Nach dem Zug mag auch beim Flörsheimer Narren Club (FNC) vor dem Zug sein. Vor allem ist bei den Flörsheimer Straßenfastnachtern aber schon weit vor dem Zug eine Menge los. Da sind am Jahresbeginn der Neujahrsempfang und der Senatsabend, mit dem der FNC sogar die Saalfastnacht in der Stadt eröffnet, ehe dann die Spezialisten wie FCV und KAB übernehmen. Für die Aktiven geht es danach aber nahtlos weiter mit den Vorbereitungen des großen traditionellen Umzugs, der sich am kommenden Sonntag ab 13.11 Uhr auf den gewohnten Weg durch die Altstadt macht.
Nach dem Gardejubiläum (60 Jahre) im vergangenen Jahr steht diesmal kein Geburtstagskind im Mittelpunkt, auch nichts Besonderes unter den teilnehmenden Gruppen, die sich dann des Vorrechts einer närrischen Startnummer erfreuen. Lediglich die Position 44 ging an die Hochheimer "TS+CC Die Nachteulen" für "4x11 Jahre Eulenfastnacht". Der CCM Okriftel ist dieses Jahr zwar 6x11 Jahre aktiv, hat aber wegen seiner vielen Gruppen keine spezielle Nummer erhalten.
Es sei „En schöne Spruch, so richtig nett, der passt auch in jed‘ Haushaltsred‘“ reimte Bürgermeister Bernd Blisch im Zugheft über das diesjährige Motto „Im Fastnachtsrausch und ohne Geld, erobern wir die ganze Welt“. Es scheint die aktuelle finanzielle Situation der Kommune aufzugreifen, wurde allerdings schon im vergangenen Jahr ausgewählt. Laut dem Sprecher des Großen Rats und Stadtverordnetenvorsteher Michael Kröhle dagegen „erinnert er uns auf humorvolle Weise daran, dass es nicht viel braucht, um Großes zu erleben“. Nämlich lediglich „Fantasie, Zusammenhalt und eine gute Portion närrische Energie“.
Die mussten die FNC-Aktiven in den vergangenen Wochen schon aufbringen, um die zahlreichen vorbereitenden und einstimmenden Aktivitäten erfolgreich auszuführen. Während der Wagenpräsentation am vergangenen Samstag in der FNC-Wagenhalle in der Hafenstraße musste Schatzmeister Karsten Schwarz bei Telefonaten die parallel laufenden Arbeiten koordinieren. Alle vorbereitenden Arbeiten müssen rechtzeitig abgeschlossen sein, um den Aktionen auf den Straßen, beginnend bereits am Samstagmittag mit der Rekrutenvereinigung samt vorigem Gulaschessen sowie dem Kindermaskenumzug am Nachmittag, den richtigen Rahmen zu sichern.
Der große Umzug
Für den großen Umzug, am Sonntag ab 13.11 Uhr auf 2,8 Kilometer Länge auf der altbekannten Route unterwegs, wurden diesmal 125 Zugnummern ausgegeben. Das sind sechs mehr als im vorigen Jahr, obwohl in Hofheim in diesem Jahr auch wieder ein Umzug angeboten wird, so dass sich die Vereine aus der Kreisstadt wie die „Wallauer Wespe“ und die KG 1900 Hofheim diesmal nicht in Flörsheim einreihen können. Den Rahmen des Zugs setzten wie gewohnt die Flörsheimer Polizei als „Wegebreiter“ mit der Nummer 1, gefolgt vom „Ewe kimmt er“-Wagen des FNC, und der Zugleitung aus Karsten Schwarz und Tom Ricardo Schulz als Nummer 3.
Der Fanfarenzug Fränkische Herolde auf der 4 ist somit die erste Fußgruppe des 62. Umzuges, und neben dem FZH-Blasorchester aus Hornau (35), dem Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Rothenbergen, dem Blasorchester Hochheim (Nr. 68) und der „Guggemusik Blächdängler“ aus Denzlingen der erste von fünf Gruppen, zumeist Stammteilnehmer, der Kategorie „Finanziert durch den FNC“. Das sind Musikgruppen, deren Teilnahme vom Verein eingekauft wird, um, gut verteilt über die Strecke, mit hochklassiger musikalischer Begleitung den Umzug aufzuwerten. Bezahlt wird dies durch die Mitglieder des großen Rates und des närrischen Ehrensenats.
