Gemeinschaft, Engagement und Herzblut für Okriftel

75 Jahre Vereinsring Okriftel: Große Jubiläumsfeier am vergangenen Samstag im Haus der Vereine

mpk

Wer am frühen Samstagabend den Saal im Haus der Vereine betrat, der erblickte zunächst die große Ausstellung, die Bernd Caspari anlässlich der Feier zum 75-jährigen Jubiläum des Vereinsrings Okriftel (VRO) aufgestellt hatte. Auf mehreren Wänden wurde dessen Geschichte akribisch nachgezeichnet, von der Gründungszeit über die Entstehung des Wäldchestages, die Aktivitäten des Mahnmal-Ausschusses und viele weitere markante Ereignisse aus den letzten 75 Jahren, wie das Hochwasser 1995. Zahlreiche ausgehängte Zeitungsartikel über das Wirken des Vereinsrings vervollständigten die Ausstellung, zusammen mit einer Galerie aller bisherigen 1. Beauftragten beziehungsweise Vorsitzenden des Vereinsrings, angefangen mit Wilhelm Zimmermann, der von 1950 bis 1953 als 1. Beauftragter des VRO wirkte und von 1949 bis Mitte der Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts auch Vorsitzender des Geselligkeitsvereins Harmonie war. Zimmermann zeichnete sich auch als Hauptinitiator des Okrifteler Wäldchesfestes aus und war Sitzungspräsident der Kappensitzungen, die von der Harmonie veranstaltet wurden.

Jener Geselligkeitsverein Harmonie zählte zu den Gründungsvereinen, die Ende 1950 in Form eines losen Zusammenschlusses den neuen Vereinsring Okriftel gebildet haben. Ebenso dazu zählten die Freiwillige Feuerwehr, der 1. Karnevalverein Okriftel, die Sängervereinigung, der Radfahrerclub Wanderlust, der Fußballclub Germania, der Verein der Hundezüchter sowie der Kleintierzuchtverein.

Eine Form von Arbeitsrichtlinie legte kurze Zeit später fest, wie der Wäldchestag, der Volkstrauertag und die Betreuung von Altennachmittagen für den Vereinsring zu regeln seien. Auch die Koordinierung von Vereinsfesten und weiteren Veranstaltungen zählte dazu. Und nach und nach wurden die Vereine durch den Alliiertenkontrollrat wieder zugelassen, nachdem diese nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erst einmal verboten waren.

Der Fußballclub Germania durfte schon ab 1946 nach der Auflösung der Sport-AG mit den Turnern wieder aktiv sein. Gespielt wurde damals auf dem Betriebssportplatz der Phrix, während der eigentliche Sportplatz an der Hattersheimer Straße (heute Main-/Erlenstraße) von der Firma Martin Milch als Lagerfläche genutzt wurde, schildert Bernd Caspari in seiner Ausstellung.

Der TV Okriftel turnte ab 1948 wieder auf dem Turnplatz, heute der Festplatz am Okrifteler Wäldchen. In der kalten Jahreszeit wechselte man in den Saal der Gaststätte „Goldener Anker“. Dort waren auch die Radfahrer der Wanderlust und die Sängervereinigung aktiv, während der 1. Karnevalverein Okriftel seine Sitzungen und Tanzabende im im Gasthaus „Zur Krone" veranstaltete.

Eckpfeiler Wäldchesfest

Schon ein Jahr nach der Gründung des Vereinsrings beschäftigte man sich im Frühjahr 1951 mit der Ausrichtung des ersten Wäldchestages in Okriftel. Wilhelm Zimmermann gelang es einige Schausteller nach Okriftel zu lotsen, und es wurde vereinbart, dass fortan alle zwei Jahre ein Verein des Vereinsrings dessen Vorsitz übernehmen sollte, nach der Reihenfolge des jeweiligen Gründungsdatums.

Einen wesentlichen Anteil für die Regelung der vorgenannten Tätigkeiten hatte Bernd Caspari zufolge Werner Demuth, langjähriger Schriftführer und Geschäftsführer. Und alle Aktivitäten wurden von der Gemeinde Okriftel unterstützt.

