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Mysteriöse Geschichten in verwunschenen Räumen

Jürgen Seng und Magnus Treber präsentierten im „Blauen Haus“ Werke des US-Dichters E. A. Poe

Großveranstaltungen wird es im Blauen Haus nie geben, lediglich etwas mehr als eine Handvoll Zuhörer fanden bei der Veranstaltung Platz.
(gus/Fotos: Steinacker)

BISCHOFSHEIM (gus) – Ein mysteriöses Haus, mystische Gedichte eines geheimnisvollen Dichters, das passt doch prima zusammen. Jürgen Seng, Eigentümer und Erschaffer des verwunschenen, nimmerfertigen „Blauen Hauses“ in der Mainzer Straße, lud am Freitag, 23. November, zusammen mit dem Heimat- und Geschichtsverein (HGV) bei Kerzenschein und Klavierbegleitung zu einem poetischen Abend mit Werken des amerikanischen Dichters Edgar Allan Poe (1809 - 1849) ein. 

Immer wieder öffnet der pensionierte Kunst- und Geschichtslehrer, der in dem etwas unpraktischen Gebäude selbstverständlich nicht lebt, seine Räume für Besucher und lässt sie so teilhaben an dem einmaligen Kunstwerk, an dem er seit 40 Jahren immer wieder bastelt und das zu einer aus abertausenden Details zusammengesetzten Einmaligkeit geworden ist. Selbst bei rechtem Licht betrachtet, mit durchaus etwas gruseligem Charme.

Ein besseres Umfeld ist kaum vorstellbar, um das adäquate Flair für die genau wie Sengs Räume etwas schwer zu durchsteigenden Poeme Poes zu bieten. Aber auch über das bewegte Leben des gebürtigen Bostoners erfuhren die Zuhörer etwas im Laufe des Abend, dem aus Platzgründen gerade einmal ein halbes Dutzend Interessierter lauschen konnte. Beiden Aufgaben widmete sich Seng an dem Abend als Vortragender. Treber hatte sich dazu als passendes Klavierstück die von ihm unterteilte Klaviersonate Nr. 28 A-Dur op.101 von Ludwig van Beethoven ausgesucht und befreite die Zuhörer von ihrer Anstrengung so zwischendurch ein wenig.

Auch eine längere Pause mit Imbiss, Sekt und Hausführung hatte Seng eingebaut. Die Besucher lernten so, dass auch in einem Kunstwerk mit fließenden Wänden thematische Schwerpunkte wie die Umsetzung des Gedichtes „Lenore“ von G. A. Bürger (1747 – 1794) möglich sind. Es ist kein Zufall, dass die Frau, um die es in Poes bekanntestem Werk, das Gedicht „The Raven“ (Der Rabe) geht, diesen Namen trägt, die Ballade „Lenore“ des deutschen Dichters war seinerzeit weithin bekannt. Seng hat in seinem Haus viele Bezüge zu Bürger geschaffen und dazu gar eine detaillierte Broschüre erstellt. Aber das Haus bietet auch ein Modell eines kohlrabenschwarzen Rabens.

„Der Rabe“ ist im Original außer für Englisch-Leistungskursler ein hartes Brot. Es besteht aus 18 Sechszeilern, die eigentlich nicht Eins zu Eins in eine Fremdsprache zu transportieren sind, wie die völlig unterschiedlichen Übersetzungen ins Deutsche zeigen, die es von dem Gedicht gibt.

Eingeleitet hatte Seng den Abend mit der Kurzgeschichte „Das verräterische Herz“ (The Tell-Tale Heart), eine Mord-Geschichte und ein Schauerstory-Klassiker über einen reuelosen Mörder, der sein Opfer unter der Diele des Eigenheims verschwinden lässt.

Ähnliche Funde wären selbst bei einer genaueren Untersuchung des Blauen Hauses nicht zu befürchten, das mit seiner vollwertig eingerichteten Küche und dem Lesezimmer im Obergeschoss bei genauerem Hingucken durchaus etwas Wohnlichkeit zu bieten hat. Es offenbaren sich dort oben tatsächlich sogar erfüllte Kindheitsträume einer Modelleisenbahn und einer aufgebauten Carrerabahn. Geheizt wird im Gebäude seit dem Ausfall der Heizungsanlage mit Brennholzöfen. Und natürlich mit Kerzenflammen.

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