Natürlich wird der Zug, was die Größe der Gruppen angeht, besonders von den heimischen Korporationen getragen, einige davon mit mehreren Zugnunmmern. So sind die dreizehn letzten Gruppen, bevor die Bauhofmitarbeiter als „Die Saubermacher“ unmittelbar nach dem Generalstabswagen mit dem Aufräumen beginnen, allesamt vom FNC. Unter den auswärtigen Teilnehmern stechen dabei wieder die Gruppen des CCM Okriftel mit alleine närrischen elf Einheiten hervor (80-90).
Auch aus den umliegenden Kommunen sind die bekannten Fastnachtskorporationen wieder vertreten. Ob der BCV aus Bischofsheim, wo der FNC am vergangenen Sonntag beim Umzug dabei war, der Große Fastnachtsrat der Siedler 11 sowie der Club Schwarze Elf aus Rüsselsheim, die ebenfalls breit vertretene CC- und Prinzess-Margret-Garde aus Raunheim: viele Gastformationen treten in großer Anzahl Aktiver und mit Motivwagen in Flörsheim an.
Die bunten, oft besonders urigen oder originellen Einsprengsel kommen auch diesmal wieder reichhaltig von den kleinsten Gruppen, manche vereinsgebunden, manche rein als Privatgruppen unterwegs, die sich ausschließlich an Fastnacht zusammentun, um im närrischen Treiben aktiv mitzumischen. „Dass es noch solche kleinen Gruppen gibt, die ihre Kostüme selber schneidern, ist uns wichtig“, unterstützt Vorsitzender Heinz Schäfer diese Fußgruppen gerne, die auch häufig einen lokalen Bezug bei ihren Motiven und Mottos wählen.
Auch, wenn es abzuwarten bleibt, was sich hinter den übermittelten Schlachtrufen verbirgt, scheint es beim Flörsheimer Umzug 2026 trotz der nahen Kommunalwahl und des steigenden Bedarfs zur demokratischen Einmischung von unten auch in diesem Jahr eher wenig politisch zuzugehen. „Die Wohnungsnot wär bald zu End, wenn man mit Lego bauen könnt“, dichtet der Volksliederbund etwa – aber wer will schon in Plastikwänden leben?
Die SOKO Flörsheim hat eine Empfehlung, wie die Stadt ihre Finanznot lösen könnte: „VIP-Publikum in Flerschems Gassen, das füllt der Stadt die leeren Kassen“, ist die Privatgruppe überzeugt und wird dies auch mit einem Motivwagen illustrieren, nämlich „Flerschems VIP-Hotel“.
„Raabekazze“ wähnen eine andere Geldquelle offenbar für einträglicher: „Die Stadt is klamm – die Kass is leer, doo müsse noch paar Blitzer her“, empfiehlt der Brauchtumsverein. Und schließlich wird auch einer der Neuzugänge im Zug sozusagen in eigener Sache politisch: „Der deutsche Wein hängt am Tropf“, will das Weingut Reiner Flick verdeutlichen.
Eine weitere, bisher über lange Jahre nicht mehr vertretene Gruppen aus Flörsheim ist der SV 09, der mit seiner Nummer 106 „mit Fußgrupp simmer jetzt komplett“ verkündet, was auch die Motivation zum Einstieg in das Umzugsgeschehen erklärt. Hinter dem „Zauberwald“ der Privatgruppe Dankert verbirgt sich der Flörsheimer Ponyhof, der freilich ohne Ponys mitläuft – bestenfalls Steckenpferde wären zugelassen. Denn echte Tiere sind und bleiben beim Flörsheimer Umzug weiterhin ausgeschlossen, wie der FNC-Vorstand erläutert. „Das wäre sonst ein riesiger Aufwand, etwa mit ärztlicher Begleitung“, erläutert der Zweite Vorsitzende Simeon Dimitriadis – das ist heutzutage nicht mehr drin unter Flörsheimer Verhältnissen, auch wenn sich die Älteren noch an die früheren „Binding“-Wagen mit Kaltblüter-Sechsergespann erinnern mögen und an Kutschen des Reit- und Fahrvereins.
