„Das hast du dir verdient“ – einer der Sätze, die Eberhard Roth selbst so gerne sagte, wenn jemandem etwas Gutes widerfuhr. Nun gilt dieser Satz ihm selbst. Nach 23 Jahren engagierter Arbeit im Stadtteilbüro Hattersheim geht Eberhard Roth in den wohlverdienten Ruhestand.
Über 200 Menschen waren am Freitagnachmittag, am 12. Juni, trotz Regens in die Pregelstraße gekommen, um sich von ihm zu verabschieden. Nachbarn, Kooperationspartner, Ehrenamtliche, Bürgermeister, Stadtverordnete, Vertreter der Hawobau, Kinder, Jugendliche und viele Wegbegleiter waren dabei. Gemeinsam sangen sie: „Eberhard, es ist so weit, nun beginnt für dich die Zeit ohne uns. Ja, das wird hart. Alles Gute, Eberhard.“ Ein Lied, das rund 20 Menschen eigens für ihn gedichtet hatten.
Bei Livemusik, Eintracht-Grillwürstchen und Getränken entstand ein großes Miteinander. Die Stimmung war herzlich, offen und ausgelassen. Es war ein Fest, das kaum besser zu Eberhard Roth hätte passen können.
Besonders bewegend waren neben einem Lied von Ernst Turba auch die Beiträge der Kinder und Jugendlichen. Die Mädchengruppe hatte mit Aroush Malik ein Video vorbereitet, das eindrucksvoll zeigte, was die Kinder an ihm schätzen und wie sehr er ihnen fehlen wird. „Seine Jungs“, die er über viele Jahre begleitet hat, widmeten ihm einen Rap, der auf der Webseite des Stadtteilbüros angehört werden kann. Kaum treffender hätte zusammengefasst werden können, wofür Eberhard Roth all die Jahre gestanden hat. „Du warst Brückenbauer, Mutmacher, Wegweiser, Konfliktlöser, Zuhörer, Möglichmacher, Begleiter und Wegbereiter,“ hieß es da.
„Was für ein Text“, sagte Christine Pfaff, Leiterin des Stadtteilbüros. Treffender könne man die Bedeutung aufsuchender Kinder- und Jugendarbeit kaum beschreiben. Besonders bewegend sei, so in Worte gefasst zu hören, welche Bedeutung diese Arbeit für die damals noch jugendlichen, heute erwachsenen Männer mit eigenen Familien hatte und wie sehr sie ihr Leben geprägt habe. „Kinder- und Jugendarbeit ist häufig leise. Sie schafft keine Schlagzeilen, verhindert aber viele Probleme, bevor sie überhaupt entstehen. Präventionsarbeit lässt sich nur schwer in Zahlen ausdrücken, ihre Wirkung ist jedoch enorm. Und wir sind sehr dankbar, dass wir im Stadtteilbüro die Möglichkeit haben, diese wichtige Arbeit so niedrigschwellig leisten zu dürfen.“
Viele Gäste hatten an dem Nachmittag immer wieder Tränen in den Augen. Es waren Momente voller Respekt und Anerkennung für einen Menschen, der über Jahrzehnte mit viel Herzblut unzählige Dinge bewegt hat – oftmals im Hintergrund und fernab der öffentlichen Aufmerksamkeit.
Mit Eberhard Roth verliert das Stadtteilbüro eine prägende Persönlichkeit. Nun wird eine Nachfolge gesucht, die diese wichtige Arbeit fortführt. Das Netzwerk, das über Jahrzehnte entstanden ist, ist stark. Neben seinen Kolleginnen Christine Pfaff, Rabia Malik und Alema Amiri-Samadi tragen zahlreiche Ehrenamtliche die Arbeit weiter und werden gemeinsam dafür sorgen, dass Eberhards Engagement nachhaltig fortwirkt.
Denn eines wurde an diesem Nachmittag besonders deutlich: Eberhard Roth war weit mehr als ein Mitarbeiter. Er war ein Mensch, der den Stadtteil über viele Jahre mitgestaltet, verbunden und geprägt hat. Oder, wie es die Jugendlichen in ihrem Rap ausdrücken: „Du warst Stadtteil, du warst Herz.“




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