„Für mich war das heute richtig spannend“, fand Hermann-Josef Lenerz. Und fügt hinzu: „Das war Natur pur und völlig neu für mich“. Der Eddersheimer Rentner hatte sich am 10. September mit einigen Aktiven des BUND Hattersheim am "Posten-19-Weg" getroffen. Ihr Ziel: Zwei weitere Steinkauzröhren zwischen Eddersheim und Okriftel aufzuhängen.
Gute Lebensbedingungen für Steinkäuze im Osten von Eddersheim
Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Main-Taunus-Kreises hatte festgestellt, dass dieses Gebiet gute Lebensmöglichkeiten für Steinkäuze bietet. Was dort fehlt, sind Nist- und Brutmöglich-keiten für diese kleine nachtaktive Eulenart. Deshalb bat sie den Weilbacher BUND-Aktiven Bernd Zürn um ‚Amtshilfe‘. Folge: Am 10. September erschien der 88-jährige Rentner am Steinkruzifix des Posten-19-Wegs. Mit Fahrrad und stabilem Anhänger. Darin lagen zwei Steinkauzröhren, Werk-zeug und allerlei Material. Erwartet wurde er dort von Christine Dörr, Monika Eddison-Wild und Hermann-Josef Lenerz.
Nicht alle Bäume sind "steinkauzröhrengeeignet"
Mit seinem Gefährt rumpelte Zürn und sein Tross über einen Feldweg ostwärts Richtung Okriftel. Neben dem dortigen ‚Stammgleis‘, einem stillgelegten Industriegleis, erreichte das Quartett
eine Streuobstwiese. Dort hatte Zürn Tage zuvor einen Apfelbaum gefunden, auf dem er eine der beiden Röhren aufhängen wollte. Nicht jeder Baum ist dafür geeignet. Er muss stabile Äste haben, um die fast einen Meter langen und mehrere Kilo schweren Röhren zu tragen. Damit die Röhre waagrecht auf dem Ast montiert werden kann, sollte der möglichst waagrecht sein. Außerdem muss das Astwerk so licht sein, dass die Tiere einen freien Anflug haben. Bäume mit einem dichten Astwerk scheiden daher aus.
Gute Erfolge mit selbstgebauten Röhren
Seit mehr als 20 Jahren baut Zürn Steinkauzröhren. Knapp einen Meter lang und 20 bis 25 cm im Durchmesser. Wichtigstes Baumaterial sind alte Holzrolläden. Die werden immer knapper. Gut, dass Zürn noch einen Vorrat angelegt hat. Der reicht noch für mindestens 15 bis 20 Röhren. Er wickelt die Latten der Rollläden um runde Holzscheiben und nagelt sie dann darauf fest. Diesen "Rohbau" überzieht er mit einer Lage Dachpappe, die er auf den Holzlatten festtackert. Das schützt die Röhre, aber auch ihre tierischen Bewohner, vor der Witterung. Gleichzeitig wird das Innere der Röhre dunkel. Das ist sehr wichtig, denn Steinkäuze mögen einen dunklen Wohn- und Brutplatz.
Neu auf dem Markt: "Englische" Röhren
Seit gut einem Jahr gibt es sogenannte "Englische" Steinkauzröhren. Das sind keine Röhren sondern rechteckige Kästen (ca. 80 x 45 x 50 cm). Ihr großer Vorteil: Sie lassen sich fast an jedem Baum anbringen. Seit gut einem Jahr hat Zürn mehrere davon aufgehängt. Er soll sie – im Auftrag der UNB – testen. Eine Brut gab es darin bisher noch nicht. Das sagt aber – nach so kurzer Zeit – noch nichts über ihre Qualität.
Bei der Aktion am 10. September wurde auch eine englische Röhre aufgehängt. Sie hat die amtliche Nummer 1085 und wartet im Westen von Okriftel am ‚Reitschulweg‘ auf Mieter.

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