Aufgabe des Priesteramts nach 37 Jahren

Nicht mit Zölibat vereinbar: Ehemaliger Krifteler Pfarrer Andreas Unfried will seine langjährige große Liebe heiraten

mpk

Am vergangenen Samstag, 22. August, veröffentlichte der ehemalige Krifteler Pfarrer Andreas Unfried eine Erklärung, die in den vergangenen Tagen auch überregional für viel Aufsehen gesorgt hat: Unfried schied an diesem Tag aus seinem aktiven Dienst als Priester aus. Er will seine Partnerin heiraten, mit der er bereits seit vielen Jahren eine heimliche Liebesbeziehung führt. Seinen Entschluss zum Verzicht auf die Pfarrei hatte Unfried Bischof Dr. Georg Bätzing während einer gerade stattfindenden Visitation mitgeteilt.

In seiner Erklärung schildert Unfried, dass er Bischof Georg Bätzing gegenüber seinen Verzicht auf die Pfarrei St. Ursula, Oberursel und Steinbach erklärt habe: "Der Grund ist, dass ich heiraten werde. Seit vielen Jahren lebe ich heimlich die Beziehung zu meiner großen Liebe. Jetzt spüre ich, dass die Zeit gekommen ist, dieser zweiten Berufung nachzukommen. Die Konsequenz der Suspendierung vom priesterlichen Amt ist zwingend und mir bewusst. Es war mir immer klar, dass die katholische Kirche für die Ausübung des Priesteramts den Zölibat verlangt. Ich habe dies auch nach Kräften versucht zu leben, muss aber anerkennen, dass ich dieses Charisma nicht wirklich in mir trage."

Andreas Unfried betont, dass er mit ganzem Herzen Seelsorger, Pfarrer und Funktionsträger war, in der Ortskirche Limburg über viele Jahre als Bezirksdekan, in den ehemaligen Bezirken Main-Taunus und Hochtaunus, in verschiedenen Rollen in der Caritas und in der Funktion als Geistlicher Begleiter. Er sei seiner Kirche dankbar, dass sie sein Talent "in so reicher Weise erkannt und gefördert habe". Unfried weiter: "Ich durfte in 37 Dienstjahren und auch in den Jahren der Vorbereitung darauf wachsen und reifen und habe meine Kirche stets als förderlich und wohlwollend erfahren. Ohne die katholische Kirche wäre ich nicht, wer ich heute bin."

Unfried stellt aber ebenso deutlich fest, dass er diese 37 Jahre auch nicht durchgehalten hätte, wenn er sich nicht der Unterstützung seiner Lebenspartnerin hätte sicher sein können. "Es ist Zeit – so spüre ich es - nun die Gewichtungen anders zu verteilen, da sie in den verdienten Ruhestand gegangen ist und auch für mich das Ende der beruflichen Tätigkeit nahe gekommen ist. Sie hat lange auf mich gewartet. Dafür bin ich sehr dankbar. Nun ist es genug."

Andreas Unfried hat seine 15 Jahre als Pfarrer in Kriftel und Hofheim und zuletzt die 16 Jahre als Pfarrer in Oberursel und Steinbach als "überaus spannend und bereichernd" erlebt. Er wünscht sich für seine Kirche "den Geist der Partizipation und Geschlechtergerechtigkeit". Und er betet dafür, dass "unsere Christinnen und Christen sich entdecken als Subjekte (und nicht bloß Objekte) der Seelsorge und ihre Berufung für die Frohe Botschaft mutig leben."

"Ohne Groll" scheidet Unfried nach eigener Aussage aus seiner Berufsrolle: "Ich durfte in meiner Aufgabe so viel Neues und Aufregendes erfahren. Ich habe die Gestalt von Kirche in Afrika, auf den Philippinen und in der anglikanischen Kirche Englands kennenlernen dürfen. Ich durfte Teil sein von Erneuerungsbewegungen und innovativen Projekten. In all dem konnte ich auch persönlich reifen und mich weiterentwickeln. Für all das bin ich von Herzen dankbar."

Abschließend hält er fest: "Nun ruft mich die Liebe zu der Frau, mit der ich schon lange das Leben teile. Gemeinsam werden wir suchen, wie wir unser Christsein und unsere Berufung fortan gemeinsam leben können."

Bischof Dr. Bätzing hat Andreas Unfried, wie vom Kirchenrecht vorgesehen, angesichts dessen Entscheidung von allen Aufgaben entbunden. Bätzing brachte gegenüber Unfried seinen Dank für seinen Dienst und sein Wirken zum Ausdruck. In 37 Dienstjahren habe Pfarrer Unfried an verschiedenen Stellen gewirkt, ob als Pfarrer, als Bezirksdekan oder in Funktionen bei Caritasverbänden. Überall habe er engagiert den Glauben weitergetragen und war immer auch Impulsgeber für die Weiterentwicklung von Kirche und Gemeinde vor Ort in heutiger Zeit. Seine Entscheidung für einen anderen Lebensweg gelte es jedoch zu respektieren.

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Sicherheitsprüfung
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.


X