Bläserkreis in Hessen und Nassau gastierte in der Okrifteler Matthäuskirche – Filmmusik als Thema
„BiHuN“ (Bläserkreis in Hessen und Nassau) nennt sich das Ensemble, welches am 29. September in der evangelischen Matthäuskirche zu Gast war. Bei freiem Eintritt konnten die Zuhörer dort anlässlich des Konzerts mit dem Titel „Klangfarben“ allerfeinste Blechbläser- Musik genießen – das mit einer bestimmten, volkstümlichen Musikrichtung eng verbundene Wort „Blasmusik“ ist bei BiHuN in keinster Weise angebracht. Die von Johannes Kunkel bestens dirigierte Auswahl von exzellenten Musikern (sie sind alle keine Profi-Musiker) aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau hat ein Repertoire, welches alle Epochen überspannt und Geistliche Bläsermusik, Musik für Orgel und Brass-Ensemble, mehrchörige Musik, Brass-Kammermusik, zeitgenössische Kompositionen, Volksmusik für Posaunenchöre und auch Popularmusik/Jazz beinhaltet.
Im Konzert in der Matthäuskirche spielte BiHuN in der Hauptsache Filmmusik, aber auch anderes, alles in einer körperlich spürbaren Intensität, welche die Kirchenbänke und sogar die Balken der Empore mitschwingen ließ. Von „Landesposaunen-Onkel“ Johannes Kunkel (so nennt er sich schmunzelnd selbst) erfuhren die Zuhörer im Laufe des Konzertes nicht nur einiges über die Rolle der Filmmusik im Laufe der Zeit, sondern auch interessante Details zu den Komponisten.
Wie andere Filmmusik in den zwanziger Jahren kann man sich auch zu „Adios nonino“ gut vorstellen, dass sie den Zuhörern in den damaligen Kinos die Atmosphäre eines Filmes oder einer Szene besser darstellen sollten. Das leise Lob des Dirigenten an seine Musiker drückte genau das aus, was das Publikum hörte. Auch die Karelia-Suite op 11. von Jean Sibelius hätte sich in kleineren Kinos, in denen man sich keine große Orgel oder gar ein ganzes Orchester leisten konnte, am Klavier gespielt dazu wunderbar geeignet – dargeboten vom Bläser-Ensemble war sie noch einmal mehr beeindruckend.
Wie sehr heute Filmmusik – oder in diesem Fall die Musik zu einer Krimiserie – den Charakter und die Stimmung in einem Film prägt, wurde allen Zuhörern klar beim „Hengasch-Thema“ von Andreas Schilling zur deutschen Serie „Mord mit Aussicht“. Hier spielen die Bläser eine tragende Rolle, sie passen wunderbar in die ländliche Szenerie, in der die skurrile Serie mit einer Kommissarin aus der Stadt zu Hause ist. Gespielt von BiHuN klingt die Melodie noch einmal dramatischer, der augenzwinkernde „Kampf der Kulturen“ wurde für die Zuhörer greifbar.
Im Programmpunkt „Moment für Morricone“ war in der Matthäuskirche endgültig Zeit für Gänsehaut. Zu verschiedenen, vorher kurz geschilderten Filmszenen aus Morricone-Filmen wurden Melodien gespielt. „Morricone hat in seiner Filmmusik für jede Hauptrolle ein Thema geschrieben“, wurde in Erinnerung gebracht. Das von der Trompete eindrucksvoll in die Kirchenakustik gebrachte Thema aus „Spiel mir das Lied vom Tod“, schon von einer Mundharmonika gespielt beeindruckend, ging den Zuhörern durch Mark und Bein, auch wenn es zwischendurch immer wieder melodiös beruhigt wurde. Auch das „Farewell to Cheyenne“ aus dem Film „Once Upon a Time in the West” ließen die Musiker wunderbar vor den geschlossenen Augen des Publikums erscheinen – bis hin zu der „Generalpause“, in welcher der ehrenhafte Indianer im Film tot vom Pferd fällt.
Nicht nur legendäre Filme profitieren von guter Musik, auch etwa Wissenschaftsserien wie „Terra X“ setzen Klänge ein, etwa um bestimmte Epochen zu beschreiben. Wie das funktioniert, zeigte die Bläsergruppe mit der „Sonata 29“ von Daniel Speer, die in einer „Terra X“-Sendung die Stimmung gediegenen Reichtums und nüchterner Kaufmannskalkulation mit wenig Platz für Romantik hinter der Hochzeitsplanung zweier Kaufmannskinder einer Hansestadt beschrieb.
Aus „1941“ („Wo bitte geht’s zur Front?“), der Antikriegs-Komödie von Steven Spielberg, spielten die BiHuN-Musiker einen Marsch, aus dem sofort hervorgeht, warum dieser Film „völlig ungeeignet zum Missbrauch durch Diktatoren“ ist – er kommt ebenso fröhlich, jubelnd und mitreißend daher, wie der das tolle Konzert abschließende „Groovin‘ March“ von Michael Schütz. Es war eine Freude, die BiHuN-Musiker und ihren Dirigenten in der evangelischen Kirche in Okriftel zu hören. Man darf sich hoffentlich auf ein nächstes Mal freuen?

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