„Hattersheim ist polizeilich sehr gut versorgt“

Leiter der Polizeidirektion Main-Taunus Jürgen Moog sieht positive Entwicklung

HATTERSHEIM (ak) – In der letzten Zeit hatte sich Unruhe in Hattersheim ausgebreitet: Durch Medienberichte angeheizt befürchteten Teile der Bevölkerung, das Straftatenaufkommen in der Stadt sei – insbesondere was Wohnungseinbrüche in der „dunklen Jahreszeit“ angeht – überdurchschnittlich angestiegen, es wurde gar gefordert, die Polizeistation in Hattersheim solle wieder in Betrieb genommen werden, um dem entgegenzuwirken.

 

Daher wurde zu einer Sitzung des Ausschusses für Soziales, Kultur und Sport am 5. Juni im Hessensaal des Posthofes der Leiter der Polizeidirektion Main-Taunus, Jürgen Moog, eingeladen, um dort Vertretern der Fraktionen, des Magistrates, des Stadtparlaments und der Ämter der Stadt Hattersheim über die Entwicklung der Kriminalstatistik für 2011 im Main-Taunus-Kreis und speziell in Hattersheim zu berichten.
„Wir wissen, dass es in Hattersheim Beunruhigung speziell auf die Entwicklung in Bezug auf die Wohnungseinbrüche gibt, aber ich kann ihnen aufzeigen, wie diese Entwicklung ihren Schrecken verliert!“, kündigte Moog an. 
Zunächst machte er deutlich, dass es insgesamt für Hattersheim eine positive Entwicklung im Straftatenaufkommen gibt: die Stadt konnte sich innerhalb des „sehr sicheren“ Main-Taunus-Kreises vom drittletzten Platz in 2010 auf den viertetzten Platz verbessern. Relativiert wird dieser Platz im „Ranking“ der Gemeinden in Bezug auf ihr Straftatenaufkommen allerdings auch schon ganz einfach durch die Größe einer Kommune: „Das ist klar ?– je größer eine Kommune, desto größer ist auch die Fallzahl“, erklärte Moog. In Hattersheim konnten von den etwas mehr als 1400 Straftaten in 2011 immerhin auch 67,2 % aufgeklärt werden. „Das ist eine sehr positive Entwicklung in der Aufklärungsquote, die sich sicher auch irgendwann im Fallaufkommen widerspiegeln wird“, weiß Moog aus seiner Erfahrung. Zu den „TOP“- Straftaten in Hattersheim gehören an erster Stelle Sachbeschädigung, an zweiter Stelle Ladendiebstahl (das Aufkommen von Ladendiebstählen ist selbstverständlich in Gemeinden mit vielen großen Einzelhandelsgeschäften auch größer als in kleineren Gemeinden), an dritter Stelle der Diebstahl aus Dienst- oder Büroräumen (wie etwa auch Schulen), an vierter Stelle steht die (vorsätzliche, leichte) Körperverletzung und an fünfter Stelle der Wohnungseinbruch. Rauschgiftdelikte stehen im Hattersheimer Straftaten-Ranking an neunter Stelle, es gibt in Hattersheim keine Rauschgift-Szene, wie auch noch einmal von Ordnungsamtsleiter Werner Schaffhauser bestätigt wurde. Angesichts dieser Auflistungen für das Jahr 2011 sprach Bürgermeisterin Antje Köster an, dass man in Hattersheim das subjektive Gefühl habe, im Jahre 2012 sei es verstärkt zu Wohnungseinbrüchen gekommen. Aus der FDP-Fraktion wurde dies bestärkt: „Unsere Wahrnehmung war, es gab drei Einbrüche am Tag“, brachte Dietrich Muth vor. „Da ist ihre Wahrnehmung zumindest für April bis Mai auf jeden Fall falsch!