Klimaschutzmaßnahmen 2025 und Ausblick auf 2026

Stadtverordnetenversammlung: Bericht des Magistrats betreffend Klimaschutzbericht 2025

Foto: mpk
Autor Toralf Staud bei seiner Lesung zum Thema "Hattersheim 2025" im vergangenen Jahr. Die Vortragsreihe soll auch in diesem Jahr fortgeführt werden.
Autor Toralf Staud bei seiner Lesung zum Thema "Hattersheim 2025" im vergangenen Jahr. Die Vortragsreihe soll auch in diesem Jahr fortgeführt werden.

mpk

Zur Stadtverordnetenversammlung am 19. Februar legte der Magistrat den Klimaschutzbericht für das vergangene Jahr vor.

Der Bericht geht zunächst auf die 2025 erfolgten Klimaschutzmaßnahmen in Hattersheim ein. So wurden als Anschlussvorhaben nach der Erstellung des Integrierten Klimaschutzkonzepts (IKSK) beim Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative weitere Fördermittel gemäß der Kommunalrichtlinie beantragt. Dem Antrag wurde stattgegeben, sodass die Umsetzung der entwickelten Maßnahmen für die Jahre 2025 bis 2027 staatlich gefördert werden (Förderquote 40 Prozent).

Umgesetzt wurde aus dem IKSK bereits der Klimakiosk: Hier wurde mit Bundesmitteln ein nutzbarer Pavillon angeschafft und für eine vielseitige Nutzung neutral gebrandet. Bereits zum Kinder- und Jugendtag sowie im Rahmen des Wochenmarkts wurden Klimaschutzaktionen und Energieberatungen für Bürger mithilfe des angeschafften Pavillons durchgeführt. Weitere Veranstaltungen sind ab Frühjahr 2026 über die Sommermonate vorgesehen, so soll beispielsweise im Rahmen des Wochenmarktes eine Impulsberatung für Energie- und PV-Fragen gemeinsam mit Mitarbeitern des Main-Taunus-Kreises angeboten werden.

Mit der Photovoltaik-Anlage auf der Fahrzeughalle des Bauhofs ist die mit 70 kWp bisher leistungsstärkste Anlage im Stadtgebiet installiert worden. Die Gesamtleistung auf städtischen Liegenschaften liege somit derzeit bei circa 231 kWp. Weiterer Ausbauten (beispielsweise Friedhof/Feuerwehr Eddersheim, Feuerwehr-Fahrzeughalle Okriftel, Kita Südwest) sind vorgesehen.

Die kostenfreie PV-Bürgerberatung im Klimaschutzbüro wird weiterhin angeboten.

Eine Bildungskampagne wurde gestartet: So war der Vortrag des Bestseller-Autors Toralf Staud der Beginn einer Vortragsreihe, die auch in diesem Jahr mit namhaften Rednern fortgeführt werden soll. "Eine Art Messe für Bürger zu den Themen Energie, PV, Wärmepumpen und E-Mobilität nach Art der früheren 'informa' soll in 2026 eine zentrale Informationsmöglichkeit für unsere Bürger werden", ist im Klimaschutzbericht zu lesen.

Im Rahmen eines VHS-Fortbildungskurses wurde das Thema „Klimaschutzmanagement in der Kommune“ interessierten Bürgern nähergebracht und die Problematik von Plastikmüll in einer Klasse der HBS thematisiert.

Nach der Umstellung des Geschäfts- und Kopierpapiers im Posthof wurde nun auch das Hygienepapier in Rathaus und Posthof auf Recyclingmaterial umgestellt.

Anfang 2025 wurde mit der Wärmeversorgung Hattersheim GmbH (WVH) eine Gesellschaft gegründet, die sich derzeit in Vorbereitungen und Planungsarbeiten befindet, um den Netzausbau für die Wärmeübernahme und -verteilung termingerecht fertigzustellen. Für den Neubau und die Transformation von Wärmenetzen sowie für deren Planung und Betrieb wurden staatliche Fördermittel aus dem Fundus der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) beantragt.

In enger Abstimmung mit den Ergebnissen der kommunalen Wärmeplanung soll hier eine strategische Betrachtung der künftigen Wärmeversorgung von Quartieren, Wohn- und Gewerbegebieten vorgenommen werden. Dies betreffe neben dem Neubau des NTT-Rechenzentrums am Friedhof Hattersheim auch die bereits bestehenden Rechenzentren in der Voltastraße sowie im Kastengrund.

