„Kein Tag steht so sehr für das jahrhundertelange deutsche Ringen um Demokratie wie der 18. März: der Tag der Mainzer Republik 1793, der Revolution von 1848 und der ersten freien Volkskammerwahlen in der DDR im Jahr 1990“, erläuterte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Grußwort zum ersten Tag der Demokratiegeschichte am 18. März in diesem Jahr. Er hat die Schirmherrschaft für diesen Tag übernommen und rief zu bundesweiten Gedenkveranstaltungen an diesem und auch den folgenden Tagen auf.
Es gibt sie noch - verbotene Bücher
In der Ausstellung in der Stadtbücherei, die am 20. März eröffnet wurde, hatte das Team der Stadtbücherei Hattersheim Bücher aus dem Bestand aufgebaut, die heute in einigen Ländern verboten sind oder, noch extremer, die in Deutschland verbrannt wurden. Die Ausstellung war selbsterklärend, da das Team sie mit Begleittexten versehen hatte. Gerne erläuterte Katrin Laier-Nastev, die Leiterin der Stadtbücherei, den interessierten und auch erstaunten Gästen, warum es wichtig ist, dass man in Bibliotheken Bücher ausleihen kann, die eine große Meinungsvielfalt repräsentieren. Ganz unter dem Motto „Bibliotheken sind Orte der Demokratie und des Austauschs für alle Menschen“.
Es erscheint uns völlig selbstverständlich, dass wir Zugang zu einer großen Meinungsvielfalt haben und selbst entscheiden, was wir lesen wollen. So gab es sehr zu denken, in der Vitrine von „verbannten Büchern“ zu lesen, dass seit 2021 in den USA in vielen Staaten rund 23.000 Titel aus Bibliotheken und öffentlichen Schulen entfernt wurden und das, obwohl die Meinungsfreiheit auch in der Verfassung der USA garantiert ist. Mit der Begründung ein Buch sei „unmoralisch“ ist es anscheinend einfach, es zu verbieten. Diese Bewertung stammt in USA seit Jahren von konservativen und religiösen Gruppen. Auch die Harry Potter-Reihe von J.K. Rowling wurde aus vielen Bibliotheken in USA verbannt, da es die Kinder in den religiösen Anschauungen und Familienbildern negativ beeinflussen würde. 2001 gab es in Pittsburgh sogar einen öffentlichen „book burning“-Gottesdienst. Auch an einer Schule in Großbritannien und in Saudi Arabien ist Harry Potter verboten.
Das Verbot des Buches „Die satanischen Verse“ von Salman Rushdie im Iran wird den meisten Betrachtern der Ausstellung bekannt sein. Bei Angriffen, auch auf Übersetzer des Werkes, wurden inzwischen 38 Menschen getötet, Rushdie selbst überlebte 2022 einen Anschlag nur knapp. Ein weiteres „bannend book“ ist das Werk von Margaret Atwood mit dem Titel „Der Report der Magd“. Auf einem zweiten Regal waren weitere Bücher ausgestellt: Das Bildnis des Dorian Gray, Frankenstein, Anne Franks Tagebuch, „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee, das Buch von Malala Yousafzai, der pakistanischen Kinderrechtsaktivistin, und viele mehr. Auch das Kinderbuch über einen Pinguin mit zwei Papas von Edith Schreiber-Wicke ist in einigen Ländern verboten. Zusammenfassend kann man sagen, dass gerade in USA die Bücher verboten werden, die über Homosexualität, eine Abweichung vom klassischen Familienbild, von farbigen Menschen oder selbstbewussten Frauen, die gegen den Strom schwimmen, berichten. In der Stadtbücherei in Hattersheim gab es an dem Regal eine Aufforderung, “bannend books“ zu lesen, da diese Bücher ein Statement für Vielfalt und Meinungsfreiheit seien. Die Lektüre könne dabei helfen, unterschiedliche Perspektiven kritisch zu hinterfragen und gesellschaftliche Probleme der Vergangenheit und auch Gegenwart zu verstehen.
In Deutschland gibt es keine Bücherverbote. Es ist geregelt, wann ein Buch als gefährlich gilt und auf den Index kommt. Immer mehr rechte Aktivisten wollen allerdings queere oder Rassismus-kritische Literatur aus öffentlichen Institutionen entfernen und haben in Ländern wie USA oder Ungarn damit Erfolg. Auf der „Kassler Liste“, das weltweit größte Verzeichnis zensierter und verbotener Bücher, sind rund 120.000 Titel aus allen Zeiten und Ländern zu finden, die auf einem Index standen oder stehen.
In den Flammen aufgegangen
Ein trauriges Kapitel der deutschen Geschichte war auf einem weiteren Bücherregal dargestellt. Hier fand man Bücher von Erich Kästner Joachim Ringelnatz, Franz Kafka, Heinrich Mann, Thomas Mann, Berthold Brecht, Heinrich Heine und noch viele mehr. Auch hierzu hatte das Stadtbücherei-Team Informationen für die Betrachter vorbereitet. Man konnte erfahren, dass es von März bis November 1933 über 165 Bücherverbrennungen gab. Dieses war nur der Anfang. 1939 waren 4.175 Einzeltitel und 565 Verbote von Gesamtwerken auf der „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“. Ein Besucher der Ausstellung bemerkte, dass es uns heute so schwerfiele, Bücher wegzuwerfen, läge vielleicht an der Erinnerung an die Bücherverbrennung. Auf jeden Fall ist es sehr zu begrüßen, dass die Stadtbücherei diese Bücher ausgestellt hat, um auch jungen Menschen das Unrecht der Bücherverbrennung vor Augen zu führen.
Georg P. Salzmann aus Gräfelfing bei München erstellte eine „Bibliothek der verbrannten Bücher“. Diese weltweit einmalige Sammlung wurde über Jahrzehnte zusammengetragen und ist seit Juli 2009 im Besitz der Universitätsbibliothek Augsburg, wo sie der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Dass die Bücherverbrennung noch nicht aus dem Gedächtnis gelöscht ist, zeigt sich dadurch, dass der Random-House-Verlag ein unbrennbares Buch von Margaret Atwoods Werk „Der Report der Magd“ produziert hat.
Die in der Stadtbücherei in Hattersheim gezeigten Werke machen deutlich, wie gefährdet freie Meinungsäußerung sein kann. Es gelang dem Team der Stadtbücherei eindrucksvoll zu zeigen, wie wichtig Bibliotheken als Orte des Austauschs, der Vielfalt und der Bildung für alle sind. Es lohnt sich sehr, die Ausstellung zu besuchen, sie ist noch bis zum Beginn der Osterschließzeit am 3. April zu den üblichen Öffnungszeiten in der Stadtbücherei zu sehen.



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