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Wo die Kohle für die Luftbrücke herkam

Rudolf Guthmann führte beim CDU-Gemarkungsrundgang vor allem ins Hafengebiet

Rudolf Guthmann (3.v.l.) führte beim Gemarkungsrundgang diesmal zu den Orten in Gustavsburg, die besondere Geschichte(n) zu bieten haben.
(Fotos: Gössl)

 

GUSTAVSBURG (ag) – Wenn man mit dem Stadtverordneten Rudolf Guthmann auf einen CDU-Gemarkungsrundgang geht, weiß man, dass der 80-Jährige gerne vom Hölzchen zum Stöckchen kommt. Man weiß es, ja, man hofft es als Begleiter sogar, denn den Erzählungen des Ginsheimer Landwirtes zu lauschen gleicht einer abwechslungsreichen heimatkundlichen Vorlesung.

Dr. Gerhard Frick, Stellvertretender CDU-Vorsitzeder von Ginsheim-Gustavsburg, konnte knapp 25 Besucher begrüßen, die sich mit dem „Tourguide“, wie er Guthmann auf neudeutsch bezeichnete, am Sonntagmorgen, 9. Juli, per Rad auf den Weg durch den südwestlichen Teil Gustavsburgs machten. Mit von der Partie waren auch Stefan Sauer, Bürgermeister in Groß-Gerau, der im September für die CDU als Direktkandidat in den Bundestag gewählt werden möchte, die CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Bächle-Scholz, sowie Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha.

Treffpunkt war das Gustavsburger Bürgerhaus, wobei das marode, sanierungsbedürftige Gebäude mit keiner Silbe thematisiert wurde. Stattdessen nahm der Bürgermeister Stellung zum Stand der Bauarbeiten zur Bahnunterführung. Die Baumaßnahme für die Fahrzeugunterführung soll planmäßig 2019 bis 2020 abgeschlossen sein. Derzeit würden die Spundwände eingerammt. Einige lärmgeplagte Anwohner seien in Hotels untergebracht worden. Alles verlaufe bisher reibungslos.

An der Ecke Darmstädter Landstraße/Kolpingstraße hielt der Fahrradkorso. Vom Wasser, zum Wetter und zu den Böden in der Gemarkung, von Hessen-Nassau über Napoleon bis zur heutigen Situation: Guthmann holte weit aus, um die ehemalige Bedeutung der Kolpingstraße als Fährstraße zu erläutern. Die führte einst von Groß-Gerau über den Mönchsbruch kerzengrade zum Main, von einer Besiedlung in dem sumpfigen Gebiet war da noch keine Rede.

Die heutige Mainbrücke nach Kostheim, deren Zubringer die Darmstädter Landstraße ist, liegt nur unweit des damaligen, heute denkmalgeschützten, alten Fährhauses. Unter der Mainbrücke nahm Puttnins-von Trotha Stellung zu der Situation des Bauwerkes. Die Spekulationen über einen Neubau oder Verlegung seien beendet, die Brücke werde saniert. Den Schlenker auf die Mainspitze nahm Guthmann zum Anlass, um zu erläutern, dass von den 1450 Hektar der Gemarkung Ginsheim – eine Gemarkung Gustavsburg gibt es nicht – das größte Flurstück aus Wasser bestehe und weit in den Strom, Richtung Mainz reiche.

Breiten Raum nahm die Besichtigung der Hafenanlage ein, von deren einstmals fünf Hafenbecken nur noch zwei intakt sind. Die Übrigen sind verschlammt und völlig zugewuchert. Die Frage, wer für die Hafenbecken Verantwortung trage, wusste Guthmann nicht zu beantworten.

Ein Abstecher auf das Gelände der Familie Kozel, im Hafen I, war ein kleiner Höhepunkt. Die Familie betrieb hier lange Zeit ein Bootshaus mit touristischem Betrieb. Heute ist das Kleinod hinter dichtem Bewuchs, am Ende des zunehmend verschlammten Hafenbeckens versteckt, zu dem nur Insider finden.

An den intakten Hafenbecken sind heute noch Kohle, Schrott, Beton und Brennstofffirmen angesiedelt. Anekdoten zu dem Hafenbereich ließ Guthmann reichlich einfließen. Wie beispielsweise zum Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg Kohle den Besitzer wechselte. Und wie die Amerikaner von der Gustavsburger Hafenanlage Kohle für die Luftbrücke nach Berlin abholten, die dann von Frankfurt aus nach Berlin geflogen wurde.

Die Sonne stand bereits im Zenit, als die Gruppe nach zweieinhalb Stunden beim Gasthaus „Zum Heurigen“ einkehrte. Gespräche waren hier nicht mehr möglich, da es bei Livemusik der Band „Echt Guat“ viel zu laut war. Während der Tour hatten die Teilnehmer aber die Gelegenheit reichlich genutzt, um mit dem Bürgermeister, der Landtagsabgeordneten oder dem Bundestagskandidaten ins persönliche Gespräch zu kommen.

 

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