Lars Denis Unger: "Frankfurt ungeschminkt"

Ein fotografisches und autobiografisches Porträt einer Stadt jenseits der bekannten Bilder

pm

Im Rahmen des Veranstaltungsprogramms „Kunst und Kultur am Autoberg“ präsentiert der Leica-Fotograf Lars Denis Unger unter der Überschrift „Frankfurt ungeschminkt“ eine Auswahl seiner Fotografien, die die Rhein-Main-Metropole jenseits der bekannten Bilder und Stereotypen zeigt.

Die Vernissage mit anschließender Lesung findet am Freitag, 21. August, um 14 Uhr in der Caritas-Wohnungsloseneinrichtung in Hattersheim statt.

Einrichtungsleiterin Laura Henke und Klaus Störch, der Initiator der Kunst- und Kulturreihe, freuen sich sehr, dies beeindruckende Bilderschau über Frankfurt präsentieren zu können.

Als Gast hat sich bereits Johannes Winter, von Leica Wetzlar, der Director Global Corporate Communications angekündigt.

Frankfurt am Main ist eine Stadt der Gegensätze. Banken, Wohlstand und internationale Strahlkraft treffen auf Wohnungsnot, Sucht, Ausgrenzung und soziale Verletzlichkeit. Zwischen Skyline, Gallus und Bahnhofsviertel liegen oft nur wenige Straßen und dennoch vollkommen unterschiedliche Lebenswelten.

Mit „Frankfurt ungeschminkt“ legt der Fotograf und Autor Lars Denis Unger ein dokumentarisches Werk vor, das diese Gegensätze sichtbar macht. Über mehr als vier Jahrzehnte hinweg hat er Begegnungen, Beobachtungen und persönliche Erfahrungen gesammelt. Sie mündeten in einem Bildband, der dokumentarische Fotografie mit autobiografischen und erzählerischen Texten verbindet.

Entstanden ist kein klassisches Stadtporträt und keine Sammlung bekannter Frankfurt-Motive. Unger richtet seinen Blick auf das, was hinter den Fassaden der Mainmetropole liegt. Seine Fotografien führen in das Gallus, in das Bahnhofsviertel, in Hinterhöfe, Übergangszonen und auf die Straßen der Stadt.

Im Mittelpunkt stehen Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten. Dazu gehören wohnungslose Menschen, Geflüchtete, Sexarbeiterinnen, Streetworker, Sicherheitskräfte, Anwohnerinnen und Anwohner, Clubbetreiber sowie Menschen, deren Alltag eng mit der Straße verbunden ist.

Die Fotografien bewegen sich zwischen Street Photography, dokumentarischer Reportage und persönlicher Erinnerungsarbeit. Sie zeigen gesellschaftliche Brüche, soziale Gegensätze und Verletzlichkeit, aber auch unerwartete Solidarität, Mut, Zugehörigkeit und persönliche Neuanfänge.

Ungers Haltung bleibt dabei konsequent respektvoll. Menschen werden nicht als Motive benutzt, nicht zur Schau gestellt und nicht auf ihre Lebensumstände reduziert. Sie werden als Persönlichkeiten mit Würde, Individualität und einer eigenen Geschichte sichtbar gemacht.

Persönliche Erinnerungen und gesellschaftliche Beobachtung

Ein zentraler Bestandteil des Buches sind Erinnerungen aus Ungers eigener Kindheit und Jugend im Frankfurter Gallus. Manche dieser Geschichten sind schmerzhaft, andere leise, zärtlich oder von unerwartetem Humor geprägt. Sie zeigen, dass der Autor die beschriebenen Lebenswelten nicht ausschließlich von außen betrachtet.

Diese autobiografische Ebene verleiht dem Buch eine emotionale Tiefe, die besonders bei den begleitenden Lesungen spürbar wird. Fotografien und Texte werden dabei nicht getrennt voneinander präsentiert. Gemeinsam entwickeln sie eine Erzählung über Herkunft, Wahrnehmung, gesellschaftliche Verantwortung und die Frage, wie Menschen einander begegnen.

