Ein weiterer Antrag der SPD in der aktuellen parlamentarischen Sitzungsrunde beschäftigte sich ebenfalls mit dem Thema Verkehr: Man würde den Magistrat gerne damit beauftragen, zu klären, ob in Sachen autonomer Stadtbusverkehr ein weiteres Pilotprojekt in Hattersheim oder im Main-Taunus-Kreis möglich sei. Hierzu solle man entsprechende Gespräche mit den Projektträgern und dem Rhein-Main Verkehrsbund (RMV) führen. Auch die hierbei voraussichtlich anfallenden Kosten sollen ermittelt werden.
Motiviert zu diesem Antrag wurden die Sozialdemokraten angesichts des Fortschritts in Sachen Entwicklung autonomer Fahrzeuge in den vergangenen Jahren. Vielerorts gebe es bereits Pilotversuche zur Einführung autonomer Busse, auch der RMV testet bereits eine autonome Personenbeförderung.
So ist seit Mai letzten Jahres das Pionierprojekt KIRA („KI-basierter Regelbetrieb autonomer On-Demand-Verkehre“) für den autonomen öffentlichen Personennahverkehr in der Stadt Langen und in der Gemeinde Egelsbach im Kreis Offenbach zum ersten Mal mit Fahrgästen unterwegs. KIRA ist in Deutschland das erste Projekt, das autonome Fahrzeuge für den ÖPNV auf der Automatisierungsstufe Level 4 mit Fahrgästen testet. Level 4 bedeutet, dass sich ein Fahrzeug innerhalb eines definierten Gebiets autonom, also fahrerlos, fortbewegt, so der RMV in einer Pressemitteilung vom 26. Mai 2025.
Für die Hattersheimer Bürgerinnen und Bürger könnten nach Ansicht der SPD autonome Shuttlebusse zu einem verbesserten ÖPNV-Angebot führen. "Mit autonomen Bussen kann eine engere Taktung als mit herkömmlichen Bussen sowie eine on-demand-Verfügbarkeit rund um die Uhr umgesetzt werden. Perspektivisch könnten autonome Shuttlebusse gerade in der Nacht bis vor die Haustür fahren, auch wenn dies wahrscheinlich nicht zum Umfang eines initialen Pilotprojekts gehören würde", führt die SPD in ihrer Antragsbegründung weiter aus. Die Stärkung des ÖPNV durch autonome Stadtbusse, gerade auch als eng getaktete Zubringer für die S-Bahn, könnte es attraktiver erscheinen lassen "auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen und damit den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren."
Einigung auf geänderten Antrag
Der SPD-Antrag fiel im Ausschuss UBV auf fruchtbaren Boden, wenn auch in einer geänderten Fassung: Ursprünglich wollten die Sozialdemokraten den Magistrat direkt mit einer Konzepterstellung beauftragen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Minnert verwies darauf, dass die Teilnahme am Pilotprojekt ad-hoc keinen nennenswerten Vorteil für Hattersheim bringen würde, zumal die Level-4-Gehversuche andernorts stets nur in engen Zeitfenstern durchgeführt werden und immer auch ein menschlicher Fahrer mit an Bord ist. Bestenfalls könne man sich vorstellen, dass die Pilotprojekt-Teilnehmer nach einer gegebenenfalls positiv verlaufenden Testphase mit der Installation einer dauerhaften Versorgung mit autonom fahrenden Stadtbussen bevorzugt behandelt werden.
Minnert verwies auch auf die Problematik des sich immer weiter verschärfenden Fahrermangels, dem mit autonom fahrenden Bussen entgegengewirkt werden könne.
Deshalb plädierte Minnert dafür, den Antrag in den wie oben bereits beschriebenen Prüfantrag umzuwandeln und mit den betreffenden Stellen zu klären, ob der RMV bereit wäre, in Hattersheim ein zusätzliches Pilotprojekt anzustoßen.
In der geänderten Fassung wurde der SPD-Antrag einstimmig angenommen.
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