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Viel Zuspruch für ein traditionelles Fest

Bischemer Kerb beherrschte wieder drei Tage lang das Leben in der Gemeinde – Tagsüber flanieren, abends Musik hören

Bischemer Kerb, wie sie schon immer war: Eine Mischung aus Rummel mit klassischen Fahrgeschäften und Ständen wie der Losbude in der Ginsheimer Straße ...

BISCHOFSHEIM (gus) – Als wären es die olympischen Spiele, die laut den IOC-Präsidenten bei den Abschlussveranstaltungen grundsätzlich immer die besten aller Zeiten waren, darf sich auch die Bischemer Kerb seit einigen Jahren bescheinigen, dass es immer besser wird. Was die Vielfalt der Angebote und zumindest in den Abendstunden auch den Zuspruch der Besucher angeht, sind die intensiven Tage im Ortskern und rund um die evangelische Kirche im Aufwind. Ob es nun einen Rekordbesuch gab oder nicht, das hat niemand genau gezählt. 

Der Zuwachs der beiden jüngsten Jahre ist recht eindeutig der neuen HoTi-Events/OGV-Bühne an der Volksbank zuzuschreiben. Initiator Holger Schneider sorgte am Samstagabend, 3. September, mit der Präsentation der Hessenrock-Legenden Rodgau Monotones für den größten Andrang vor den drei Bühnen, nicht einmal vom „Trick Bag“-Auftritt am Sonntagabend auf der Bühne in der Weisenauer Gase getoppt.

Die Bischofsheimer Formation hatte dafür einen rührenden Moment zu bieten, als Bürgermeisterin Ulrike Steinbach und Marktleiter Bernd Schiffler Keyboarder Thomas Kolmar eine Luftballontorte überbrachten, denn der Leiter der Musikschule Mainspitze feierte am Sonntag seinen 60. Geburtstag – wie es sich für einen echten Musiker gehört, mit einem Live Gig. Aber auch auf der HoTi/OGV-Bühne tat sich am Samstagabend etwas Besonders: Der Vorsitzende des Spielplatzvereins, Detlef Noll, nahm eine Spende über 586 Euro entgegen. Die Trinkgelder, die die Helferinnen und Helfer bei den HoTi-Veranstaltungen erhalten hatten, waren dafür in einen Topf gewandert. Die Bischemer Kerb, sie ist eben mehr als Rummel und Konsumieren, hier wird die Gemeinschaft im Ort gelebt und gefeiert. Das zeigt sich schon dadurch, dass es weiterhin die Vereine sind, die in der Hauptsache für die flüssige Verpflegung der Besucher und für die kulinarischen Angebote zuständig sind und somit für ein breites Angebot an Essen für jeden Geschmack sorgen, teilweise ergänzt um kommerzielle Stände. Aber es ist nicht alles nur im Aufwind bei der Kerb: So ist es fraglich ist, ob einer der langjährigen Anlaufstellen, die Restauration des Gesangvereins Germania in der Weisenauer Gasse, im kommenden Jahr noch im Programm ist. Die Mitglieder haben es mit steigendem Alter immer schwerer, den großen Auf- und Abbauaufwand zu bewältigen – der Nachwuchs fehlt den Sängerinnen und Sängern nicht nur in den Gesangstunden.

Vielleicht wäre das ein Projekt für die Kerwejahrgänge. Kerwevadder Rolf Maixner hatte in diesem Jahr wieder eine durchaus stattliche Anzahl an jungen Leuten versammelt, die die traditionelle Seite der Kerb hochhalten. So war es auch kein Problem, am Mittwochabend, 31. August,  mit der Aufstellung des Kerwebaumes die Festtage standesgemäß einzuläuten, das Ding stand an der Volksbankecke felsenfest.

Bis Samstag war dann eher Ruhe in den Gassen, ehe am Nachmittag die Stände und Fahrgeschäfte sowie der Künstlermarkt auf dem Ortsdamm öffneten. Auf der Volksbank-Bühne in der Weisenauer Gasse eröffneten Bürgermeisterin Ulrike Steinbach, der neue Vereinsringchef Christan Weinerth und Rolf Maixner zusammen mit den Kerweborsch und -mädcher die drei Festtage. Und ja – Maixner hat dabei den Eselswitz erzählt.

Vor der Bühne wurde die Ankunft der „Lies“ Alexander Brendel gefeiert, der den Tanz mit Merkel Tobias Engert wagte, und das alles in schwer alkoholgeschwängerter Luft. Das alles mit einem staunenden Ginsheim-Gustavsburger Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha vor der Bühne, den Amtskollegin Steinbach bei seinem Antrittsbesuch im Rathaus zu der Eröffnung eingeladen hatte – sowas kennt man in der Stadt eben nicht.

Einigen Aufwand hatte vor allem der Altkerweborschverein im Vorfeld der Kerb betrieben, um die Bürger wieder zu mehr Beachtung des Umzuges zu bewegen. Der Kerwejahrgang zog am Sonntag wieder durch die Ortsstraßen und verbreitete durch die angehängten Wagen befreundeter Korporationen und einer Parade der Porsche-Traktoren ein wenig Fastnachtsstimmung im September.

Ob der Aufruf fruchtete, ist schwer zu sagen, denn dass der Umzug, wie heftig beklagt, wieder durch dünn bevölkerte Gassen führte, war den Leuten kaum zu verdenken. Denn – soll man es als Zeichen nehmen? – die einzigen Regenschauer, die das Kerwewochenende störten, kamen just am Sonntagmittag auf die Gemeinde nieder. Am Elternhaus von Kerwemerkel Tobias Engert sammelten sich die Traditionalisten und hörten sich den laut verkündeten Spruch an. Dazu wurden den Zuschauern ein Tütchen mit Brötchen und Fleischwurst gereicht.

Unter den Kerweborsch wird nun offenbar überlegt, künftig mitten über das Festgelände zu ziehen. Hat etwas für sich, denn die Allermeisten, die in den Gassen vermisst wurden bei dem Umzug, dürften sich währenddessen im Ortszentrum auf dem Rummel vergnügt haben.

Eine Tradition, die sehr gut angenommen wird, ist auch der Kerwegottesdienst am Sonntagvormittag in der evangelischen Kirche, der mit seinem, dem Anlass gerechten, lockeren Programm für viele ein unverzichtbarer Bestandteil des Wochenendes ist, selbst wenn sie sich sonst nicht so regelmäßig in dem Gebäude blicken lassen. Der Montag ist wie gewohnt der Tag der Einheimischen. Das ist längst nicht mehr so intensiv wie früher, als praktisch das gesamte Dorf am Montag Urlaub oder blau machte, um den letzten Tag der Kerb zu feiern, mal ganz unter sich an den Treffpunkten vor den Vereinsständen. Aber es ist immer noch ein schöner Abschluss der drei Tage, gefolgt nur noch von der Liesverbrennung durch den Kerwejahrgang am Freitag, 9. September. 

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