Straßen voller Hippies, Elfen und Flamingos

Tausende waren wieder zum Hattersheimer Fassenachtsumzug am Samstag "uff de Gass"

mpk

Kalt war's am vergangenen Samstag - aber zum Glück trocken, und so war es kein Wunder, dass wieder unzählige Närrinnen und Narrhallesen aus der gesamten Region nach Hattersheim zum alljährlichen Fassenachtsumzug strömten. Fast 100 Zugnummern schlängelten sich durch die Hattersheimer Straßen, und das fröhlich-bunte und freilich auch laute Treiben gab Ehrenzugmarschall Dieter E. Freidhof recht, der in seinem Grußwort treffend formulierte: "Fastnacht hat Tradition, ist erhaltenswertes Kulturgut, ist multikulturell und völkerverbindend und fasziniert immer wieder Millionen von Menschen." Und die Menschen am Streckenrand stammten einmal mehr aus allen Altersklassen: Kleinkinder bestaunten das Spektakel mit Gehörschutz im Kinderwagen, der ältere Nachwuchs begab sich auf die fruchtbare Jagd nach großzügig geworfenen Süßigkeiten, die junge Generation nahm in großer Zahl direkt am Umzug teil, und auch Seniorinnen und Senioren schauten gerne zu, wie der Lindwurm sich seine Bahn durch die hiesigen Gassen brach.

Nach der Zugnummer 1, die stets der polizeilichen Vorhut gehört, grüßte Zugmarschall Ralf Meik die Narrenschar aus dem offenen Cabrio, gefolgt von den Clan Pipers Frankfurt, die mit ihren Dudelsäcken immer wieder den Hattersheimer Umzug bereichern. Auch der 1. Sindlinger Karnevalverein 1925 e.V. war zahlenmäßig wieder sehr stark vertreten, von den Garden über das Männerballett bis hin zu den Tanzmariechen war alles dabei.

Der erste Vereinsbeitrag aus Hattersheim stammte von den Radsportfreunden, die als Verkehrsschilder und -hütchen verkleiden waren. Der TV Okriftel hatte seine Diamonds mitgebracht, die in schwarz-lilafarbenen Gewändern einen "Blick in die Zukunft wagten", während die Mixed Motions Untergruppen ganz klassisch eine urige Hüttengaudi feierten, stilecht in Dirndl und Lederhosen.

"Helden waren gestern"

Einen politischen Einschlag hatte wieder der Beitrag der Privatgruppe Sascha Krüger: Zum "Geheimbund der Bösewichte" zählte man auch manch Mächtigen dieser Zeit, der nicht gerade durch Moral und Heldentum glänzt: Trump und Putin reihten sich neben dem Joker und den Panzerknackern ein.

Enorm groß war wieder der Beitrag des Krifteler Karneval Klubs (KKK): Zuerst beeindruckte das erfolgreiche Brass & Drum Corps des Vereins buchstäblich mit Fahnen, Pauken und Trompeten, bevor die Garde des KKK mit ihren gelb-roten Pompoms den Motivwagen ankündigte, der die vereinseigene Prominenz durch die Straßen fuhr. Es folgten weitere Tanz- und Fußgruppen, wie das Joy Dance Team und viele Aktive, die sich ganz dem diesjährigen Kampagnenmotto verschrieben hatten: "Heut' wird sicher viel gelacht, Kindheitshelden an die Macht" lautete selbiges, und dementsprechend bevölkerten Harry Potter, die Ghostbusters, Pumuckl, die Maus samt Elefant und Bibi Blocksberg die Wegstrecke.

Die Wilden Weiber Okriftel präsentierten ihr diesjähriges Motto völlig kompromisslos auch im Rahmen der Straßenfastnacht: "Pretty in Pink" war restlos alles am Beitrag des WWO, andere Farben suchte man vergeblich.

Auch der Spielsmannszug der Feuerwehr Okriftel warf sich diesmal in Schale: Stabführer Werner Jung gab das Schneewittchen, und hinter ihm musizierten fleißig die (mehr als) sieben Zwerge.

Dann entpuppten sich echte Feen mit Elfenohren und Flügeln in Pastellfarben als echter Blickfang: Die Privatgruppe Zauberwald präsentierte genau das, was ihr Name versprach: Einen Zauberwald, beziehungsweise dessen betörende Bewohnerinnen. Der kreative Beitrag wurde am Ende auch belohnt: Bei der Prämierung der besten Zugnummern wurde dieser Beitrag als schönste Fußgruppe ausgezeichnet.

