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„Arbeit ist auch ein Stück Segen“

EVIM-Werkstatt für Menschen mit Behinderungen eröffnet / Einrichtung soll Beschäftigten Eintritt ins Berufsleben ermöglichen

Für den Neubau der Reha-Werkstatt im Hattersheimer Schokoladenviertel wurden etwa 4,5 Millionen Euro investiert. Im Vordergrund: das alte Pförtnerhäuschen der Sarotti-Werke.
(Foto: A. Kreusch)

HATTERSHEIM (ak) – „Wir befinden uns hier an einem guten Ort: ich habe mir erzählen lassen, hier konnten sich früher Kinder am Pförtnerhäuschen der Sarotti-Werke kostenlos Schokolade abholen – und eine Schokoladenfabrik ist ja schon von sich aus immer ein guter Ort“, freute sich Matthias Loyal am Freitag, 29. September, in seiner Rede bei der offiziellen Eröffnung der EVIM-Werkstatt für Behinderte im Hattersheimer Hugo-Hoffmann-Ring 2. „Mit EVIM mischen sich jetzt hier zwei gute Orte, hier haben nun Mitarbeiter mit einer psychischen Erkrankung oder Behinderung qualifizierte Arbeitsplätze gefunden, die auf genau ihre Fähigkeiten abgestimmt sind. Überhaupt ist Hattersheim ein guter Ort für EVIM, hier entwickeln wir uns in verschiedenen Geschäftszweigen weiter und fühlen uns immer angenommen und unterstützt.

Der Theologische Vorstand von EVIM begrüßte neben Bürgermeister Klaus Schindling auch seinen Vorstandskollegen für den Kaufmännischen Bereich, Jörg Wiegand, sowie die EVIM-Geschäftsführerin Gemeinnützige Behindertenhilfe Renate Pfautsch; auch Michael Wistof vom Landeswohlfahrtsverband, Investor Otto Leistner, die Architekten vom Büro Guckes, der Leiter der EVIM-Reha-Werkstatt Stefan Berg, zahlreiche Mitarbeiter und der Werkstattrat der Einrichtung wurden willkommen geheißen.

Investor Otto Leistner, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, erzählte den vielen Gästen, die in der Cafeteria des neuen Gebäudes gut Platz gefunden hatten, wie es dazu kam, dass er sich für den Neubau engagierte. „Seit vielen Jahren schon bin ich in verschiedenen diakonischen Einrichtungen beruflich und auch ehrenamtlich tätig. Hier konnte man gutes Investment mit der Möglichkeit verbinden, Menschen zu beschäftigen, die besondere Zuwendung brauchen. Und wie ich höre, fühlen sich die Mitarbeiter hier sehr wohl, sie haben bessere Arbeitsbedingungen als am früheren Standort.“ Und genau das sei der Zweck des neuen Gebäudes: die Mitarbeiter sollten sich hier wohlfühlen und bessere Arbeitsbedingungen haben. „Die Mitarbeiter sollen durch ihre Arbeit Freude und Erfüllung erfahren“, meinte Leistner. „Ohne Arbeit ist das Leben ein gutes Stück ärmer, Arbeit ist auch ein Stück Segen. Arbeit und Bildung sind so wichtig für unsere Gesellschaft!“

Für den Neubau der Reha-Werkstatt im Hattersheimer Schokoladenviertel wurden etwa 4,5 Millionen Euro investiert. „Ein Teil davon kam von mir, ein großer Teil von der Bank“, berichtete der Investor, „das Gebäude hat nun etwa 10.000 Kubikmeter umbauten Raum und eine Grundfläche von 2.000 Quadratmetern, es ist barrierefrei, hat zwei Aufzüge und eine extensive Dachbegrünung.“ 
Eineinhalb Jahre hat die Bauzeit betragen, das denkmalgeschützte Sarotti-Pförtnerhäuschen soll im November ebenfalls fertig sein und dann als Lounge und Schulungsraum dienen.

Von den Kosten der Ausstattung des Ersatzneubaus in Höhe von insgesamt 183.000 Euro übernahm der Landeswohlfahrtsverband rund 146.000 Euro aus Mitteln der Ausgleichabgabe, die EVIM Behindertenhilfe beteiligte sich mit Eigenmitteln.