Erstmals wurden im Sommer 2025 bei der LaughParade Sammelbehältnisse für Rauchreste kostenfrei verteilt. Zu Veranstaltungen wie der Marktplatzparty im Rahmen von "Heimat Shoppen" oder der Afterzugparty im Posthof werden individuell Sammelbehälter aufgehängt. Auf Wunsch eines Bürgers wurde auch bereits eine Bushaltestelle mit einem Kippenfänger bestückt. Rund um den Weinstand am Marktplatz sind Behälter ganzjährig angebracht. Weitere Veranstaltungen folgen zur neuen Outdoor-Saison.

Mit der Genussgalerie im Nassauer Hof konnte auch bereits der erste Gewerbetreibende von dem Konzept und der Teilnahme an dem Sammelprojekt überzeugt werden. Mehrere tausend Zigarettenkippen konnten bereits so dem gesonderten Sammelsystem zugeführt werden.

Mehrere Standorte wurden auf ihre Eignung zum E-Bike-Sharing hin überprüft, für die Errichtung einer Verleihstation wurden das Ölmühlenquartier sowie die Phrix vorgesehen. Aufgrund der Veränderungen bei der Prinz von Preußen AG ist der Standort Phrix bis auf weiteres gestoppt, die Station im Ölmühlenquartier soll im Frühjahr 2026 errichtet werden. Für die Errichtung einer solchen Verleihstation wurden Fördermittel des Landes Hessen akquiriert und bereits bewilligt.

Außerhalb des IKSK wurde unter anderem das LEA-Angebot „Aufsuchende Energieberatung“, eine kostenlose Energieberatung für Eigenheimbesitzer, mit Fördermitteln des Landes Hessen angeboten und von knapp 50 Haushalten in Anspruch genommen. Eine Evaluierung zu nachfolgend angestoßenen Maßnahmen erfolge nach einem Jahr. Auch die kostenfreie PV-Beratung für Bürger und Vereine wird nach wie vor rege genutzt.

Für die Entsiegelungsmaßnahme rund um die TVO-Turnhalle wurden Fördermittel des Landes Hessen beantragt, die App-basierte Plattform "Pendla" zur Bildung von Fahrgemeinschaften wurde und wird Mitarbeitern der Verwaltung, Bürgern und Gewerbetreibenden kostenfrei zur Verfügung gestellt, bislang sind so circa 40 Tonnen CO2-Einsparung erreicht worden

Im Rahmen des haushaltsneutralen Ausbaus der Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität sind an der Stadthalle Hattersheim zwei weitere Ladepunkte errichtet worden, außerdem wurde eine Lichtplanung mit LED-Beleuchtung für die Sporthalle am Karl-Eckel-Weg in Auftrag gegeben.

Für die Unterstützung von Vereinen bei der Erneuerung von energieintensiven Gerätschaften wurden mit Mitteln aus dem Klimaschutzkonto mehrere veraltete Kühlgeräte gegen energiesparende Modelle ausgetauscht

Am Stadtradeln 2025 beteiligten sich in 21 Teams knapp 250 Teilnehmer und erfuhren so über 51.000 Kilometer.

Maßnahmen und Projekte für 2026

Innerhalb des IKSK soll mit Mitteln aus dem Fördertopf des IKSK 2026 eine Vernetzung von Gewerbetreibenden zum Zwecke des Know-how-Transfers stattfinden. Hierzu bereite eine beauftragte Kommunikationsagentur ein Konzept vor und übernehme auch die professionelle Moderation.

Als wichtige Maßnahme aus dem Bereich Klimaanpassung soll im Jahr 2026 die Installation von Trinkbrunnen in jedem Stadtteil erfolgen. Standorte und Installation sowie Wartungsmodalitäten für den Betrieb befinden sich in Klärung mit den Stadtwerken, Fördermittel vom Land Hessen sind möglich.

Für das Frühjahr 2026 ist die so genannte „Solarkampagne“ mithilfe des umfangreichen Kommunikationsangebotes der LEA Hessen angesetzt. Hier wurden bereits Fördermittel des Landes Hessen beantragt und bewilligt. Diverse Informationsangebote, Mailings, Postkartenaktionen und Veranstaltungen bilden hier das Gesamtpaket, um Bürger zu informieren, motivieren und Kontakt zu Dienstleistern und Lieferanten herzustellen, um den PV-Ausbau zu forcieren.

Ein weiterer Photovoltaik-Ausbau auf städtischen Liegenschaften ist ebenfalls vorgesehen. Insbesondere sich ändernde Ausbau-Bedingungen (zum Beispiel Preise für Module/Speicher und Monteure) und neue rechtliche Grundlagen wie beispielsweise die mögliche gemeinschaftliche Gebäudeversorgung, können hier den weiteren Ausbau beeinflussen.

