Begegnung mit Jürgen Klopp

Reinhard Jung beim Internationalen Trainer-Kongress des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL)

pm

Vom 27. bis 29. Juli fand der Internationale Trainer-Kongress (ITK) des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) in Mainz statt. Bereits seit 25. Juli hielt sich der Vorstand in Mainz auf, um letzte Vorbereitungen für die Veranstaltung zu treffen, für die sich über 1.400 Fußball-Lehrer und A-Lizenz-Inhaber angemeldet hatten. Zum Vorstand gehört auch der Okriftler Reinhard Jung als Vorsitzender der Verbandsgruppe Hessen, dessen Aufgabe es u.a. war, sich mit seinen hessischen Vorstandskollegen um die gut 100 Mitglieder aus seiner Verbandsgruppe zu kümmern.

Sehr zum Bedauern der Kongress-Teilnehmer sagte der für Montag vorgesehene Referent Jürgen Klopp seine Teilnahme ab. In einem circa dreiminütigen Einspielvideo erklärte er seine Abwesenheit mit der im April noch nicht vorhersehbaren Entwicklung, da er als Global Sports Director Red Bull zugesagt hätte und an eine Berufung zum Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft nicht zu denken gewesen sei. Er wolle zu Beginn seiner Bundestrainer-Tätigkeit nicht schon wieder für Schlagzeilen sorgen. Und über seine neue Tätigkeit wolle er noch keine Aussagen tätigen, da er erst ab 15. August seine Aufgaben beginne. Er beendete seine Ausführungen, indem er schmunzelnd anmerkte, wenn ihm als Spieler jemand gesagt hätte, dass Rudi Völler für ihn „reinkomme“, hätte er das nicht für möglich gehalten.

Für Sonntagabend hatte der BDFL zu einem Empfang in der Bastion von Schönborn in Mainz-Kastel für seine Vorstandsmitglieder und die anwesenden 29 ausländischen Ehrengäste aus aller Welt eingeladen, und Jürgen Klopp als großer Befürworter des BDFL ließ es sich nicht nehmen, diesem Empfang beizuwohnen. Da sich Jung und Klopp aus verschiedenen Trainerlehrgängen kennen, kam es im Laufe des Abends zu mehreren Gesprächen. So bemerkte Klopp gegenüber Jung, dass er eine große Vorfreude verspüre und überzeugt davon sei, mit gutem Fußball ein ganzes Land begeistern zu können, was ihm in drei Städten bereits gelungen sei. Außerdem betonte er, dass ihm die Zusammenarbeit unter anderem mit Völler wichtig sei.

Völler bestätigte am Montagmorgen zu Beginn des Kongresses in seinem Interview mit dem bekannten Sky-Reporter Michael Leopold, dass ihn besonders ein längeres Telefongespräch mit Jürgen Klopp dazu bewogen hätte, seine ursprüngliche Absicht, seine Tätigkeit als Sportdirektor mit sofortiger Wirkung zu beenden, fallen gelassen habe. Er sehe sich als Ratgeber und Unterstützer Klopps, für den Verbandsarbeit neu sei. Und Verbandsarbeit sei mit Vereinsarbeit nicht zu vergleichen. Auf die Nachfrage Leopolds, wie lange er mit Klopp arbeiten werde, kam die spontane Antwort, bis 2028, denn danach sei für ihn definitiv Schluss. Klopp hingegen habe einen Vertrag bis 2030. Leopold und Völler betonten im Interview, dass sie die mediale Kritik auf Nagelsmann aufs Schärfste verurteilen, da dieser mit Sicherheit nicht alles falsch gemacht habe, wie zur Zeit zu vernehmen sei. Bereits beim gemeinsamen Frühstück mit Jung hatte sich der Sportdirektor über „diese ungerechte Behandlung“ maßlos aufgeregt. Völler halte Nagelsmann nach wie vor für einen sehr guten Trainer, was dieser in Zukunft bei einem Verein beweisen werde. Er bedauere sehr, dass der anfangs hoch gelobte Nagelsmann am Ende keine Lobby mehr gehabt habe. Die Stimmung sei gekippt wegen des ihm vorgeworfenen falschen Umgangs mit Spielern (Causa Undav) und der falschen Positionierungen (Causa Kimmich), der Nominierung Manuel Neuers, der fehlenden Präsenz zum Beispiel bei der Club-WM im vergangenen Jahr und der Tatsache, dass die Familien am Tage nach einem Spiel zu den Spielern durften. Dies hätte nach Völler alles keine Rolle gespielt, wenn die Ergebnisse gestimmt hätten, denn als Trainer werde man ausschließlich an den nackten Ergebnissen gemessen. Auf die kritische Nachfrage Leopolds, welche konkreten Gründe zum WM-Desaster geführt hätten, antwortete der Sportdirektor, dass Chancen gegen tiefstehende Gegner zu wenig herausgearbeitet worden seien, dass man besser verteidigen müsse (dies gelte für alle Mannschaftsteile) und dass viele Spieler (zum Beispiel Musiala und Wirtz) ihr Leistungsniveau nicht erreicht hätten. Er schloss seine Aussagen, dass auch bei ihm Vorfreude auf den neuen Bundestrainer herrsche und er überzeugt davon sei, dass die Mannschaft schlechter hingestellt werde, als sie tatsächlich sei.

Am Tage nach dem Interview bemerkte Leopold in einem Gespräch mit Jung, dass er eine Aufbruchstimmung im Lande nach der Benennung des neuen Bundestrainers festgestellt habe. Dies konnte Jung auch in den Reihen der hessischen Lehrgangsteilnehmer bestätigen. Bleibt zu hoffen, dass dieser Stimmungswandel den deutschen Fans lange erhalten bleibe.

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