Vor dem Zugmarschallteam, inklusive Ehrenzugmarschall Dieter E. Freidhof, folgte noch eine weitere Zugnummer aus dem benachbarten Kriftel: Die dortige Heimat- und Festwagengesellschaft hatte die Schwarzbachklinik auf vier Räder gepackt und nach Hattersheim bugsiert.

Auch eine andere Nachbarstadt zeigte wieder Präsenz: Simeon Dimitriadis und Bernd Seel vom dortigen Generalstab grüßten aus dem Cabrio und warfen munter Süßigkeiten unter das Volk.

"Schräg, laut, geil"

Immer wieder besonders bemerkenswert sind die wild kostümierten Guggemusiker wie die Stallkrawaller aus Bad Vilbel, bei denen die Farbe Grün dominierte, während die Hutzelgründer Grawallschochdeln eher in schwarz-weiß auffallen. Beim Verbreiten von guter Laune zeigten sich beide ebenbürtig.

Kaum minder pink als die Wilden Weiber präsentierte sich der "Flamingo Club" des FC 1931 Eddersheim: Die Fußballer marschierten allesamt in rosafarmenen Kostümen mit, während der Wagen passend zum Motto verziert war.

Die Liebe wurde vom Gesangverein Liederkranz Eddersheim und den Candy Girls ganz groß geschrieben: Rote Herzchen überall, wohin man auch schaute.

Und dann kamen die Hippies des Carneval-Clubs Mainperle: 66 Jahre ist der Verein mittlerweile schon alt, in Fastnachtskreisen ein ganz besonderes Jubiläum. Also schaute der CCM zurück in seine Anfangsjahre - und belebte die damalige Hippiekultur wieder, mit psychedelisch anmutenden Flower-Power-Kostümen und einem riesigen Hippie-VW-Bus, auf dem ein überdimensionaler Joint glühte. Was ja heuer auch nicht mehr verboten ist. Dieser beeindruckende Bus brachte dem CCM auch erneut die Auszeichnung zum besten Motivwagen ein.

Die Chorgemeinschaft Hattersheim hatte sich in diesem Jahr als kunterbunte Singvögel verkleidet, während die Privatgruppe Bierchenland eine waschechte Apres Ski-Party feierte und die Tanzsportrgruppe Wild Wings sich als Geisterjäger betätigte.

Und auch die inklusive Fußballmannschaft der Hattersheimer Eintracht war wieder dabei. Sie erhielt in diesem Jahr einen hochverdienten Sonderpreis für Inklusion.

Es ist wie immer: Die schiere Anzahl an Beiträgen sprengt den hier zur Verfügung stehenden Rahmen, wehalb nicht alle Zugnummern in diesem Bericht Erwähnung finden. Manch einer wird sich aber noch in der Bildergalerie zum Fassenachtsumzug in dieser Ausgabe wiederfinden.

Sicherheit am Streckenrand

Etwa 80 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst waren am Samstag rund um den Hattersheimer Fassenachtsumzug im Einsatz. Die Fahrzeuge und Trupps der Feuerwehr waren entlang der Strecke strategisch verteilt und so positioniert, dass man auch im restlichen Stadtgebiet jederzeit einsatzbereit war.

Feuerwehr und Sanitätsdienst arbeiteten in einer gemeinsamen Einsatzleitung, und das in enger Zusammenarbeit mit der Polizei. Sieben Einsätze mussten dabei koordiniert werden, darunter eine technische Hilfeleistung: Eine betrunkene Person war offensichtlich beim Urinieren die Böschung zum Schwarzbach hinuntergerutscht. Die Person konnte mit einer Steckleiter gerettet und an den Sanitätsdienst übergeben werden.

Und schließlich war der Rathaussturm auch in diesem Jahr wieder eine einseitige Angelegenheit: Bürgermeister Klaus Schindling und seine Verwaltung gingen natürlich wieder als Verlierer vom Platz, der Rathauschef wurde von den närrischen Umstürzlern in Ketten gelegt und zur Herausgabe von Stadtkasse und Schlüssel zum Rathaus genötigt. Bis am Aschermittwoch natürlich wieder alles vorbei war...bis zum nächsten Jahr, wenn am 6. Februar ein weiterer Fassenachtsumzug Hattersheim begeistern wird.

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