50,5 Prozent machen den Wandel perfekt

Bürgermeisterwahl endet mit Fotofinish – Knappe Mehrheit für CDU-Kandidat Klaus Schindling – Neue Koalition feiert zwei Siege

HATTERSHEIM (noe) – Bereits am 6. März, im Rahmen der Kommunalwahl, hatte sich in der politischen Landschaft Hattersheims ein Wandel angekündigt. Während CDU, FDP und FWG jeweils zulegen konnten, mussten SPD und Grüne empfindliche Verluste einstecken. Die parlamentarische Mehrheit für die bisherigen rot-grünen Koalitionäre war dahin, die politischen Kräfte des sogenannten „bürgerlichen Lagers“ (gibt es eigentlich im Umkehrschluss ein unbürgerliches?) interpretierten dies als Aufforderung, eine Koalition zu bilden. Ein Dreierbündnis hatte die FDP im Gespräch mit dem Stadtanzeiger übrigens noch wenige Tage vor der Wahl kategorisch ausgeschlossen. Man habe sich jedoch dafür entschieden, die „vor der Wahl gemachte Aussage den aktuellen Gegebenheiten anzupassen“, so der FDP-Ortsverbandsvorsitzende Peter Pilz. Die Mehrheit der Wähler habe schließlich für einen Wechsel, „der von den drei bürgerlichen Parteien getragen wird“, gestimmt.

Seit dem 20. März steht nun fest, dass es auch einen Wechsel an der Rathausspitze geben wird. Mit hauchdünner Mehrheit setzte sich Klaus Schindling gegen die amtierende Bürgermeisterin Antje Köster durch. Nach den Auszählungsergebnissen aus den ersten Wahllokalen lag zunächst Antje Köster mitunter sehr deutlich vorne. Doch ihr Vorsprung schmolz stetig dahin, zum Schluss war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das der CDU-Kandidat um Haaresbreite anführte. Die Ergebnisse aus dem letzten Wahllokal (Albert-Schweitzer-Schule III) ließen eine gefühlte Ewigkeit auf sich warten. Minutenlang waren die Nerven zum Zerreißen gespannt.
Als um 18.59 Uhr das vorläufige Endergebnis an die Wand des Hessensaales projiziert wurde, brachen die Anhänger des christdemokratischen Bürgermeisterkandidaten in Jubel aus: Klaus Schindling gelang mit seiner Wahl zum (designierten) Bürgermeister das, was seit mehr als 60 Jahren keinem Politiker außerhalb der SPD gelungen war.

Genau 45 Prozent der Wahlberechtigten – die Wahlbeteiligung sank im Vergleich zum ersten Wahlgang zwei Wochen zuvor um fast 5 Prozentpunkte – hatten bei der Stichwahl ihre Stimme abgegeben. Für Antje Köster stimmten 4.579 Wähler, sie lag damit bei 49,5 Prozent. Die verbliebenen 50,5 Prozent votierten für Klaus Schindling – ein Plus von 97 Stimmen machte den Wechsel perfekt. Ab dem 1. Oktober 2016 sitzt Klaus Schindling, der weiterhin Vorsitzender der Hattersheimer CDU bleibt, auf dem Chefsessel im Rathaus.

Um diese ziemlich unbequeme Sitzgelegenheit hatte er, wie auch seine unterlegene Konkurrentin, wochenlang gekämpft. Die Erleichterung, dass der mitunter nerven- und kräftezehrende Wahlkampf nun ein Ende hat, war dem glücklichen, aber auch abgekämpft wirkenden CDU-Kandidaten am Sonntagabend deutlich anzusehen. In der Hitze des proppenvollen Hessensaals schüttelte er mit schweißnasser Stirn zahlreiche Hände, umarmte Freunde und Familienangehörige. Die Reihe der Gratulanten, unter ihnen Landrat Michael Cyriax und Staatsminister Axel Wintermeyer, war lang. Auch die Stadtverordnetenvorsteherin Silvia Maeder und die Grünen-Fraktionsvorsitzende Hedi Bender gratulierten zum Wahlerfolg. Antje Köster, die bis zum Amtsantritt Klaus Schindlings am 1. Oktober Bürgermeisterin bleibt, war nur kurz vor Ort. Sie reichte ihrem siegreichen Konkurrenten, vom bitteren Augenblick der Niederlage gezeichnet, die Hand. Die amtierende Bürgermeisterin wünschte ihrem Nachfolger viel Glück. „Die Stadt ist gut vorbereitet“, merkte sie noch beim Verlassen des Hessensaals an.

Klaus Schindling will sich als Bürgermeister an der Umsetzung seiner Wahlversprechen messen lassen. Mit einer stabilen politischen Mehrheit im Rücken kann Schindling schon mal die erste – von einigen – Hürden als übersprungen betrachten. Die noch vor der Stichwahl im Rahmen einer Pressekonferenz angekündigte Bildung der Dreierkoalition habe sich aber auch rein wahltaktisch als richtig erwiesen, meinte Schindling. Nicht wenige Wähler, vielleicht auch einige aus dem „Köster-Lager“, hätten angesichts der neuen parlamentarischen Mehrheit für ihn gestimmt, um Spannungen und Blockaden zwischen Rathaus und Stadtverordnetenversammlung zu verhindern. „Die Bekanntgabe der Koalition hatte einen großen Anteil am Erfolg“, so Schindling.

Der strahlende Wahlsieger kommentierte die Niederlage Antje Kösters fair. Die Bürgermeisterin sei nicht für die schlechte finanzielle Lage der Stadt verantwortlich, schuld daran seien vielmehr ihre Vorgänger im Amte. Sie habe in haushaltspolitischer Hinsicht versucht, den Kurs der vergangenen Jahrzehnte zu korrigieren. Die unter ihrer Amtszeit erfolgte Teilnahme am Entschuldungsprogramm des Landes (Schutzschirm) sei ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Der Kurswechsel müsse jedoch gründlicher vollzogen werden. Dafür werde er als Bürgermeister am Steuer der Stadt stehen, kündigte der designierte Rathauschef an.

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