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Wo die Vereine noch die Gemeinschaft tragen

Neujahrsempfang der Gemeinde stellt die starken Seiten von Bischofsheim heraus

BISCHOFSHEIM (gus) – Es gäbe wahrlich genug Anlass, das neue Jahr mit einer hitzigen Debatte über die Vielzahl drängender Themen in Bischofsheim zu beginnen. Aber wo ist der Platz, sich auch einmal seiner Stärken bewusst zu werden, das Positive herauszustreichen, die Probleme einmal Probleme sein zu lassen? 

 

Bürgermeisterin Ulrike Steinbach (SPD) hat sich den Neujahrsempfang als Gelegenheit herausgesucht, ausschließlich die positiven Aspekte des Lebens in Bischofsheim herauszugreifen. Bei dieser Linie war sie sich mit den Mitveranstaltern Orts- gewerbeverein und Vereinsring am Dienstagabend im Bürgerhaus einig. Laut einer Videoeinspielung, mit der das Programm begann, hätte die Rathauschefin den Abend wegen eines unerklärlichen Problems mit dem Tank ihres Autos zwar fast verpasst. Dann fand sie aber wie durch ein Wunder am Fuße des Steges einen auf sie wartenden Roller und erreichte gerade so rechtzeitig das Bürgerhaus. Möglicherweise war das aber nicht ganz echt...
Steinbach setzte mit dem Empfang den im vergangenen Jahr beschrittenen Weg fort, die Veranstaltung vom Redemarathon früherer Jahre zum Event umzumünzen. Mit rund 200 geladenen Gästen eröffnete die Bürgermeisterin das Bischofsheimer Jahr 2013 mit einem Blick auf die „Highlights“ ihrer Gemeinde. Die Choreografie überließ das Rathaus dabei wieder den Profis von „Showpaket“, also Axel Schiel und Andrea Engler mit ihrem Team. Entsprechend professionell wirkte der künstlerische und technische Rahmen der Veranstaltung. 
Jede/r Bischofsheimer/in kann sein persönliches „Highlight“ des Jahres 2012 bestimmen. Für Steinbach, verriet sie, war das die Jubiläumsreise nach Crewe and Nantwich, seit nunmehr 20 Jahren die englische Partnerstadt Bischofsheims. Im eigenen Haus bilde die Verwaltung erstmals seit ebenfalls 20 Jahren wieder aus, ergänzte die Rathauschefin.
Aber es gibt natürlich viele Sichtweisen auf die wichtigsten und besten Ereignisse. In ihren kurzen Ansprachen wie auch bei der Gesprächsrunde mit Steinbach betonten Detlef Gärtner vom Vereinsring und Ulrich Kühlburg, neben seiner Funktion als Ortsgewerbevereinschef auch TV 1883-Vorsitzender, die außergewöhnlich große Rolle, die das Vereinsleben in Bischofsheim einnehme.
„Ein Gemeinwesen profitiert davon, was das Vereinsleben leistet, die Gemeinden müssten die Aufgaben sonst selbst übernehmen“, betonte Gärtner. Er appellierte allgemein an die Kommunen, den Vereinen die benötigte Infrastruktur und auch eine finanzielle und personelle Unterstützung zu gewähren, „es lohnt sich für beide Seiten“, ist der Vereinsringchef überzeugt.
Kühlburg findet in Bischofsheim sein „Highlight“, wenn er die Geschäftszeile abschreitet. „Hier bekommen wir durch die Vielfalt der Geschäfte noch alles, was wir brauchen“, sieht er Handwerk und Dienstleistung gut aufgestellt. „In manch anderen Gemeinden gibt es das so inzwischen nicht mehr.“ Der gebürtige Bischofsheimer Gärtner heirate 1972. Es war das Jahr, in dem der damals elfjährige Kühlburg nach Bischofsheim zuzog. Beide verbindet darüber hinaus die Wertschätzung der Bischemer Kerb als bedeutendstes Fest für die Vereine, mit dem sie sehr zufrieden sind.
