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Ein Drittel sieht nie einen Doktor

Starke Resonanz der Bürger auf den ersten Gesundheitstag der Mainspitz-Ärzte

BISCHOFSHEIM (gus) – Wer hier alles mitnehmen wollte, brauchte einen langen Atem. Siebeneinhalb Stunden lang boten Ärzte aus der Mainspitze am Samstag beim „Ersten Gesundheitstag Mainspitze“ mit Fachvorträgen im Seniorenpark Einblicke in medizinische Themen, über die Menschen mehr wissen sollten – ob als Betroffene oder Angehörige.

 

Ergänzt um einige Infoständen im Hof des Komplexes ergab sich ein sehr gut besuchtes Angebot der Ärzte aus Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg, bei der sich vor allem eine Frage stellte: Warum gibt es so etwas nicht schon lange? Die Antwort liegt nahe: Weil das jemand in die Hand nehmen und mit viel Einsatz ehrenamtlich organisieren muss.
Mit dem Internisten Dr. Armin Schütz und dem Allgemeinmediziner Dr. Oliver Bresler, die in der Schulstraße zusammen mit Dr. Dorothea Krallinger eine Hausärztliche Gemeinschaftspraxis betreiben, fanden sich Ärzte, die das Engagement aufbrachten, sich neben dem täglichen Job um die Organisation der 15 Vorträge und Stände der Anbieter im Park zu kümmern.
„Das Angebot soll niederschwellig sein, damit die Leute sich auch zu kommen trauen“, betonte Schütz, dass die Vorgabe bewusst war, sich ohne Fachchinesisch und mit durchweg anschaulichen Vorträgen durch die Themen zu arbeiten. Leinwände, auf denen die Vortragenden die Inhalte mit der Hilfe von Grafiken, Filmchen und Bildern darstellen konnten, waren bei den jeweils gut 30-minütigen Vorträgen Standard. Danach war jeweils noch genügend Zeit für Nachfragen. Wer sich bereits ausrechend informiert fühlte, konnte stattdessen schon den zweiten Raum für den nächsten Vortrag aufsuchen.
Ob Herz-Kreislauf, Impfungen, Arthrose, Demenz, Diabetes, die Schilddrüse, Organspende, Infektionen, Medikamente – es waren die am meisten verbreiteten und bekannten Krankheiten und Themen, von denen die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens entweder selbst oder über nahe Verwandte früher oder später betroffen sind, die beim Gesundheitstag zur Sprache kamen. Auch Hospiz Mainspitze schloss sich mit dem letzten Beitrag über seine Arbeit an und schloss so den Bogen. Die Vorträge begannen im Halbstundentakt im Speisesaal im Erdgeschoss und in der Ratsstube. Die im Untergeschoss des Seniorenzentrums vorgesehenen Vorträge wurden kurzfristig in das Ausbildungsrestaurant verlegt. Das war zwar etwas abseits des sonstigen Geschehens, bot aber wesentlich bessere Bedingungen. „In dem vorgesehenen Raum wäre es doch recht eng geworden“, sagte Schütz.
Denn jedes der Themen fand sein Publikum, 40 bis 50 Zuhörer war die Standardbesetzung bei den Vorträgen. Organisator Dr. Armin Schütz hatte ursprünglich die Idee, eine Rhein-Main-weite Veranstaltung dieser Art auf die Beine zu stellen, bei der dann wohl Rüsselsheim der Tagungsort gewesen wäre. Doch obwohl er Vorsitzender des Ärztenetzes Rhein-Main ist, gelang es ihm nicht genügend Begeisterung unter den Kollegen für eine solche Veranstaltung zu entfachen. Also wendete Schütz sich an den kleineren Kreis der Kollegen an der Mainspitze. „Wir wollen damit auch zeigen, dass das frühere Neben- und Gegeneinander der Ärzte der Vergangenheit angehört, heute arbeiten wir an der Mainspitze eng zusammen“, betonte der Organisator, der zusammen mit Bresler selbst zwei der Vorträge hielt. Das Ärztenetz Rhein-Main trat immerhin als Förderer der Veranstaltung auf. Kreissparkasse und Volksbank ermöglichten den Druck von 7000 Flyern, mit denen die Ärzte die Veranstaltung hinreichend bewrben konnten.
Die Themen waren so ausgewählt, dass sie die Kompetenz der Zuhörer zur Eigenbeobachtung und Eigen- oder Nächstenhilfe zu steigern geeignet waren. Anzeichen für bestimmte Krankheiten erkennen und in Notsituationen richtig reagieren – kein Arzt hat etwas dagegen, wenn die Patienten sich auch ohne vorheriges Medizinstudium in der Selbstdiagnose üben und sich Wissen aneignen.
Ein Drittel der Menschen hat mit Ärzten gar nichts zu tun, ein Drittel zieht es erst zu den Weißkitteln, wenn es gar nicht mehr anders geht, nennt Schütz statistische Werte, die Spielraum für Verbesserung im Verhalten lassen. „So ist nur ein Drittel der Bluthochdruckpatienten überhaupt in Behandlung.“
Die Anbieter im Park hat sich Schütz gezielt ausgesucht und angesprochen. Die „Gesundheitsstraße“ von Bayer Vital bot jedem Besucher die Chance, das Blut auf Cholesterin und Zucker und das allgemeine Herz-Kreislauf-Risiko untersuchen zu lassen. Der Lungenfunktionstest der Firma Boehringer war eine zweite diagnostische Station, ansonsten gab es vor allem Informationen und sportliche Mitmachangebote wie von der TSV Ginsheim und dem TV Bischofsheim mit seiner „Smovey“-Neuheit. Die Bischofsheimer Feuerwehr wollte mit einem zu besichtigenden Wagen vor allem Kinder ansprechen. Das Deutsche Rote Kreuz und Hospiz Mainspitze informierten über ihre Arbeit. Und selbst fernöstliche Heilpraktiken wie sie die Bischofsheimer Shendo-Shiatsu-Schule vorführte, fanden ihren Platz beim Gesundheitstag.
Der Seniorenpark als Veranstaltungsort war zwar gut geeignet und war angesichts der Kontakte der Ärzte zu der Einrichtung eine nahe liegende Festlegung, bei der die Haussleitung auch gerne mitzog. So mussten die Seniorinnen und Senioren ihr Mittagessen wegen des belegten Speisesaals am Samstag ausnahmsweise auf den Zimmer aufnehmen. Aber nur dank des haltenden Wetters gab es für die Stände im Hof keine Probleme. Schütz geht daher davon aus, dass bei einer neuerlichen Ausgabe des Gesundheitstages eher das Bürgerhaus der Veranstaltungsort sein wird.

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