Wenn in der Aula des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums das Banner „Echte Flerschemer Fastnacht“ die Bühnenwand schmückt, ist der Anspruch klar umrissen. Die KAB-Fastnacht steht für eine Fastnacht, die fest in der Stadt verwurzelt ist. Unter dem Kampagnenmotto „Fassenacht mit Herz“ zeigte sich bei der ersten Sitzung am Samstag einmal mehr, was diesen Ansatz ausmacht: Nähe, Engagement und unverkennbares Lokalkolorit.
Bereits der Auftakt machte deutlich, wohin die Reise geht. Mit dem jungen Solotänzer Joscha Richter eröffnete ein Nachwuchsakteur den Abend, der mit Ausdrucksstärke und sicherer Bühnenpräsenz überzeugte. Angekündigt wurde er von Silas Schleidt, dem jüngsten Sohn von Sitzungspräsident Daniel Schleidt – ein sichtbares Zeichen für den generationenübergreifenden Charakter der Sitzung.
Den roten Faden des Abends bildete ein flüssiges Zusammenspiel aus Bütt, Tanz und Wortbeiträgen – ohne starre Dramaturgie, dafür mit Tempo. Besonders der tänzerische Nachwuchs prägte das Bild. Die neu formierte KAB-Tanzgruppe "Shining Steps" präsentierte einen anspruchsvollen Gardetanz, der klassische Elemente mit modernen Akzenten verband. Präzise Formationen und spürbarer Ausdruck zeigten die intensive Probenarbeit der jungen Tänzerinnen.
Auch in der Bütt war der Generationswechsel spürbar. Die Äpplerbube knüpften an ihre Premiere aus dem Vorjahr an und nahmen das Flörsheimer Alltagsleben aufs Korn. Schauplatz ihrer Beobachtungen war der Tresen im „Joffche“ als inoffizielle Stadtversammlung. Mit Charme und treffsicheren Pointen bewiesen die drei jungen Redner, dass lokale Fastnacht auch mit neuen Stimmen funktioniert.
Im Mittelpunkt ihres Beitrags stand die finanzielle Lage der Stadt. Flörsheim, so ihr Eindruck, rede seit Wochen von leeren Kassen, eingefrorenen Projekten und verschobenen Vorhaben. Umso größer sei die Verwunderung gewesen, dass trotz Haushaltssperre Geld für eine mobile Geschwindigkeitsmessanlage vorhanden gewesen sei. Der Blitzer entwickelte sich schnell zum Running Gag des Abends: So häufig sei er umgesetzt worden, dass man ihn zeitweise aus den Augen verloren habe. Erst als der Bürgermeister selbst geblitzt worden sei, tauchte das Gerät wieder auf – samt Spitznamen „Dr. Bernd Blitz“.
Ein neues Kapitel schlug die KAB mit dem neu gegründeten Männerballett auf. Nach dem Abschied des bisherigen Ensembles im vergangenen Jahr hat sich ein junges Team aus zehn Männern gefunden, das die Tradition fortführt. Sportliche Disziplin und überzeugende Choreografie prägten den Auftritt. Der Applaus machte deutlich: Das Männerballett hat Zukunft.
Für zusätzliche Lacher sorgte die „Selbsthilfegruppe“, seit Jahren fester Bestandteil der KAB-Fastnacht. Mit Schauspiel, Gesang, schnellen Kostümwechseln sowie viel Charme und Witz traf die Truppe erneut den Nerv des Saals und wurde frenetisch gefeiert.
Die Showtanzgruppe "Fun Factory" setzte mit starker Bühnenpräsenz einen Höhepunkt des Abends. Gardetanz auf hohem Niveau zeigte auch Mancomania, die mit Präzision und Synchronität überzeugte. Nach einjähriger Bühnenpause meldeten sich die Crazy Moms eindrucksvoll zurück. Mit Gesang, Tanz und Spielszenen erzählten sie humorvolle Geschichten rund um die Weihnachtszeit.
Sitzungspräsident Daniel Schleidt verband in seinem Beitrag „Fastnachts-TV“ satirische Nachrichtenformate mit regionalem Blick und pointierten Kommentaren zum Zeitgeschehen. Gleich zu Beginn nahm er die allgegenwärtige Dauerberieselung mit schlechten Nachrichten ins Visier: „Die Welt ist schlecht geworden. Selbst im Fernsehen gibt es nur noch Mord und Totschlag.“ Es folgte ein Rundumschlag gegen die Krimiserien im deutschen Fernsehen: „Ich habe so viele Nordsee-Krimis gesehen, dass ich nach jedem Strandspaziergang enttäuscht bin, wenn keine Wasserleiche angespült wurde.“ Von dort spannte Schleidt den Bogen weiter – über Cyberkriminalität, Bahnverspätungen und digitale Abhängigkeiten bis hin zur internationalen Politik.
Ergänzt wurde das Wortprogramm unter anderem durch Ralph Bender, der als Tierarzt sein 30-jähriges Bühnenjubiläum feierte und mit scharfem Humor, gut durchdachten Texten und sicherem Versmaß überzeugte. Pfarrer Friedhelm Meudt machte mit Herzlichkeit und feinem Humor die Nähe zwischen Gemeinde und Fastnacht sichtbar, während Jutta Schlosser als Betty Berzel erneut für Begeisterung im Saal sorgte.
Musikalische Einlagen steuerten Sänger Marlon Spehr mit Gitarre und im Finale Sängerin Martina Foucheux bei, die gemeinsam mit den Crazy Moms einen stimmungsvollen Schlusspunkt setzte.
Rund 200 Aktive und Helfer waren vor und hinter der Bühne im Einsatz. Bei den nächsten beiden Sitzungen werden rund 450 Gäste erwartet – alle Termine sind ausverkauft. Entsprechend zufrieden zeigte sich Daniel Schleidt nach der Premiere: „Besonders freue ich mich über die spürbar gute Stimmung und die positive Resonanz aus dem Publikum.“
Unterm Strich präsentierte sich die KAB-Fastnacht 2026 als das, was sie seit Jahren auszeichnet: lokal verankert und publikumsnah. Dass der Nachwuchs dabei eine tragende Rolle spielt, erklärt, warum die KAB-Fastnacht in Flörsheim auch künftig auf volle Reihen setzen kann.




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