Unvermittelt fanden sich Gerhard Brand, Leiter der Bischofsheimer Polizeistation, und Jürgen Köhler vom Vorstand der Volksbank Mainspitze auf der Bühne wieder. Steinbach hatte sich die beiden als Kandidaten des „Highlight-Klick-Quiz“ ausgesucht, bei dem es im Stile des guten alten „Dalli-klick“ bekannte Bischofsheimer Gebäude zu erraten galt. Für Bischemer keine Herausforderung, für die Kandidaten schon, da beide nicht in Bischofsheim wohnen. Köhler bewies beim klaren 3:0-Sieg bessere Ortskenntnisse, in den Polizeiwagen mögen die Navis weiterhelfen.
Zum Neujahrsempfang gehört auch die besondere Hervorhebung von Vereinen, die im jeweiligen Jahr ein Jubiläum feiern. Horst Zimmer vom Vogelzucht- und Schutzverein stellte den in diesem Jahr 50 Jahre bestehenden Zusammenschluss aus Züchtern und Schützern vor, die gut zusammenpassen, weil sie dasselbe im Sinn haben. „Züchten heißt auch schützen“, betonte Zimmer und schilderte etwas arg ausführlich die Stationen des Vereinslebens, das durch sinkende Mitgliederzahlen und Überalterung an die Grenzen zu stoßen droht. Aber noch gibt es sie, und auch die große Zuchtschau wird es 2013 wieder geben, kündigte Zimmer an.
Und noch ein Jubiläum gilt es 2013 in Bischofsheim zu feiern. Eines, das eine Persönlichkeit aus dem vergangenen Jahrhundert betrifft, dessen Name jedes Bischofsheimer Kind spätestens bei seiner Einschulung kennen lernt. Georg Mangold wurde vor 150 Jahren geboren. Ein Multitalent, das besonders Volker Schütz vom Heimat- und Geschichtsverein (HGV) fasziniert.
Ein kürzlich erworbenes Gemälde des im rheinhessischen Elsheim geborenen Sprachtalents, Künstlers, Lehrers, Germania-Dirigenten, Hobbyarchäologen und nicht zuletzt Historikers wird der HGV in diesem Jahr restauriert präsentieren, kündigte Schütz an. Als 20-jähriger Absolvent des Friedberger Lehrerseminars kam Mangold einst in Bischofsheim an und hinterließ aus der Sicht von Schütz vor allem sein Geschichtswerk über Bischofsheim, das dank der peniblen Recherche und Detailversessenheit Mangolds bis heute dem HGV als Quelle gilt . Die Archivmaterialien, die Mangold dazu auswertete, gingen zum Großteil im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges verloren, der ihm selbst 1945 auch das Leben kostete. Georg Mangold bleibt so bis heute den Bischofsheimern als vielleicht die wichtigste Persönlichkeit der Ortsgeschichte präsent – für Schütz jedenfalls ein echtes Highlight.
Weniger den Stärken der Gemeinde als den Verbindungen der Agentur Showpaket waren die artistischen Highlights des Abends zu verdanken. Der Südafrikaner Craig van Deventer rollte zunächst in seiner Rolle als „Mr. Dee“ wie ein Paparazzo durch das Bürgerhaus und fotografierte die Gäste, die sich kurz darauf schon als Bestandteil einer Diaschau auf der Leinwand wiederentdecken konnten. Dann war er mit Landsmann Andrew Scordilis als „Duo Synergy“ zu erleben, eine Akrobatikschau, die den Rettungsschwimmern von Malibu zur Ehre gereichen sollte. Den Abschluss des Programmteils machte van Deventer dann als Luftartist, der sich am Seil auf- und abwickelte.
Entwickelt hat sich dann auch noch der Abend rund um das Büfett. Die eventartige Aufmachung der Veranstaltung scheint sich auch positiv auf das Durchhaltevermögen der Gäste nach dem offiziellen Teil auszuwirken. Die sich immer wieder neu zusammenfindenden Gesprächsrunden diskutierten noch weit nach dem Schluss die Highlights, vielleicht ja auch die Probleme ihrer Gemeinde.
Ein Bürgerpreis für 2012 wurde beim Neujahrsempfang übrigens nicht verliehen und wird es auch nicht mehr bei späterer Gelegenheit. Es seien keine Vorschläge eingegangen, erläuterte der Gemeindevertretungsvorsitzende Hugo Berg. Und so ging da in diesem Jahr eben nichts.
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