„Weil es raus muss in die Welt“

Vernissage zur Ausstellung „Lightpainting – Malerei mit Licht“ am letzten Freitag im Haus Sankt Martin am Autoberg

hl

Im Rahmen des von Klaus Störch initiierten Veranstaltungsprogramms „Kunst und Kultur am Autoberg“ präsentierte der Krifteler Fotograf Thomas Wiegand 17 seiner Lightpainting-Fotografien. Schon im Vorfeld betonte er, dass es sich beim Lightpainting immer um ein Gemeinschaftsprojekt handele. In seinem Fall erhält er die tatkräftige Unterstützung von Familie und Freunden. Thomas Wiegand stand bei den gezeigten Bildern meistens hinter der Kamera – nur bei einem der ausgestellten Bilder hatte seine Frau Sabine Wiegand diese Aufgabe übernommen. Sabine Wiegand bezeichnet sich selbst gerne als „die gute Seele im Hintergrund“. Genauso wichtig wie der Fotograf sind die Akteure vor der Kamera, die Modelle und die „Lichtbändiger“, die mit geschickten Bewegungen die Lichtquellen so dirigieren, dass ein Bild mit unterschiedlichen Formen und Farben entsteht. Hierbei ist Tochter Franziska Wiegand immer mit von der Partie.

Thomas Wiegand ist schon seit jungen Jahren ein begeisterter Fotograf. Als er von seinem Onkel eine Kamera geschenkt bekam, ließ ihn dieses Hobby nicht mehr los. Seit vielen Jahren ist er Mitglied im Foto- und Film-Club Kriftel. Vor etwa 13 Jahren hatte Janin Paninski vorgeschlagen, das Lightpainting einmal auszuprobieren. Gesagt getan. Auch Franziska Wiegand war an diesem ersten Abend mit dabei. Man ging in den Keller, verdunkelte und startete die ersten Versuche, zeichnete einen Drachen und einen Wal. Auch der in der Ausstellung gezeigte Engel entstand an diesem Abend. Nie wieder ist es gelungen, diesen Engel so perfekt nachzumalen. Zu dem Team vor der Kamera gehören heute Franziska Wiegand, Janina Schäfer, Karina Schneider, Sophia Dang und Bao Dang. Gemeinsam wählte die Gruppe den Namen „tofraja“, die Abkürzung für Thomas, Franziska, Janin oder später Janina. „Wir hätten uns gerne die Lichtbändiger genannt“, erläuterte Franziska Wiegand, „dieser Name war aber schon durch einen Optiker belegt.“

Auf die Frage, warum Thomas Wiegand die Ausstellung seiner Bilder anstrebe, kam von ihm spontan die Antwort: „Weil es raus muss in die Welt.“ In der Tat ist Thomas Wiegand ein Künstler, der gerne seine Erfahrungen und Tipps an andere Fotografen weitergibt. Denn für ihn ist klar: „Ich freue mich, wenn Menschen Interesse am Lightpainting haben und wenn einer genauso gut oder besser ist als ich, dann freue ich mich mit ihm.“ Mit großer Freude wurden auch die Workshops angenommen, die die Wiegands in der Elisabethenschule in Hofheim oder in der evangelischen Auferstehungsgemeinde in Kriftel durchgeführt haben. Dabei gelang es ihnen, die eigene Begeisterung auf die Teilnehmenden zu übertragen.

Laudatio

Patrick Süß vom Fotoclub Flörsheim freute sich, die einführenden Worte zu der Ausstellung zu sprechen. Zum Begriff „Lichtmalerei“ hatte er sich Gedanken gemacht, was einen Maler oder Designer ausmache. Im Falle des Lightpaintings sei der Kamerasensor die Fläche auf der gemalt werde. Zur Methode erklärte er, dass vor einer Kamera, die auf einem Stativ befestigt ist, bei Langzeitbelichtung in der Dunkelheit Leuchtmittel bewegt werden und dadurch bestimmte Muster auf das Bild gemalt werden. Das reizvolle sei, dass jedes Bild ein Unikat sei und nicht am Computer nachbearbeitet werde.

Die ersten bekannt gewordenen Lightpainting-Bilder stammen schon aus dem Jahr 1889 von Étienne-Jules Marey aus Frankreich. 1949 fertigte Pablo Picasso gemeinsam mit dem Fotografen Gjon Mili ebenfalls Langzeitfotografien an, auf denen er mit einem Lichtstift zeichnete. Die Vorbilder für tofrajas Entwicklung waren der Fotograf Olaf Schieche (Künstlername ZOLAQ) und Eric Paré. Wie jeder dieser Künstler habe auch Thomas Wiegand mit seiner Gruppe einen ganz besonderen eigenen Stil entwickelt, betonte Patrick Süß. Im Team werde komponiert, inszeniert und choreografiert, denn jedes Bild werde sorgfältig von den gesamten Shooting-Teilnehmern geplant, bevor es umgesetzt werde. Für ein Lightpainting-Foto sei es oftmals nötig, dass ein Modell mehrere Minuten sehr ruhig stehe, während die weiteren Personen mit den Leuchtmitteln Muster malen. Nicht jedes Kunstwerk gelingt auf Anhieb, oftmals sind mehrere Anläufe nötig.

Positive Resonanz

Sehr viele Interessierte drängten sich am letzten Freitag in das „Wohnzimmer“ des Hauses am Autoberg. Die Gäste staunten über die Vielfalt der Farben und die unterschiedlichen Muster der ausdrucksstarken Bilder. Thomas Wiegand wurde von vielen Fragenden belagert. Darunter waren neben Freunden und Bekannten auch zwei Lightpainter, die gerne näheres zu der Technik erfahren wollten. Wiegand hatte einen Katalog vorbereitet, in dem er viele Tipps zum Gelingen der Bilder gab. So ist es beispielsweise wichtig einen Fernauslöser für die Kamera zu benutzen, um ein Wackeln zu vermeiden. Zur Verhinderung von unerwünschtem Lichteinfall hat sich eine Klappe bewährt, mit der man die Kameralinse abdecken kann. Auch in punkto Leuchtmittel haben Thomas Wiegand und das Team einige Erfahrung. Einige Beispiele listeten sie auf: Minitaschenlampen mit geringer Leuchtkraft können direkt in die Kamera gehalten werden. Lichtschwerter dienen zum Erzeugen von Kreisen oder Spiralen. Mit Fahrradfelgen versehen mit einem LED-Band kann man eine Halbkugel (Doom) malen. Orbs (lange Stäbe mit daran befestigten kleineren Stäben mit Lichtquellen) erzeugen Lichtkugeln. Der Fantasie und der Kreativität der Lichtmaler sind keine Grenzen gesetzt. Wie die Mitglieder von tofraja die Leuchtmittel für ihre Kunst benutzt haben, kann man eindrucksvoll in den ausgestellten Bildern sehen.

Wer sich von der Schönheit und Kreativität des Lightpaintings inspirieren lassen möchte oder plant, ein Bild zu kaufen, kann noch bis zum 19. Juni die Ausstellung im Haus Sankt Martin am Autoberg besuchen. Die Öffnungszeiten sind Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 9 bis 15 Uhr, sowie Dienstag von 9 bis 12.30 Uhr.

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