„Ein guter Ort für etwas so Wichtiges“
Hattersheims Bürgermeister Klaus Schindling begrüßte es sehr, dass „Hattersheim ein guter Ort für etwas so Wichtiges“ sein kann. „Der Magistrat und ich sind stolz darauf, hier einen solchen Ort bieten zu können“, erklärte der Bürgermeister und bestätigte, dass man auch an anderen Orten mit EVIM immer wieder zielorientiert zusammenarbeite. „Man redet heute immer von der inklusiven Gesellschaft – hier soll nun für viele Jahre ein Platz sein, an dem Inklusion erfolgreich umgesetzt wird, hier sind wir tatsächlich auf dem Weg zur inklusiven Stadt“, stellte Schindling fest und versprach, auch in Zukunft weiter ein offenes Ohr für EVIM zu haben und dabei zu helfen, dass Hattersheim ein „noch besserer Ort“ werden kann.

Auch EVIM-Geschäftsführerin Renate Pfautsch begrüßte alle Gäste zufrieden und stolz in der „wunderschönen neuen Zweigstelle“. Nach ihrer Ansicht ist der Neubau ein „Meilenstein“ für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Ausweitung der Arbeitsmöglichkeiten für die Mitarbeiter der EVIM-Reha-Werkstatt. Von den insgesamt 400 Menschen, denen die EVIM Gemeinnützige Behindertenhilfe in ihren Werkstätten Arbeit bietet, sind nun etwa 50 direkt im neuen Gebäude beschäftigt, weitere 20 haben hier ihre „Basis“, sie arbeiten aber schon in externen Betrieben auf dem Ersten Arbeitsmarkt. Die Beschäftigung der Mitarbeiter an externen Arbeitsplätzen auf dem regulären Arbeitsmarkt ist das Ziel der Einrichtung; der Anteil derer, die in Unternehmen der Region eine Stelle finden, soll ausgebaut werden.

Renate Pfautsch bedankte sich herzlich bei Otto Leistner: „Sie stehen als Person mit Engagement auch hier dahinter und nehmen Anteil daran, was hier entsteht. Wir wissen das zu würdigen!“ Bei den Architekten wurde ihr Dank für den „nicht so einfachen Job“ mit Schmunzeln aufgenommen und auch der EVIM-Vorstand nahm ihren Dank dafür, „dass er immer wieder solche Bauprojekte möglich macht“ gerne entgegen. Der Stadt Hattersheim und Bürgermeister Schindling dankte Renate Pfautsch für das „sehr, sehr nette Miteinander“, sie versicherte: „Wir fühlen uns alle hier wohl und angenommen, wir werden hier immer tatkräftig unterstützt!“ Einen besonderen Dank richtete sie auch an Dr. Pia Berkefeld vom Gesundheitsamt des Main-Taunus-Kreises, die ebenfalls zur Eröffnung des Ersatzneubaues der Reha-Werkstatt nach Hattersheim gekommen war: „Frau Dr. Berkefeld sorgt immer wieder dafür, dass konstruktive Lösungen gefunden werden.“ Ein großes aufrichtiges Lob hatte Renate Pfautsch für die Mitarbeiter der Einrichtung parat: „Unsere Mitarbeiter und Fachkräfte machen die Werkstatt zu einem innovativen Betrieb, danke dafür an Werkstattleiter Berg und an Herrn Schmauch! Obwohl der Umzug hierher nicht so geschmeidig abgelaufen ist, wie geplant, wurde die Werkstatt von Anfang an gut in Besitz genommen, das war einfach toll!“

Mit großer Genauigkeit
Bei einem Rundgang durch die Werkstatträume konnten sich die Gäste im Anschluss an die Grußworte davon überzeugen, wie effektiv und engagiert in den verschiedenen Abteilungen gearbeitet wird. Ob im Erdgeschoss an den Verpackungsstraßen für Gesundheits- und Wellness-Tee, an den Tischen für den Zusammenbau von Schlauchsätzen für medizinische Apparaturen oder von Kabelanlagen der Firma Dätwyler: überall wurde mit großer Konzentration und Genauigkeit gewogen, gemessen oder mit präzisen Handgriffen gearbeitet. Alleine die beiden „Teestraßen“ beschäftigen täglich 15 Mitarbeiter; hohe Hygieneanforderungen sind beim Abwiegen und Verpacken der Tees selbstverständlich.

Im ersten Stock konnten die Büros und die Arbeitsplätze für EDV-Dienstleistungen wie etwa das Scannen für digitale Archive, besichtigt werden, auch Textildruck-Arbeiten werden von den EVIM-Reha-Werkstätten angeboten.

„Wir passen uns selbstverständlich immer gerne auch mit Veränderungen an die Wünsche unserer Kunden an“, wurde erläutert. Flexibilität und Kundenorientiertheit sind – unter anderem – die Stärken der EVIM-Werkstätten.

 

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