Man öffne einen Koffer mit Geld, verstreue den Inhalt auf der Straße und es wird keine Probleme geben, genügend Abnehmer für die milde Gabe zu finden. Vielleicht war es das Bild, dass vielen deutschen Sportvereinen und Kommunen in den Sinn kam, als die Bundesregierung 2025 verkündete, den Sanierungsstau vieler Sportstätten im Lande durch ein Sonderprogramm abzubauen zu helfen. Mit 333 Millionen Euro ist das Bundesprogramm "Sanierung kommunaler Sportstätten" ausgestattet. Bis Mitte Januar konnten Städte, Gemeinden und Landkreise für ihre kommunalen Anlagen Fördermittel beantragen.
Und, oh Wunder, als die Frist abgelaufen war, meldete das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen eine gewisse Überzeichnung der Summe durch die eingereichten Projektanträge. „Über 3.600 Interessenbekundungen gingen beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung ein, das mit der Umsetzung des Bundesprogramms beauftragt ist“, meldet das Ministerium. Um die vorliegenden „Projektskizzen“ zu finanzieren, müsste das Programm auf das 23-fache Volumen aufgepumpt werden, was nicht passieren wird. Auf 7,5 Milliarden Euro summieren sich die Anträge, wie Bürgermeister Bernd Blisch in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung berichtete.
Immerhin steht eine zweite Runde mit der gleichen Fördersumme in Aussicht, zudem gibt es in diesem Jahr 250 Millionen Euro speziell für Schwimmbad-Sanierungen, wofür Flörsheim allerdings nicht in Frage kommt. Alle Mittel kommen aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“. Der Haushaltsausschuss des Bundestages wird über die Auswahl der geförderten Projekte entscheiden. Auch die drei Fußballvereine in Flörsheim hoffen darauf, dass sie dank der Millionen aus Berlin ihre Spielstätten modernisieren können. Schließlich wird die Sanierung von „Sportfreianlagen“, explizit „die Umwandlung in oder Sanierung von Kunstrasenplätzen“ aufgeführt.
Germania Weilbach, SV 09 Flörsheim und DJK Schwarz-Weiß Flörsheim sehen allesamt ihre Kunstrasenflächen als sanierungsbedürftig an, die DJK ist zudem mit dem Zustand der von der Leichtathletikabteilung genutzten Tartanbahnen auf dem städtischen Sportplatz an der Hauptstraße unzufrieden. Die Stadt rechnete nach und kam auf ein Kostenvolumen von 1,4 Millionen Euro. Die in Frage kommende Fördersumme beträgt durch den 45-prozentigen Anteil, den das Programm übernimmt, 630.000 Euro. Das liegt deutlich unter dem Durchschnitt der 3500 Anträge von fast 2,1 Millionen Euro.
Vielleicht hilft das, zu den Auserwählten zu gehören. Nach welchen Kriterien der Bundestagsausschuss seine Entscheidung treffen wird – Blisch rechnet um Ostern herum mit Nachrichten aus Berlin – hat das federführende Ministerium nicht mitgeteilt und dürfte auch mehr die Festlegung des Ausschusses selbst sein. Sicher dürfte eine gleichmäßige regionale Zuweisung eine Rolle spielen, somit steht die Flörsheimer Bewerbung sicher in Konkurrenz mit Raunheim. Die Stadt auf der anderen Mainseite möchte mit den Mitteln aus dem Programm den Rasenplatz des SSV in einen Kunstrasenplatz umwandeln. Außerdem wird eine Flutlichtanlage beantragt, die Gesamtkosten liegen bei rund einer Million Euro.
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Flörsheimer Antrag bewilligt werde, müsse „realistisch eingeschätzt werden“, sagte Blisch angesichts der großen Überzeichnung, Neue Runde, neue Chance wird es freilich im Fall einer Nichtberücksichtigung in dieser Vergaberunde heißen.

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