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„Der Friede beginnt im eigenen Haus“

Bürgermeister Schindling fordert in seiner Rede zum Volkstrauertag zu friedensstiftendem Eigenengagement auf

Bürgermeister Klaus Schindling betonte in seiner Ansprache die Bedeutung des Volkstrauertages.
(Fotos: M. Krause)

 

OKRIFTEL (mpk) – Am vergangenen Sonntag, 19. November, fand anlässlich des Volkstrauertages eine Gedenkstunde am Ehrenmal auf dem Friedhof in Okriftel statt. Zunächst sorgte die Sängervereinigung Okriftel mit „Dein, o Herr, ist die Kraft“ von Max Reger für eine dem Anlass angemessene musikalische Untermalung. Die Freiwillige Feuerwehr Okriftel übernahm die Ehrenwache.

Bürgermeister Klaus Schindling stellte in seiner Ansprache zunächst die Frage: „Kann man Trauer verordnen?“ und wies dabei zwar darauf hin, dass niemand zum Gedenken gezwungen werden soll, er es jedoch für einen wichtigen Auftrag des Staates hält, die Bürgerinnen und Bürger dazu zu ermuntern, sich mit den dunkelsten Kapiteln der jüngeren Geschichte zu befassen. Der Volkstrauertag sei eine „Einladung zum Nachdenken darüber, was die unzähligen Kriegstoten und Gewaltopfer, derer wir an diesem Tag gedenken, uns für die Jetztzeit lehren können“, so Schindling. „Wir denken an die beiden Weltkriege, an die Kriege unserer Zeit in der Ukraine und auf der Krim. Der seit Jahren anhaltende Bürgerkrieg in Syrien. Die militärische Eskalation im Gaza-Streifen. Die Schreckensherrschaft der Terroristen des Islamischen Staates im Irak. Wir denken an flüchtende Menschen, die alles, inklusive ihres eigenen Lebens, auf eine Karte setzen, indem sie in kleinen Booten versuchen, dem Krieg in ihrem Land zu entfliehen. Oder aber sich in die Hände dubioser Schlepperbanden begeben. Wir denken auch an den religiösen Fanatismus, welcher Menschen Tod und Verderben bringt.“

Zu wissen, dass diese globalen Kriege nicht durch eigene Kraft gestoppt oder gar verhindert werden können, sorge für eine gewisse Ohnmacht. Doch Schindling erinnerte daran, dass wir alle sehr wohl etwas tun können und zitierte den Philosophen Karl Jaspers: „Der Friede beginnt im eigenen Haus.“ Der Bürgermeister führte den Gedanken aus: „Hier können wir alle, jeder einzelne von uns, sehr viel tun. In der Erziehung und der Begleitung unserer Kinder. Im Vorleben von Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe, schließlich in ganz konkreten Dingen unseres Lebens. Soziales Engagement in Vereinen, in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe, in demokratischen Parteien zur Stärkung ebendieser Demokratie bis hin zur Teilnahme an Wahlen in demokratischen Ländern. Daher sollten wir uns immer wieder einmal selbst fragen: Tut jeder einzelne von uns genug, tun wir als Gesellschaft genug, und tun wir vor allem Wirksames, um Krieg, Gewalt und Terror künftig zu vermeiden? Erkennen wir auch schon bei uns hier in Hattersheim, ganz im Kleinen, Konflikte, Gewaltpotenziale und Unfrieden, und treffen wir aktiv Entscheidungen um zu beschwichtigen, zu moderieren, aufzuklären? Oder sehen wir weg und drehen uns um?“ Engagement in sozialen Bereichen, in Familien-, Freundes- und Bekanntenkreisen trage dazu bei, dass Frieden und Miteinander herrscht, Hilfsbereitschaft, Güte, das Annehmen des jeweils anderen. „Wenn wir hier schon bereit sind, im Kleinen einen solchen Weg zu gehen, dann tragen wir alle schon ein gehöriges Stück dazu bei, dass unsere Welt ein kleines Stückchen friedlicher wird“, stellte der Bürgermeister hoffnungsvoll fest.

Schindling betonte noch einmal den hohen Stellenwert des Volkstrauertages: „Ein Gedenken, das sich der Geschichte stellt und daraus Rückschlüsse zieht. Das sensibilisiert dafür, bedrohliche Entwicklungen oder die Verharmlosung von Gewalt rechtzeitig zu erkennen. Es sensibilisiert dafür, jeden Menschen zu achten, ungeachtet seiner Herkunft oder seine Konfession. Es sensibilisiert dafür, Frieden und Freiheit hoch zu schätzen.“ Der Volkstrauertag erinnere daran, dass der Frieden nicht selbstverständlich sei. Die Arbeit für den Frieden ist ein Auftrag an uns alle. „Lassen Sie uns aus diesem Tag etwas machen.“

Es folgte die Kranzniederlegung durch den Magistrat der Stadt Hattersheim, und mit „Wenn Christus, der Herr“ von Georg Friedrich Händel setzte die Sängervereinigung Okriftel einen passenden musikalischen Schlusspunkt. 

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