Uneins waren sich die Fraktionen der Hattersheimer Stadtverordnetenversammlung in der Sitzung am 19. Februar bezüglich eines Antrags der Grünen: Diese hatten angeregt, dass der Magistrat die Machbarkeit der Einführung eines Bikesharing-Systems in Hattersheim prüfen soll. Die Grünen-Fraktion hatte sich auch schon ausgemalt, welche Aspekte bei einer solchen Prüfung besonders berücksichtigt werden sollten: Durch Umfragen oder Verkehrsdaten sollte eine Bedarfsanalyse erstellt werden, mögliche Standorte sollten ermittelt werden (beispielsweise Bahnhof, Rathaus oder Schulen), ebenso mögliche Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten (Fördergelder, Public-Private-Partnership) sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen einer solchen Einfühung.
Das alles sollte nach Vorstellung der Grünen bis zum 30. Juni in einen Bericht sowie gegebenenfalls auch einen Vorschlag für ein Pilotprojekt münden.
Die Grünen halten die Prüfung der Einführung eines solchen Angebots für ratsam, da es in Hattersheim insbesondere in den Zeiten, in denen keine Busse zwischen den Stadtteilen fahren, eine Lücke in der mobilen Anbindung gebe. Ein Bikesharing-System könnte hier eine flexible und umweltfreundliche Alternative bieten, insbesondere für Pendlerinnen und Pendler sowie Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zum Bahnhof.
"Bikesharing-Systeme haben sich in vielen Städten als sinnvolle Ergänzung zum ÖPNV bewährt. Sie tragen zur Verkehrswende bei, reduzieren den motorisierten Individualverkehr und unterstützen die Klimaschutzziele der Stadt. Durch die Anbindung an den Bahnhof könnte das System auch für Tourist/-innen und Besucher/-innen attraktiv sein", so die Grünen in ihrer Antragsbegründung.
Eine Machbarkeitsstudie sollte klären, ob und in welcher Form ein solches System in Hattersheim umsetzbar sei. Dabei sollten auch die Erfahrungen anderer Kommunen berücksichtigt werden.
Dazu wird es jedoch nicht kommen: Lediglich die SPD votierte zusammen mit den Grünen für diesen Antrag, CDU und FDP stimmten, wie zuvor schon im Ausschuss für Umwelt, Bauen und Verkehr, dagegen.
Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Michael Minnert, verwies darauf, dass die Installation eines Bike-Sharing-Konzeptes bereits im Maßnahmenplan des Klimaschutzkonzeptes für die Stadt Hattersheim 2024 verankert wurde und man deshalb keine Notwendigkeit sieht in dieser Sache nun noch einmal einen zusätzlichen Antrag zu befürworten.
In der Stadtverordnetenversammlung beklagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Stefan Ehrecke, dass dem Klimaschutzbericht 2025 zufolge nach einer Überprüfung zunächst zwei Standorte für die Errichtung einer Verleihstation vorgesehen sind: Das Ölmühlenquartier und die Phrix in Okriftel. Letztere Entwicklung wurde nach der Insolvenz der Prinz von Preußen AG gestoppt, so dass nun im Frühjahr 2026 lediglich im Ölmühlenquartier eine Bikesharing-Station errichtet werden soll - viel zu wenig in den Augen von Ehrecke und den Grünen. "Das wird getestet und das wird nicht funktionieren, und deshalb wollen wir mehrere Stationen", so Ehrecke.
Bürgermeister Klaus Schindling berichtete daraufhin, dass im Zuge des barrierefreien Umbaus des Hattersheimer Bahnhofes ein sogenanntes "Mobility Hub" entstehen soll, eine Kombination aus Carsharing, Bikesharing und dem Sharing von Lastenfahrrädern, das zudem Reparaturmöglichkeiten wie Fahrradschläuche bietet. Auch Schindling sieht den Bahnhof als ganz wichtigen zentralen Punkt für solche Angebote, will jedoch dort nicht jetzt etwas errichten, was in Kürze im Zuge der Umbauarbeiten am Bahnhof wieder abgerissen werden und danach neu errichtet werden muss. Mit dem Umbau des Bahnhofes will man 2027 beginnen.
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