“, entgegnete Jürgen Moog und konnte mit einstelligen Zahlen belegen, dass es in diesen Monaten nur vereinzelte Einbrüche im Stadtgebiet von Hattersheim gab. In den fünf Monaten von November bis März sehen die Zahlen etwas anders aus, in dieser Zeit gab es in Hattersheim insgesamt 65, in Okriftel 19 und in Eddersheim 24 Wohnungseinbrüche. „Die Einbruchszahlen steigen bundesweit in den letzten Jahren wieder, durch ein neues Phänomen gab es diesen Winter überall eklatante Steigerungen“, berichtete Moog. „Wir haben in 2012 nun auch mehr Einbrüche in anderen kleineren Gemeinden wie etwa Langenhain und Diedenbergen. Im Vergleich zu Hofheim und seiner Umgebung gab es in Hattersheim aber nicht mehr Einbrüche als dort.“ Aus der SPD-Fraktion kam die Frage, ob es statistisch nachweisbar sei, dass eine Polizei-Dienststelle in einem Ort auf Straftäter abschreckend wirke. Jürgen Moog verneinte dies ausdrücklich und verwies auf seine Erfahrungen etwa in Eschersheim und anderen Orten, wo selbst zwei Polizeidienststellen am Ort nichts am Straftatenaufkommen ändern konnten. „So lange die Polizeistation in Hattersheim war, gab es noch nicht mal eine halbe Anzeige pro Nacht hier. Wir haben in Hofheim nun extra einen dritten Streifenwagen im Einsatz, mit der Maßgabe, dass ein Fahrzeug immer in Hattersheim im Einsatz ist. Hattersheim hat keine Nachteile ohne die Polizeistation, die Polizeipräsenz ist hier nun höher als vorher – die Beamten, die in einer Polizeiwache sitzen, müssen ja dort drinnen bleiben und könnten gar nicht zu Einsatzorten raus kommen!“ Die Argumentation aus der FDP-Fraktion, man habe das Gefühl, die Streifenwagen würden ja immer nur durch Hattersheim auf die Autobahn fahren, die Polizei sei noch viel zu wenig präsent in Hattersheim, empfindet der Leiter der Polizeidirektion Main-Taunus gar als „unlauter“: „Wir kommen unserer politischen Verpflichtung für Hattersheim nach, die Polizei ist hochmotiviert – man sollte den subjektiven Bereich nicht mit unlauteren Argumenten füttern!“ Er stellte klar, dass es an einem Ort ohne eigene Polizeistation nicht mehr Straftaten gibt, als an einem mit einer eigene Wache: „Das ist statistisch nicht nachweisbar.“ 
Auch in der Nacht ist der polizeiliche Einsatz in Hattersheim von Hofheim kein Problem: über die Telefonnummer der Hattersheimer Polizeiwache wird jeder Anrufer sofort nach Hofheim umgeschaltet, der Kriminaldauerdienst hat seinen Sitz sowieso auch vorher schon dort gehabt. Eine Verbesserung in Bezug auf die Einbruchszahlen in den Wintermonaten will Moog in noch einmal verstärkter Zusammenarbeit mit den Präventionsräten und den Bürgern erreichen. Die schon im letzten Jahr durchgeführten Veranstaltungen unter dem Motto „Aufmerksamer Nachbar“ sollen noch größer „aufgemacht“ werden, es soll wieder verstärkt „aufsuchende Polizeiarbeit“ in Wohngebieten stattfinden, dafür wurden inzwischen noch mehr Beamte geschult. Die Frage von Hedi Bender, ob denn bessere Sicherungen von Türen und Fenstern etwas gegen die Einbrüche nutzen, konnte er uneingeschränkt mit ja beantworten: „Bei keiner oder schlechter Sicherung haben wir wesentlich mehr vollendete Delikte in diesem Bereich, bei guter Sicherung bleibt es sehr oft nur beim Einbruchsversuch.“ Auf den Veranstaltungen der Präventionsräte können interessierte Bürger sich anschauen und zeigen lassen, wie man Wohnungen optimal gegen Einbrüche sichert – die Termine dieser Veranstaltungen werden rechtzeitig bekannt gegeben oder sind auf der Homepage www.präventionsrat-mtk.de zu erfahren.

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