotos: R. Dörhöfer)

WICKER (drh) – Mit frischem Wind und einem gestrafften Programm begeisterte die Kreppelkaffee-Sitzung der Sängerlust am Samstagabend, 23. Januar, in Wicker. Würde man ein Durchschnittsalter der Akteure errechnen, läge dieses wohl in den Zwanzigern, denn erstaunlich viele junge Leute waren bei der Kreppelkaffee-Sitzung in diesem Jahr aktiv.

Das Kinderballett eroberte – tänzerisch perfekt und traumhaft kostümiert – unter der Überschrift „Pirates of Sängerlust“ mit 20 kleinen friedvollen Piraten die Bühne. Da den Sängerlust-Akteuren das Singen im Blut liegt, wird seit einigen Jahren auch das Protokoll melodiös vorgetragen, und so fragten die Stammtisch-Sänger, weshalb Wicker eigentlich nicht die Fußball WM für die „lappigen 6 Millionen“ gekauft hat; zum VW-Skandal reimten sie: „Spritverbrauch und Auspuffcheck nur Lug und Trug, halt Werbedreck“. Horst Seehofer persiflierten sie als „letzten Helden“ und mit Blick auf die Lokalpolitik sangen die Stammtisch-Sänger: „Oh mein Stadtrat – ihr seid so wunderbare Clowns...“ Nicht nur gesanglich, sondern auch inhaltlich eine gelungene Anspielung auf den „Clowns-Fauxpas“ des Bürgermeisters, den die Sänger folgendermaßen zitierten: „Noch weniger Steuern – da geht hier bald nix, alles so teuer – die Kosten sind fix!“ Natürlich durfte auch der neue Wickerer Kreisel im Themen-Potpourri nicht fehlen: dank ihm gehe es in Wicker nun auch bei Nacht richtig rund und die Autofahrer stünden nicht am Fleck wie in Weilbach bei Tempo 30. Mit einer Hymne an Wicker schloss das Stammtisch-Programm.

Winzer und Entertainer „Eger-Schorsch“ gastierte erstmalig als Redner in Wicker, schloss jedoch Kellner wie Publikum schnell ins Herz und fand zu jeder Anmerkung aus dem Saal spontan einen passenden Vers. Die Rheingau-Ikone wurde, wie auch all die anderen Programmnummern, vom neuen Moderatorenensemble (Katharina Döring, Alexandra Eckhoff, Daniela Seibt, Dominik Wiehle, Moritz Döring, Corinna Eckhoff und Sarah Studer) mit kleinen Sketchen und lockeren Sprüchen gekonnt angekündigt. Nachdem der langjährige Moderator Thorsten Saal seine Bühnenkarriere im vergangenen Jahr beendet hatte, war im Verein kurzzeitig gar an ein komplettes Ende der Sängerlustfastnacht gedacht worden, doch die Sitzung am Samstag bewies, dass dies bei so viel jungem Engagement ein Fehler gewesen wäre.

„Wer näht das alles?“
Wickerer vergessen aber auch die guten alten Zeiten nicht, denn die 16- bis 18-Jährigen des Vereins erinnerten mit der Gruppe „SixPack“ mit gesungenen Hits an die Zeiten von Peter Kraus bis Madonna. Pfarrer Sascha Jung weihte auch die Wickerer in die Gefahren des Alkohols ein und die neu gegründete „Wickerer Selbsthilfegruppe“ zauberte eine Show zwischen Männerballett und Gesangsgruppe auf die Bühne. Vor dieser Krimi-Darbietung brauchte sich niemand zu fürchten.

Nach der Pause grüßten Winnetou und Apanatschi (Markus Lehmann und Thomas Braun) von der Bühne und spätestens beim sächsisch gesungenen Hit auf Karl May folgten die Wickerer der Fährte. Auf eine Reise ins weit entfernte Asien nahmen die Musical-Kids die Besucher mit. Aufwendigste Kostüme, bravouröse tänzerische Leistungen und guter Gesang machten die Darbietung zu einem Höhepunkt des Abends.

Die Mainzer Fastnachtsikone Hildegard Bachmann nahm die Bütt als Schlussrednerin ein und brachte einen Vortrag mit zwar alten, aber dennoch geliebten Anekdoten aus ihrem Eheleben mit. Eine aufwendig inszenierte Lichtershow zauberte das Ballett „Ina's Tanzcafé“ auf die Bühne. Sie wechselten die Kostüme ebenso flink wie die LED-Technik die Farbe und manch Besucher fragte sich: „Wer näht das alles?“ Doch den jungen Akteuren der Sängerlust steht eine Großzahl an Helfern mit Nähmaschinen, Schmink- und Gesangserfahrung zur Seite. „Ich nehm meiner Tochter schon die Wäsche ab. Während der Fastnacht, wo die Enkel auf der Bühne stehen und alle voll dabei sind, hat sie keine Zeit mehr dafür“, erklärte eine stolze Oma, die den jungen Akteuren viel Beifall spendete und daran glaubt, dass die Fastnacht in Wicker auf diese Weise eine Zukunft hat.

 

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