In Sachen Einsetzung eines E-Fahrzeug-Verleihsystems sei ein ganzheitlicher Ansatz angedacht. So sei dies im Rahmen eines Mobility-Hubs am Bahnhof Hattersheim als Teil eines gesamten Mobilitätskonzepts rund um den Bahnhof denkbar.

Gemäß der Abfallmengen- und Verwertungsbilanz der Rhein-Main-Abfall GmbH für das Jahr 2024 hat Hattersheim von allen Kommunen des MTK mit etwa 152 kg die viertschlechteste Bilanz bei der Restmüllmenge pro Einwohner. Mithilfe von Aktionen, mehrsprachigen Infobroschüren und Informationskampagnen soll hier eine Verringerung des Restmüllaufkommens erreicht werden. Aufgrund der Zuständigkeiten für die Entsorgung sind hier die Stadtwerke in der Verantwortung.

Für 2026 ist der flächendeckende Rollout von modernen Messeinrichtungen in städtischen Liegenschaften vorgesehen, um die Erfassung der Verbräuche zu automatisieren und ein Monitoring zu ermöglichen. Mithilfe dieses Monitorings, dem Vergleich mit anderen ähnlichen Gebäuden und entsprechend abgeleiteter Sparmaßnahmen soll im Folgejahr dann auch eine Zertifizierung nach ISO 50001 angestrebt werden, um den Standard eines Kommunalen Energiemanagementsystems (KomEMS) zu erfüllen. Deutliche Einsparungen im Energiesektor und eine dementsprechende Reduktion der Emissionen sind hieraus erwartbar.

Nach Fixierung der Zusammensetzung einer Klimakommission sollen hierzu 2026 die Einladungen an entsprechende Personenkreise versendet und ein solches Gremium gegründet werden.

Gemäß Absprache mit Vereinen sollen beispielsweise auch auf Fußballplätzen Nichtraucherzonen eingerichtet und verbesserte Kippensammelsysteme installiert werden.

Außerhalb der festgeschriebenen Maßnahmen des IKSK nutzt Hattersheim als erste Kommune im Versorgungsgebiet der Syna gemäß dem Solarpaket der Bundesregierung im Stadtmuseum die Möglichkeit der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung. Diese ermöglicht es, produzierten Solarstrom in Liegenschaften effizient zu nutzen und zu verteilen, indem er direkt an die dortigen Mieter weitergegeben wird.

Bezüglich des multifunktionalen Mobilitätsangebots rund um den Bahnhof Hattersheim sollen die vorhandenen Möglichkeiten wie Bahn, Bus und Taxi vervollständigt und mit E-Car-Sharing, Bike-Sharing, E-Scootern, Lademöglichkeiten für E-Bikes und Akkus ergänzt werden.

Komplettiert durch automatisierte Einkaufsangebote und ein Verkehrs-Informationssystem soll hier ein attraktives Gesamtangebot errichtet werden. Die Errichtung eines Mobility-Hubs im Umfeld eines Bahnhofes würde dann auch die Bedingungen zur Beantragung von staatlichen Fördermitteln erfüllen. Eine Abstimmung mit der Deutschen Bahn und deren Ausbauplanungen für den Bahnhofsbereich sei hierfür zwingend erforderlich.

Die Vereinsunterstützung für Klimaschutz- und Energiesparmaßnahmen soll fortgeführt werden, das etablierte Mehrwegkonzept auf Vereinsveranstaltungen ausgeweitet werden.

Das Umfeld der TVO-Halle in Okriftel soll mit akquirierten Fördermitteln entsiegelt werden.

Überprüfen will man die Möglichkeiten für die Wallbox-Nutzung gegen Entgelt für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung. Dies diene der Erlangung eines Wettbewerbsvorteils in der Mitarbeiterakquise und -motivation sowie der weiteren Verbreitung der E-Mobilität.

Die kostenfreie PV-Beratung für Bürgerinnen und Bürger wird auch in 2026 fortgeführt, ebenso der Ausbau von Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, auch in strukturschwachen Quartieren. Und schließlich beteiligt sich Hattersheim auch in diesem Jahr wieder an der Aktion Stadtradeln.

Der Bericht wird von der Stadtverordnetenversammlung ohne Aussprache zur Kenntnis genommen. Die Fraktion der SPD bat um die Überweisung in den Ausschuss für Umwelt, Bauen und Verkehr.

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