Enormer Wissensdurst bei den Deutschkursen

Fast 20 Ehrenamtliche kümmern sich in Hochheim um den Sprachunterricht für Flüchtlinge

Sprachkurs mit Flüchtlingen, angeleitet und durchgeführt von Antje Staudt (Mitte) und Stefanie Geis (r.).
(Foto: privat)

Sprachkurs mit Flüchtlingen, angeleitet und durchgeführt von Antje Staudt (Mitte) und Stefanie Geis (r.).
(Foto: privat)

HOCHHEIM (pm/nst) – Der Unterricht muss oft mit Händen und Füßen gehalten werden, es wird viel gelacht, viel gepaukt, mitunter auch mal gesungen – die ehrenamtlichen Deutschlehrer wissen einiges zu erzählen, wenn sie nach den Erfahrungen mit den Flüchtlingen in der Massenheimer Sport- und Kulturhalle gefragt werden. Die Helfer sind sich einig darüber, dass die ersten Eindrücke sehr positiv sind – bei allen Herausforderungen, die bestehen. Alle sind jedenfalls begeistert von dem enormen Wissensdurst der Flüchtlinge. Die Helfer erkennen, dass Deutschlernen erste Priorität für die Neuankömmlinge hat – beide wissen genau, dass Integration nur so funktionieren kann.

Insgesamt sind es fast 20 Bürgerinnen und Bürger aus Hochheim und Massenheim, die sich ehrenamtlich um den Deutschunterricht für die erwachsenen Flüchtlinge kümmern. Sie sind Teil der „Ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe Hochheim“, in der sich etwa 170 Hochheimer in verschiedenen Gruppen zu den unterschiedlichsten Themen organisiert haben – initiiert von der Stadt und in enger Kooperation mit der schon lange in der Flüchtlingshilfe aktiven Gruppe „Projekt Grenzenlos“.

Fünf Kurse in der Halle in Massenheim und zwei Kurse im Küsterhaus können die Ehrenamtlichen sicherstellen – letztere vor allem für die Flüchtlinge aus der Bahnhofstraße und dem Jugendhaus. Jeder Kurs ist eineinhalb Stunden lang und wird von jeweils etwa 15 Menschen besucht. Die Zusammensetzung der Gruppen ändert sich oftmals – was von den Ehrenamtlichen durchaus als Problem erkannt wird. Aber ein harter Kern kommt regelmäßig und ist meist dabei. „Es braucht noch etwas Geduld, bis die Gruppen besser sortiert sind“, meint Katrin Plocher-Weiser, die im Küsterhaus Deutschunterricht gibt. Eine große Unterstützung beim Deutschlernen sind den Flüchtlingen auch die Kinder aus der Halle, die mittlerweile in den umliegenden Schulen Intensivunterricht erhalten. Zudem helfen sich die Flüchtlinge gegenseitig.

Essenseinladung als Dankeschön
Wenn die beiden Ehrenamtlichen Stefanie Geis und Antje Staudt freitagvormittags im Clubhaus des Massenheimer Tennisvereins Deutschunterricht geben, kommt es nicht selten vor, dass sie in der Halle erstmal ihre „Schüler“ einsammeln müssen. An der Pünktlichkeit müsse noch gearbeitet werden, meinen sie. „Aber es ist immer gleich jemand zur Unterstützung da“, so Antje Staudt. Als Dankeschön sind sie sogar schon von sechs syrischen Männern zum Tee und Essen eingeladen worden: Hummus, verschiedene Dips, Gemüse und Salate, alles vegetarisch.

Dankbarkeit erfahren die Ehrenamtlichen sehr oft und in unterschiedlicher Form. Auch das Lernen der überwiegend männlichen Flüchtlinge mit den überwiegend weiblichen Ehrenamtlichen ist kein Problem. „Ich hatte zu keinem Augenblick das Gefühl, dass meine Autorität in Frage gestellt wurde“, bestätigt Antje Karsch, die am Dienstagsabend Unterricht gibt.

Gelernt wird nach dem Thannhauser Modell, sodass alle die gleichen Grundmaterialien und Vorgehensweise haben. Darüber hinaus wird der Unterricht sehr individuell gestaltet. Da werden auch mal Bildchen aus Prospekten ausgeschnitten – schließlich soll nah am Alltag gelernt werden. Bilder sind generell mit die besten Unterrichtsmaterialien, da es unheimlich schwierig ist, Deutsch zu unterrichten, wenn man die Sprache seines Gegenübers nicht versteht. Ende März erhalten übrigens alle interessierten ehrenamtlichen Deutschlehrer eine Fortbildung durch einen externen Sprachanbieter.

Die Beweggründe, zu helfen, sind sehr unterschiedlich. Beispielhaft dazu nochmals Antje Karsch: „Um die großen Herausforderungen zu bewältigen, ist die ganze Gesellschaft gefordert. Ich möchte mit dem Angebot eines Sprachkurses meinen – wenn auch nur kleinen – Beitrag zur Integration der Flüchtlinge leisten.“ Positiv angetan war sie auch von der guten Arbeit von „Grenzenlos“.

Die Gruppe dankt jedenfalls dem Massenheimer Tennisverein und der Katholischen Kirche für die Bereitstellung der Räumlichkeiten für den Unterricht. Neue Mitstreiter sind immer willkommen. Ansprechpartnerin der Sprachunterricht-Gruppe ist Stefanie Geis unter stefanie.geis[at]hochheim[dot]de.

 

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