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Nichts für geruchsempfindliche Nasen

Tage der Industriekultur: Ein Rundgang durch die Kläranlage

EDDERSHEIM (idl) – Der erste wirkliche Sommertag seit Wochen. Temperaturen an die 30 Grad. Da sehnt man sich regelrecht nach dem Schwimmbad und sauberem erfrischendem Wasser.

15 interessierte Bürgerinnen und Bürger nutzten aber am Dienstag lieber die Gelegenheit, im Rahmen der Tage der Industriekultur zu einem informativen Rundgang durch die Abwasserreinigungsanlage.

Wo man auf den ersten Blick keinen Zusammenhang vermutet, ist trotzdem einer gegeben. Denn auch ein Schwimmbad kommt nicht ohne mechanische und chemische Klärung beziehungsweise Aufarbeitung aus.

Wie in der vom Abwasserverband Main-Taunus betriebenen Anlage am Eddersheimer Mainufer aus trüber und verunreinigter Plörre wieder Wasser mit annähernder Trinkqualität wird, das erläuterten Frank Goebel, Technischer Geschäftsführer des Abwasserverbandes, und Abwassermeister Thomas Eigenbrot.

„Schwupp und weg!“ Toilettenspülung, Badewanne, Spülbecken. Tagtäglich produziert jeder Mensch eine ganze Menge Abwasser. Doch was passiert mit verunreinigten Brühe?

Nach Vorstellung des Abwasserverbandes Main-Taunus und seiner Aufgaben und Tätigkeitsfelder sowie grundlegenden Informationen zur Wasseraufbereitung durch den Technischen Geschäftsführer Frank Goebel, übernahm Thomas Eigenbrot die Führung durch die zum Jahr 2005 umfangreich modernisierte und erweiterte Anlage. Erste Station bildete das Schneckenhebewerk. Kein Ort für geruchsempfindliche Gemüter, denn hier verdient das Abwasser seinen Namen noch zu Recht.

Nach Anhebung und erster mechanischer Reinigung landet das Abwasser im Sand- und Fettfang, darauf folgt die biologische Reinigungsstufe. Nach Denitrifikation durch entsprechende Mikroorganismen wird im nachfolgenden Belebungsbecken Luft in das Wasser eingetragen, die andere Mikroorganismen benötigen, um organische Inhaltsstoffe des Wassers abzubauen. Ergänzt wird die biologische Abwasserreingung durch eine chemische Phosphatelimination. Hierbei werden durch Fällmittel Phosphate chemisch gebunden und aus dem Abwasser entfernt.

Der in der biologischen Stufe entstehende Überschussschlamm wird anschließend in einen Schlammstapelbehälter gefördert. Hier werden unter Luftausschluss ebenfalls durch Mikroorganismen die organischen Inhaltsstoffe des Schlamms weitgehend abgebaut. Der Klärschlamm kann, soweit die Grenzwerte nicht überschritten werden, landwirtschaftlich verwertet werden, er wird zur Düngung genutzt. Ist der Schlamm zu stark kontaminiert, wird er der Verbrennung zugeführt. Nach Durchlaufen das Nachklärbeckens und des Schönungsteichs gelangt das Wasser schließlich in den Main.

Stark verkürzt, aber im Kern der Betriebsablauf einer Abwasserreinigungsanlage. Sämtliche Betriebsabläufe werden lückenlos dokumentiert, so dass im Falle einer Betriebsstörung eine zielgerichtete Fehleranalyse durchgeführt werden kann.

Viel Aufwand und viel Know how ist also nötig, um aus Abwasser wieder für Mensch und Tier unbedenkliches Wasser zu machen. So gesehen, konnte der Tag der offenen Tür sicherlich den einen oder anderen Besucher davon überzeugen, seinen Verbrauch des wertvollen Lebensmittels Trinkwasser in Zukunft etwas zu reduzieren.

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