Bereits zum dritten Mal seit 2024 bringt MuTo Voices, der Musicalchor aus dem Verein Musical Tomorrow e.V., ein eigenes Konzertprogramm in Hattersheim auf die Bühne der Stadthalle. Auch in diesem Jahr konnten sich die Darstellenden über ausverkaufte Vorstellungen, großen Applaus bis hin zu Standing Ovations sowie riesige Begeisterung freuen. Die euphorische Stimmung zeigte nicht nur das Publikum, nein, allen Darstellenden merkte man die große Freude bei der Aufführung an. Mit großer Leidenschaft und voll Kreativität wurden Hits aus klassischen, aber auch aus neuen Musicals auf die Bühne gebracht. Auch Disney-Hits aus Vaianaund Die Eiskönigin fehlten nicht.
Alle Sänger und Sängerinnen waren in schwarz gekleidet, aber kein Outfit glich dem anderen. Es gab kurze Kleider, lange Kleider, mit Schlitz oder ganz brav, Spitze, Glitzer (auch bei den Männern), Hosen mit passenden Oberteilen und Jumpsuits. Auch auf sehr unterschiedliches Schuhwerk hatte man geachtet, Sandalen, hohe Absätze, flache Schuhe bis hin zu Plateausohlen. Ebenso war die unterschiedliche Schminktechnik bemerkenswert. So boten die Aufführenden einen sehr abwechslungsreichen Anblick, auch deshalb, weil viel Bewegung auf der Bühne stattfand.
Musical, von klassisch bis modern
Die Vorstellungen fanden am letzten Freitag und Samstag um 20 Uhr statt. Es schloss sich sonntags eine Nachmittagsvorstellung um 17 Uhr an. Laut Yvonne Guretzka, die die organisatorische Leitung für die Produktion innehatte, war der Applaus des Publikums am Samstag am größten. Aber auch das Publikum der Sonntagsvorstellung war mit lautem und anhaltendem Applaus dabei.
Die Begrüßung des Publikums wurde von Sarah Yurtöven vorgenommen. Auf die Frage „Wer war letztes Jahr schon mal hier?“ gingen viele Arme in die Höhe. „Mit denen vom letzten Jahr bin ich schon per du, wie sieht es mit den anderen aus?“, frotzelte sie. Natürlich schlug keiner das kollektive „du“ aus. Es stellte sich heraus, dass viele Gruppen unter den Zuschauern waren. Aber auch Paare, Familien und einige wenige Singles traf man an. „Seid wie die Hattersheimer, freundlich und respektvoll und macht die Handys aus“, bat Sarah. Dann wurde noch einmal euphorischer Applaus geübt und los ging‘s.
Insgesamt 45 Menschen standen auf der Bühne. Mal sah man das ganze Ensemble, mal eine Gruppe von Sängern und Sängerinnen. Kennzeichnend für alle Auftritte war, dass es praktisch keine Solorollen gab, sondern immer mehrere Singende auf der Bühne standen. Die Kleingruppen wurden immer wieder neu zusammengestellt, sodass jede und jeder einmal im Mittelpunkt stehen konnte. Diese Tatsache macht die MuTo Voices besonders sympathisch, da man merkt, dass es sich bei der Darbietung um eine echte Gemeinschaftsarbeit handelt. Die Vorschläge zu den Songs, die aufgeführt werden, kommen immer demokratisch von der gesamten Gruppe. Gemeinsam mit dem Produktionsteam (Corinna Kastner, Jana Noll und Selina Siedler) werden dann die Ideen in die Praxis umgesetzt. Die künstlerische Leitung für die diesjährige Produktion hatten Carolin Vilhelmsson und Clara Hecker.
Der musikalische Leiter, Henrik Vilhelmsson, stellte sich nach dem Song „Never Enough“ aus dem Stück The Greatest Showman vor. Er erklärte, dass dieses Lied eigentlich kein Chorstück sei, er es aber umgeschrieben habe. So bekäme jedes Lied der Aufführung einen persönlichen MuTo Voices Stempel aufgeprägt. Das Lied aus SIX „Don't Lose Ur Head“ hatte Vilhelmsson ins Deutsche übersetzt und „Ein kühler Kopf“ genannt. Auch diese Veränderung war sozusagen eine Welturaufführung.