Der Volkstrauertag wurde zunächst am Kriegerdenkmal der Kirchgrabenstraße veranstaltet, bis die Idee entstand, ein Mahnmal zusammen mit der Gemeinde Okriftel auf dem Okrifteler Friedhof zu errichten. Für die Finanzierung des ambitionierten Projekts wurden vom Vereinsring Bausteine verkauft, der Erlös belief sich letztendlich auf 4.000 DM einbrachten. Die Grundsteinlegung fand am 28. September 1963 statt, die Einweihung erfolgte knappe zwei Monate später am Volkstrauertag 1963.

Seitdem findet die Gedenkstunde mit einer stillen Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal auf dem Friedhof statt. Mit dem freiwilligen Zusammenschluss zur Stadt Hattersheim ging man dazu über, die Gedenkstunde im Rotationsprinzip Jahr für Jahr in einem der drei Stadtteile abzuhalten.

Eingetragener Verein seit 1992

1992 schließlich wurde aus dem losen Zusammenschluss ein eingetragener Verein. Der erste Vorstand bestand aus dem 1. Vorsitzenden Bernd Caspari, dem 2. Vorsitzenden Helmut Löw, der Schriftführerin Helga Daudert, Kassierer Wolfgang Deul und Zeugwart Günter Wlach. Geleitet wurde die Gründungssitzung vom damaligen Hattersheimer Bürgermeister Alfred Schubert.

Damals wie heute sind die Hauptaufgaben des Vereinsrings weiterhin die Ausrichtung des Wäldchestages und des Volkstrauertags sowie die Koordination der Termine.

Das 1980 errichtete Haus der Vereine ist ebenfalls ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt für den Okrifteler Vereinsring. Der Innenausbau der Nebenräume wurde damals unter Mithilfe von fünf lokalen Vereinen (Sängervereinigung Okriftel, Turnverein 1886 Okriftel am Main, Fanfarenzug, Chor L’Esperance und Carneval Club Mainperle) durchgeführt. Nach der Stadt Hattersheim hat der Vereinsring Okriftel Vorrang, wenn es um die Nutzung des Hauses der Vereine geht, erst danach jene Vereine, die nicht dem Vereinsring angehören, gefolgt von Privatpersonen. Am 1. Januar 2003 wurde schließlich, nach der Vertragsunterzeichnung durch den 1. Vorsitzenden Wolfgang Deul und dem 2. Vorsitzenden Helmut Löw, das Haus der Vereine in Selbstverwaltung übernommen.

Glückwünsche und Danksagungen

Natürlich war die 75-Jahr-Feier am vergangenen Samstag auch geprägt von zahlreichen Festreden. Der amtierende Vorsitzende Pieter Oosterling würdigte den Ehrenvorsitzenden Bernd Caspari als Bindeglied zwischen dem Vereinsring und der Stadt Hattersheim am Main. Der stellvertretende Vorsitzende Gerhard Weinfurter bezeichnete die angehörigen Vereine anerkennend als "Klebstoff, der die Menschen zusammenbringt und zusammenhält."

Bürgermeister Klaus Schindling lobte, dass die Okrifteler Vereine ihren Vereinsring nun schon seit 75 Jahren zusammenhalten und Jahr für Jahr "unser schönstes, unser traditionsreichstes Fest, das Wäldchesfest" ausrichten. Als Stadt sei man unendlich dankbar dafür, dass der Vereinsring Okriftel über so viele Jahre eine tolle Arbeit leistet, so Schindling.

Auch Vertreter der Okrifteler Vereine überbrachten natürlich Grußworte zu diesem besonderen Anlass. So beispielsweise Dr. Andreas Weber von der Freiwilligen Feuerwehr Okriftel, der dem Vereinsring für das Strahlen in den Augen seiner Kinder dankte, das er erst jetzt wieder angesichts der beginnenden Vorarbeiten zum 74. Wäldchesfest erblicken konnte, als diese mitbekamen, dass ihr Vater beim Aufbau des Tanzbodens mitwirkt - zusammen mit vielen anderen Okriftelerinnen und Okriftelern, in deren Häusern und Wohnungen sich wahrscheinlich ebenso schon eine große Vorfreude auf jenes Fest ausbreitet.

Nach dem offiziellen Teil der Jubiläumsfeier wurde das Büfett mit Gulaschsuppe eröffnet, und es entwickelten sich noch viele angeregte Gespräche, die sich zweifellos oft um die illustre 75-jährige Geschichte des Okrifteler Vereinsring gedreht haben dürften. Auf mindestens die nächsten 75 Jahre!

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