Gewaltiges Interesse am neuen Quartier in Eddersheim

Bürgerinformationsveranstaltung zum Quartier Posten-19-Weg sorgte für eine übervolle Kirche

mpk

Ein schier riesiges Interesse herrschte am Dienstagabend an der Bürgerinformationsveranstaltung der Stadt Hattersheim in der Eddersheimer evangelischen Kirche. Thema des Infoabends war der aktuelle Planungsstand für das dortige Quartier am Posten-19-Weg. Jeder Stuhl im Gotteshaus war besetzt, nicht wenige Bürgerinnen und Bürger mussten die Veranstaltung im Stehen verfolgen, teilweise sogar vom Foyer aus.

Es war quasi die Fortsetzung einer inhaltlich identisch gelagerten Veranstaltung, die im November 2019 in der katholischen Kirche Eddersheim stattfand. Auch damals schon war die Zuschauerzahl gewaltig, auch damals war die Kirche fast schon überfüllt, was Bürgermeister Klaus Schindling in seinen Ausführungen zur Begrüßung dazu bewog, direkt auf die Notwendigkeit der Schaffung einer Örtlichkeit in Eddersheim zu verweisen, die auch Veranstaltungen von dieser Größe kapazitätsmäßig gewachsen ist. Die angedachte Multifunktionshalle im geplanten Quartier am Posten-19-Weg könnte genau das bieten: Eine Heimat für anspruchsvollen und höherrangigen Sport, in der beispielsweise die Handballer auch Turniermaße vorfinden würden. Eine angemessen große und richtige Bühne für die Karnevalssitzungen der Kümmeldrescher, und eben auch ein Versammlungsort, der auch größeren Zuschauerzahlen genügend Sitzplätze bietet.

Schindling beschrieb, was dieser Abend bieten sollte und konnte - und was nicht. Man wollte die Entwicklung seit 2019 erläutern sowie angedachte Pläne für das neue Quartier beschreiben, sowie einen groben Zeithorizont nennen. Zu beachten sei dabei, dass alles am Ende natürlich auch durch übergeordnete Behörden genehmigt werden müsse. Hier sei ein Stück weit Kompromissbereitschaft gefragt, denn das Regierungspräsidium Darmstadt hat in Sachen Quartiersentwicklung auch so seine Vorstellungen und Wünsche. So wurde schnell klar, dass eine Genehmigung nur zu erwarten sei, wenn neben Sporthalle und Supermarkt auch in einem gewissen Maß Wohnbebauung hinzukäme. Das war eigentlich nicht der Wunsch der Verwaltung. Schindling hatte auch im Wahlkampf stets versprochen, dass in Eddersheim kein neues Wohngebiet entstehen und der dörfliche Charakter erhalten bleiben soll. Deshalb fasste man seitens der Stadt ins Auge, im neuen Quartier gezielt barrierefreie Wohnungen zu errichten, mit der Idee im Hinterkopf, dass dies älteren Bewohnerinnen und Bewohnern von Eddersheim die Möglichkeit geben würde, von ihrem womöglich zu großen und eben nicht altersgerechten Eigenheim in eine geeignete Wohnung umziehen zu können und trotzdem weiterhin im angestammten Stadtteil zu leben.

Ein weiterer Dorn im Auge des Regierungspräsidiums stellt die Flächenversiegelung dar: Diese will man unbedingt minimieren, so dass es Schwierigkeiten dabei geben könnte, die Genehmigung für den Bau eingeschossiger Gebäude zu erhalten. Es wäre also denkbar, dass beispielsweise die Sporthalle oder der Vollsortimenter eine weitere Etage erhält, so dass die mittlerweile ebenfalls angedachte Kindertagesstätte oder eine Apotheke dort im ersten Stock untergebracht werden könnte, damit keine weitere Flächenversiegelung verursacht wird. Auf keinen Fall sollen am Ortseingang von Eddersheim jedoch waschechte Hochhäuser oder ähnliches entstehen, stellte Schindling klar. Nichts werde dort mehr als zwei oder maximal drei Etagen aufweisen.

Der Bürgermeister stellte auch klar, dass nichts, was an diesem Abend in der evangelischen Kirche gezeigt oder beschrieben wurde, schon als konkrete Planung existiert. Man hat verschiedene grobe Vorstellungen, welche Einrichtung wo auf dem Gelände platziert werden könnte, aber nichts davon ist zum jetzigen Zeitpunkt auch nur annähernd schon spruchreif. Bislang wurden lediglich im Ankaufgebiet etwa 70 Prozent der Flächen von der Hessische Landgesellschaft (HLG) erworben, so dass man inzwischen über ein ausreichendes Areal zur Quartiersentwicklung verfügt, und der Beschluss zum Start beziehungsweise zur Beantragung der Verfahren wurde am 4. Dezember 2025 durch die Hattersheimer Stadtverordnetenversammlung gefasst.