Dann: Schneller Umbau, es wurde ein weißes Klavier auf die Bühne geschoben. (Eine Idee von Bürgermeister Klaus Schindling, wie das Publikum später erfuhr.) Mit Henrik Vilhelmsson am Klavier wurde „Slipping through my Fingers" aus Mamma Mia! dargeboten. Bis zur Pause wurden die Zuhörenden noch mit Mother Scotland (Lady M), Der Sieg ist mein (Wonderland), Ich will keinen Mann (Herkules), zwei Liedern aus Hamilton und dem Song Backstage Romance aus Moulin Rouge unterhalten.
In der Pause mischten sich die MuTo Voices unter das Publikum. Das machte es möglich, Fragen zu stellen oder sich nach den Möglichkeiten des Mitsingens zu erkundigen. Es wurde auch deutlich, dass viele Mitglieder des Musical Tomorrow e.V. als Helfer für den Karten- oder Getränkeverkauf wie auch hinter der Bühne anwesend waren.
Emotionale Songs
Nach der Pause ging es weiter mit emotionaleren Songs aus den Musicals Rebecca, Mozart! und aus der Serie High School Musical.
Besonders berührend war „Ein Funke in der Dunkelheit“. Dieser Song stammt aus dem Projekt Die Kinder der toten Stadt des Papageno Musiktheaters Frankfurt (Uraufführung im April 2019). Es handelt sich hierbei um ein Musikdrama gegen das Vergessen. Es basiert auf Ereignissen im Ghetto Theresienstadt. Im Juni 1944 wurde dort die Kinderoper „Brundibár“ durch gefangene Kinder aufgeführt, um ein „normales“ Leben vorzutäuschen. Kurz danach wurden fast alle Beteiligten in Auschwitz ermordet. Das Stück dient heute dazu, Kindern und Jugendlichen einen Zugang zum Thema Holocaust zu vermitteln und wird deshalb Schulen zugänglich gemacht. Da dieses Projekt den MuTo Voices besonders am Herzen liegt, gab es einen Erklärungstext im Programmheft. Zusätzlich erklärte Carolin Vilhelmsson, die bei der Uraufführung mitgespielt hatte, warum es eine Herzensangelegenheit für sie ist, über das Projekt zu sprechen.
Ein magischer Moment wurde dem Publikum mit dem Lied „Zeige dich“ aus Die Eiskönigin beschert. Dann wurden die Vampire losgelassen mit Beiträgen aus dem Tanz der Vampire und Dracula.
Als sich Yvonne Guretzka an das Publikum wandte, realisierte man nach der kurzweiligen Show, dass sich nun das Ende näherte. „Es hat uns unfassbar viel Spaß gemacht“, erklärte sie. Ihr Dank an alle Beteiligten war groß, besonders an die Techniker, die bei jeder der drei Shows eine wunderbare Leistung erbracht hatten. Dem Vorstand von Musical Tomorrow dankte sie, dass er viel Vertrauen in die MuTo Voices setzt und so zugelassen hat, dass die Voices die gesamte Show nach ihren eigenen Plänen umsetzen konnten. Dank an das Kulturforum und die Stadt Hattersheim und an die vielen helfenden Hände schloss sich an.
Zum Schluss gab es dann noch einen Höhepunkt mit „Niemand stoppt den Beat“ aus dem Musical Hairspray. Das Publikum applaudierte ausdauernd. Sicher war es den MuTo Voices durch ihre mitreißende Performance gelungen, die schon vorhandenen Fans glücklich zu machen und auch neue Fans zu gewinnen.
Wer in diesem Jahr die MuTo Voices noch einmal sehen und hören möchte, der hat in der Stadthalle in Flörsheim am 19. und 20. Dezember beim „MuTo’s Winterzauber“ hierzu Gelegenheit.




Kommentare