Dass Sybille Hein ein Tausendsassa ist, hat sie vor Kurzem in Hattersheim unter Beweis gestellt. Die in Berlin ansässige Künstlerin schreibt und illustriert Bücher für Kinder und Erwachsene - aber nicht nur das: Sie singt zudem in einer Band und hat sich auch als Kabarettistin einen Namen gemacht.
Bei der zweiten Literarischen Schifffahrt dieses Jahres, die am Mittwoch, 9. September, auf der Fähre Walter Kolb stattfand, konnte sich das Publikum von einigen ihrer Talente überzeugen. Hein sang nicht nur subversive Lieder, die sie um gekonnte Tanzeinlagen ergänzte – sondern plauderte auch über ihre Arbeit als Autorin aus dem Nähkästchen. Als Höhepunkt las sie Passagen aus ihrem ersten Jugendroman vor, der demnächst erscheinen wird. Beim ihrem Abschlusslied sangen Publikum und Erste Stadträtin Heike Seibert beschwingt mit und ließen Hein schließlich nur ungern wieder von Bord gehen.
Weiter ging es bereits am nächsten Morgen: Alle zweiten und dritten Klassen der Robinson-Schule hatten sich in der Hattersheimer Stadthalle eingefunden, um aus Heins witzig illustriertem Bilderbuch „Freiheit“ vorgelesen zu bekommen. Die 180 anwesenden Kinder wurden an diesem Vormittag für die Bedeutung demokratischer
Grundrechte sensibilisiert und dafür, dass Freiheit keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist, sondern oft mühevoll erstritten werden muss. Heins Buch hilft Kindern zu verstehen, was das große Wort bedeutet. Warum Freiheit auch heißt, anders sein zu dürfen. Warum frei sein bedeutet, alles wissen und fragen zu können. Und auch, warum Freiheit manchmal nach Schweiß und Käsefüßen riecht - und häufig eine große Portion Mut verlangt.
Eine Lesung im klassischen Sinne - mit Zuhören und Stillsitzen - erlebten die Schülerinnen und Schüler an diesem Morgen allerdings mitnichten: Hein drehte nicht nur eine Runde durchs Publikum, um eine Kostprobe der Hattersheimer Käsemauken zu nehmen, sondern bezog die Kinder auch durchgehend in ihr Programm ein, indem sie mit dem Mikro durch die Reihen ging, um sie Texte vorlesen zu lassen oder sie nach ihrer Meinung zu fragen. Es wurde über Freiheit gesungen, man durfte seine Lieblingsschimpfworte rufen und am Ende wurde auch noch gemeinsam getanzt.
Eine Rückmeldung macht besonders deutlich, dass die Kinder nicht nur Spaß hatten, sondern auch zum Nachdenken angeregt wurden: Hein hatte eine Freiwillige ausgewählt, die für die Dauer eines Liedes eine blonde Lockenperücke tragen durfte. Ein Junge sagte dann später, dass er die Perücke so gerne getragen hätte, sich aber aus Sorge vor der Reaktion seiner Kumpels nicht getraut habe, sich zu melden. Er habe sich aber fest vorgenommen, sich beim nächsten Mal unbedingt zu trauen, weil Mut doch schließlich auch Freiheit bedeute. Wie man sieht: Die Botschaft ist angekommen.


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