Außerdem betonte Schindling, dass man keinesfalls irgendetwas gegen den Willen der Mehrheit der Eddersheimer Bevölkerung durchführen will. Die Quartiersentwicklung sei keinesfalls ein persönliches Prestigeprojekt, sondern man will das umsetzen, was in Eddersheim auch tatsächlich von den Eddersheimern gewünscht wird - weshalb man auch jetzt wieder frühzeitig eine solche Bürgerinformation veranstaltet hat.

Wolfgang Molzberger, Fachbereichsleiter Stadtplanung bei der Stadt Hattersheim, erklärte, dass allein schon die Wünsche der möglichen Versorger dafür gesorgt haben, dass der Standort am Posten-19-Weg die einzig denkbare Lokalität in Eddersheim ist, an der sich entsprechende Händler womöglich niederlassen würden. Auch Bürgermeister Schindling beschrieb am Dienstagabend die umfangreichen und zähen Gespräche mit so ziemlich allen namhaften Supermarktketten. Niemand davon war bereit, einen neuen Laden im Zentrum des Stadtteils zu eröffnen. Dieser Umstand erschwert auch die Verhandlungsposition der Stadt gegenüber den übergeordneten Behörden, denn diese wollen stets primär die zentralen Versorgungskerne in Ortschaften stärken. Dennoch wagte man sich mit dieser Idee an das Regierungspräsidium heran, und dabei wurde deutlich, dass es eine echte Quartiersentwicklung braucht, um dort überhaupt die Chance auf eine Genehmigung zu erlangen - kein neuer Nahversorger ohne neuen Wohnraum.

Kaum kritische Stimmen

Im Anschluss an die Ausführungen von Bürgermeister Schindling und Wolfgang Molzberger hatten die Bürgerinnen und Bürger in der evangelischen Kirche die Gelegenheit, eigene Kommentare, Fragen und Wünsche zu formulieren. Wie schon 2019 meldete sich unter anderem wieder Katja Reuter zu Wort, die das Gelände am Ortsrand für ihren Erdbeer- und Spargelhof bewirtschaftet und sich schon damals gegen die Bebauung des Geländes aussprach. Vor gut sechs Jahren argumentierte sie, dass durch das Vorhaben nicht nur landwirtschaftliche Flächen verschwinden, sondern auch Tiere wie Fledermäuse, Zikaden oder Gartenschläfer würden ihren Lebensraum verlieren würden. Katja Reuter beschrieb ihre aktuelle Sorge: Dass sie wichtige Flächen für den Erdbeeranbau verliert, was ihrem Betrieb "sehr, sehr weh tut". Zudem sieht sie jetzt, dass sich das Baugebiet seit 2019 praktisch verdoppelt hat, und sollte der Posten-19-Weg zur Zufahrtsstraße für das neue Quartier werden, wäre das für alle Landwege von Nachteil, weil diese den Weg ebenfalls als wichtige Zufahrt nutzen.

Wolfgang Molzberger erklärte, dass man 2019 zunächst darüber nachgedacht hatte, wie man das Areal künftig nutzen will und welche Fläche man dafür benötigt. Ein weiterer Teilbereich ist in der Zwischenzeit nur vor dem Hintergrund des Umlegungsverfahrens optional hinzugekommen, damit man genügend Möglichkeiten hat, um das Verfahren endlich anzustoßen. Wie alles am Ende aussehen wird - das werde sich noch zeigen, so Molzberger.

Und sollte der Posten-19-Weg selbst zur Erschließung des neuen Quartiers genutzt werden, dann nur für die dortigen barrierefreien Wohnungen, weshalb sich der dadurch entstehende Verkehr in argen Grenzen halten würde. Und zudem bestünde dann die Aussicht darauf, dass der Weg sogar besser befestigt wird.

Ansonsten beschäftigten sich viele Fragen und Vorschläge von Seiten der Zuschauerinnen und Zuschauer an diesem Abend häufig gar nicht mal konkret mit dem neuen Quartier, sondern mit die Nutzung des historischen Propsteihofes oder um die Jugend- und Seniorenarbeit in Eddersheim. Kritische Stimmen an den vorgestellten Plänen wurden kaum laut, einzig die Prognose, dass bereits 2029 der Baubeginn zu erwarten sei, wurde angezweifelt. Schindling hatte Verständnis für diese Befürchtung und stellte auch klar, dass dieses Datum nur dann zu realisieren sei, wenn bis dahin alles glatt läuft und es nicht noch beispielsweise zu zeitraubenden Klagen käme.

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