Viele Besucherinnen und Besucher beschreiben die Lesungen als intensiv und nachwirkend. Es wird gelacht, geschwiegen und bisweilen geweint. Immer wieder berichten Gäste, dass sich ihr Blick auf das Bahnhofsviertel und auf Frankfurt insgesamt verändert habe.

Damit ist „Frankfurt ungeschminkt“ über das Buch hinaus zu einem offenen Gesprächsraum geworden, in der Fotografie, persönliche Erfahrung und gesellschaftliche Fragen aufeinandertreffen.

Öffentliche und mediale Resonanz

Seit seiner Veröffentlichung hat „Frankfurt ungeschminkt“ eine breite öffentliche und mediale Resonanz erfahren.

Das hr-Magazin „maintower“ stellte das Projekt und Ungers besonderen Blick auf Frankfurt in einem eigenen Beitrag vor. Im Februar 2026 war der Fotograf und Autor außerdem ausführlich als Studiogast bei „hallo hessen“ zu sehen. Dort präsentierte er seine Fotografien, persönliche Geschichten und die Entstehung des Buches.

Auch die Frankfurter Rundschau und JOURNAL FRANKFURT berichteten über das Projekt, die Ausstellungen und Ungers fotografische Haltung. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nahm „Frankfurt ungeschminkt“ in eine Empfehlung neuer Bücher über die Mainmetropole auf.

Neben der medialen Berichterstattung entwickelte sich das Projekt auch durch Lesungen, Ausstellungen, Vorträge und persönliche Empfehlungen weiter. Stationen führten unter anderem zu Leica nach Wetzlar, Heidelberg und Nürnberg.

Auf Empfehlung aus Wetzlar entstand außerdem eine Ausstellung mit Lesung im Haus Sankt Martin am Autoberg des Caritasverbandes Taunus. Die Einrichtung ist eine Anlaufstelle für wohnungslose Menschen und damit ein Ort, an dem viele der gesellschaftlichen Themen des Buches unmittelbar sichtbar werden.

Die unterschiedlichen Präsentationsorte zeigen, dass „Frankfurt ungeschminkt“ sowohl im fotografischen und kulturellen Umfeld als auch in sozialen Einrichtungen einen besonderen Zugang zum Publikum findet.

Ein Werk, das zum Hinschauen einlädt

„Frankfurt ungeschminkt“ erschien am 31. Oktober 2025 im Einzelkind Verlag. Der 164 Seiten umfassende Hardcover-Band verbindet dokumentarische Fotografie, gesellschaftliche Beobachtung und persönliche Reflexion.

Es ist eine Ausstellung und ein Buch über Frankfurt, aber ebenso eine Ausstellung und ein Buch über Menschen. Über ihre Verletzlichkeit und ihre Würde, über gesellschaftliche Brüche und persönliche Neuanfänge.

Und über die Frage, wie viel Nähe, Offenheit und Mut es braucht, wirklich hinzuschauen.

Kurzvita Lars D. Unger

Lars Denis Unger ist Fotograf und Autor, geboren und aufgewachsen in Frankfurt am Main. Die Stadt und ihre Gegensätze prägen seine Arbeit bis heute. Besonders das Gallus und das Bahnhofsviertel sind zentrale Orte seiner fotografischen und erzählerischen Auseinandersetzung mit urbanen Lebensrealitäten. Bereits 2005 führte sein erster Roman vom Gallus bis ins Frankfurter Stadtzentrum. Drei Coming-of-Age-Romane sind derzeit in Vorbereitung und erscheinen 2026 und 2027.

In seinen Projekten verbindet Unger dokumentarische Street- und Reportagefotografie mit autobiografischen Texten und persönlichen Beobachtungen. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen Menschen und ihre Lebensrealitäten jenseits der Hochglanzbilder. Er versteht Fotografie als eine Form des Zuhörens und genauen Hinsehens und arbeitet dabei mit Respekt, Würde und ohne Sensationslust. Sein Buch „Frankfurt ungeschminkt“ erschien 2025 und bildet die Grundlage für Ausstellungen, Lesungen und öffentliche Gespräche.

Ausstellungszeitraum: 21. August bis einschließlich 11. September. Öffnungszeiten: Mo, Mi, Do, Fr: 9 -15 Uhr, Di 9 - 12.30 Uhr.

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