Fröhlich sein!

Bei Thomas Bayrle in der Schirn Kunsthalle

Foto: Werner Grundmann, Kulturforum Kriftel 
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Schirn Kunsthalle während der Führung.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Schirn Kunsthalle während der Führung.

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Thomas Bayrle? Nur wenigen in der Gruppe des Kulturforum Kriftel war dieser Name vor dem Besuch in der Schirn Kunsthalle bekannt. Dabei ist der 1937 in Berlin geborene - und in Frankfurt lebende - Künstler eine Legende. Nach einer Lehre als Weber in Göppingen studierte er von 1958 bis 1961 an der Werkkunstschule Offenbach am Main. Als Mitbegründer der Gulliver-Presse verlegte er Künstlerbücher und Editionen und beschäftigte sich mit Literatur und bildkünstlerischen Reproduktionstechniken. Von 1975 bis 2002 war er Professor an der Städelschule in Frankfurt am Main.

Bayrles Lebensweg ist gezeichnet von technischer Innovation – von der Industrialisierung zur Digitalisierung. Aber zu Beginn der Führung waren wir etwas irritiert über Hintergrundgeräusche im Ausstellungsraum. Diese wurden verursacht von Rosary, das heißt der motorisierten Bewegung eines isolierten Ford Galaxy Scheibenwischers. Damit visualisierte Bayrle die Ästhetik von Maschinen, aber auch den Lebensrhythmus und die Verfassung der Menschen in der Massengesellschaft. Er löst vormalige Autoelemente aus ihrem eigentlichen Funktionszusammenhang und erhebt sie in den Status von Skulpturen.

Beeindruckend auch die Videoarbeit Autobahnkreuz. Zahlreiche Kacheln des immer gleichen Bildausschnitts von auf der Autobahn fahrenden Autos münden in einer langsamen, herauszoomenden Bewegung in der Darstellung des gekreuzigten Jesus.

Zu sehen sind mehrere Serien, in denen sich Bayrle mit ikonischen Werken der Kunst-geschichte oder christlichen Darstellungskonventionen auseinandersetzt. Zum Beispiel Caravaggios Altargemälde Die Inspiration des Heiligen Matthäus, das in drei Versionen zu sehen ist. Bayrle überführt das Gemälde in ein kleinteiliges Raster und füllt jedes der Kästchen mit dem Piktogramm eines iPhones aus. Diese werden so gedreht, skaliert und verzerrt, dass sich die Superform schließlich von der geordneten Struktur abhebt.

Die von Claude Monet bekannten Heuschober wandelt er auch um. Bayrle stellt die Getreideschober durch iPhones mit teilweise bunten Bildschirmen dar. In einigen Arbeiten nimmt Bayrle Bezug auf das Masaccios Fresko Die Vertreibung aus dem Paradies in der Brancacci-Kapelle in Florenz. Er stellt die Vertreibung mit einer Gruppe salutierender weiblicher sowie eine Gruppe protestierender männlicher Personen dar. Auch Michelangelos berühmte Marmorskulptur Pietà aus dem Petersdom in Rom wandelt er um. Die Bildgrundlage in Pietà (Flugzeug) bilden zahlreiche Totenköpfe, in der Mitte zur Darstellung eines Flugzeugs verdichtet, das die Pieta durchkreuzt. In den 1980er-Jahren hatte der Flugverkehr ein globales Ausmaß erreicht, das sich seitdem zerstörerisch auf den Planeten auswirkt.

Die Papst-Darstellungen Pope ähneln mit der liturgischen Kopfbedeckung, der Mitra, eher einem konventionellen kirchlichen Repräsentanten als einer bestimmten Person. Die Komposition setzt sich aus einer Vielzahl unterschiedlich gefärbter kleiner Schuhe zusammen. Die Porträts Kim Kardashians zeigen die zeitgenössische Medienikone aus vielen kleinen roten Lippenstiften zusammengesetzt. Der Großteil ihrer Einkünfte stammt aus der Mode- und Schönheitsindustrie.

Eine Ausstellung, wie wir sie bisher noch nicht besucht haben. Aber sie hat bei allen einen tiefen Eindruck hinterlassen. Es war ein Erlebnis, den Künstler Thomas Bayrle näher kennen zu lernen.

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