Gegen jede Prognose

Christin Hilgefort aus Hattersheim für den Motivationspreis 2026 der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert

Foto: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Christin Hilgefort bei der Freiwilligen Feuerwehr.
Christin Hilgefort bei der Freiwilligen Feuerwehr.

pm

Nach einem Schlaganfall vor ihrer Geburt wurde Christin Hilgefort von den Ärzten vieles nicht zugetraut. Heute führt die 23-Jährige ein aktives Leben: Sie engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr und zieht bald für ein halbes Jahr nach Slowenien. Jetzt ist sie für den Motivationspreis 2026 der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert.

Mut machen statt gewinnen

Christin Hilgefort freut sich über die Nominierung für den Motivationspreis. Im Mittelpunkt steht für die 23-Jährige jedoch etwas ganz anderes: „Mir ist es nicht wichtig, zu gewinnen, sondern anderen Betroffenen Mut zu machen“, betont sie. Denn ihr eigener Start ins Leben war alles andere als leicht.

Schlaganfall vor der Geburt

Als Hilgefort wenige Monate alt war, bemerkten ihre Eltern, dass etwas nicht stimmte. „Ich fäustelte immer wieder meine rechte Hand, konnte mich nicht richtig umdrehen oder krabbeln. Auch das Trinken fiel mir schwer“, weiß die heute 23-Jährige aus den Erzählungen ihrer Eltern. Erst spezialisierte Untersuchungen und ein MRT brachten Gewissheit: Christin Hilgefort hatte einen Schlaganfall in der linken Gehirnhälfte, den sie bereits im Mutterleib erlitten hatte. Warum es dazu kam, ist bis heute unklar.

Die Diagnose war für die Familie ein Schock. Die Ärzte vermuteten damals, dass das Mädchen im Rollstuhl sitzen würde, kaum sprechen lernen und niemals eine Regelschule besuchen könnte. „Generell hieß es, ich würde mein Leben lang auf Hilfe angewiesen sein.“

Doch die Mediziner hatten die Rechnung ohne die Familie gemacht. Ihre Eltern weigerten sich schon damals zu glauben, dass dieser Weg für ihre Tochter festgeschrieben sein sollte. Sie behielten recht: Ein Großteil der Vorhersagen traf niemals ein – und heute sind sie schlichtweg stolz auf die Entwicklung ihrer Tochter.

Kindheit mit Hürden

Christin Hilgefort erhielt schon früh intensive Förderung und Therapien. Mit Erfolg: Entgegen allen Erwartungen lernte sie laufen und sprechen. Dennoch blieb ihre Kindheit eine Herausforderung. Im Kindergarten und in der Grundschule spürte sie früh, dass sie anders war als die Gleichaltrigen. „Ich hatte eine Integrationshelferin, zeitweise einen Rollstuhl und ein Spezialfahrrad. Ich brauchte mehr Pausen, wurde nicht immer verstanden und erlebte leider auch Ausgrenzung“, erinnert sich die 23-Jährige.

Zuflucht fand sie schließlich beim Familienunterstützenden Dienst (FUD) der Lebenshilfe und beim Reiten. „Dort musste ich mich nicht erklären“, sagt sie rückblickend. „Ich konnte einfach Kind sein und den harten Alltag vergessen.“ Mit neun Jahren saß Hilgefort das erste Mal im Sattel. Bis heute bedeutet ihr dieser Sport unheimlich viel – „Er schenkt mir ein Gefühl von Freiheit“, betont sie.

„Anstatt im Rollstuhl zu sitzen, bin ich heute Feuerwehrfrau.“

Allen frühen Prognosen zum Trotz hat Christin Hilgefort auch beruflich ihren Weg gemacht. Nach der Schule absolvierte sie eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement und zur Fremdsprachenkorrespondentin. Danach arbeitete sie als kaufmännische Angestellte und Personalerin bei einem französischen Pharmakonzern in Frankfurt.

Heute ist ihr Gesundheitszustand stabil. Zwar sind Kraft und Ausdauer schneller erschöpft als bei gesunden Menschen, doch die Energie reicht für ein aktives Leben. „Ich hätte nie geglaubt, dass ich in die Freiwillige Feuerwehr eintreten kann. Aber ich habe es einfach probiert und es dank toller Kameraden geschafft“, sagt Hilgefort stolz. „Anstatt im Rollstuhl zu sitzen, bin ich heute Feuerwehrfrau.“

Nun wagt sie den nächsten großen Schritt: Über ein EU-Programm geht sie für sechs Monate nach Slowenien, um an einer Schule Kindern Deutsch beizubringen. „Meine Eltern haben zwar etwas Bauchschmerzen“, gesteht sie schmunzelnd. „Aber sie freuen sich auch riesig für mich und haben schon angekündigt, mich zu besuchen.“

Für ihren Weg ist Christin Hilgefort jetzt für den Motivationspreis 2026 der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert. Die Gütersloher Stiftung verleiht den Preis alle zwei Jahre an Menschen, die sich als Betroffene, Ehrenamtliche oder Fachleute in herausragender Weise für das Thema Schlaganfall engagieren. Die Nominierten sind Vorbilder und motivieren Betroffene, nach einem Schlaganfall ihren Weg zurück ins Leben zu finden. Die Preisverleihung wird im Dezember stattfinden.

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