Insgesamt kommt der Umzug 2026 auf geschätzte 1800 Teilnehmende, wobei der CCM mit 120, der SV 09 und der FC Eddersheim mit je 100 Aktiven die stärksten Gruppen stellen werden. Es sorgen 41 Traktoren und PKW für motorisierte Bewegung, sechs Musikgruppen für die Intonation der Fastnachtsklassiker, dazu kommen die vom FNC engagierten Guggenmusiker aus Denzlingen bei Freiburg. Eine Absage vom Veranstalter kassierte eine Fastnachts-Gruppe von den Taunus Thermen, die mit überlauter Musikbeschallung aus überdimensionierten Boxen auftrat.
Generell sind auch die heute sehr leistungsstarken und lauten, schulterbaren Boxen ein Problem, da manche Zuschauer meinen, am Straßenrand ihre eigenes Musikprogramm einbringen zu können. Hier stellt Schäfer klar, dass die Zugverantwortlichen diese Schallanlagen durchaus vorübergehend einkassieren können, wenn die Besitzer keine Einsicht zeigen.
Der FNC bestellt für die Teilnehmer wie gehabt das Wurfgut, diesmal 2,8 Tonnen Schokoriegel und drei Tonnen Gummibärchen, für die Kassierer Schwarz 33.000 Euro vorstreckte – bezahlen müssen das die Vereine und Gruppen schon selbst. Erstmals werden die Leckereien vorher aus den Kartons ausgepackt und in Klappkisten umgelagert, die können nämlich platzsparend zusammengefaltet werden, wenn die Wurfarbeit getan ist.
Der FNC, der auf rund 120 Aktive unter den 360 Mitgliedern setzen kann, wird selbst 44 Kräfte stellen, die für die Sicherung des Zuges und den reibungslosen Ablauf sorgen sollen. Die Gruppen mit motorisierten Motivwagen müssen freilich selbst Personal mitlaufen lassen, das beim Passieren der Aufbauten in den engen Gassen dafür sorgt, dass niemand unter die Räder kommt.
Viele weitere Aufgaben
Rund um den Höhepunkt hat der FNC noch einige weitere Angebote an die Närrinnen und Narren sowie interne Treffen und Veranstaltungen zu absolvieren. An Mittwochabend trafen sich einige Aktive zum „Sträußchen binden“. Die 400 bis 500 Mimosen mit Tannenzweig füllen mehrere Säcke, die als Wurfgut an die Wagen weitergegeben werden, „die sind sehr begehrt“, weiß Schäfer. Am Abend wurden die Zugnummern für die Aufstellungsstrecke, beginnend wie gehabt an der Eddersheimer Straße über die Beethovenstraße und bis zum Startpunkt in der Plattstraße reichend, angefertigt, die am Sonntagmorgen dann mit Draht an die Laternenpfähle angebracht werden.
Am Donnerstag betätigt der FNC sich wieder in der Hallenfastnacht, mit der traditionellen Spatzensitzung in der Stadthalle. „Da werden wir die Grundschüler und Kitakinder auf die Fastnacht vorbereiten“, erläutert Schäfer die Aufgabe. 400 bis 420 Kinder werden erwartet.
Der Freitag beginnt mit einem Frühstück der FNC-Aktiven im Joffche, rund 50 Teilnehmer werden erwartet. Auf dem Gallusplatz beginnt dann nach dem Markt der Aufbau der After-Zug-Party. Am Abend wird es kulinarisch. Der FNC backt wieder in einer Backstube 1000 Kreppel, an der Wagenhalle wird zudem der Gulaschtopf aufgesetzt. 150 Liter der edlen Suppe werden selbst angesetzt und kräftig gerührt. „Der einzige Tag, an dem es während der Kampagne in der Halle warm wird“, freut sich Schäfer schon darauf. Mit Milan Seidenfaden verfügt der FNC über ein Generalstabsmitglied mit besonderer Kompetenz an den Kochtöpfen, so dass die Flörsheimerinnen und Flörsheimer sich schon freuen dürfen, dass sie sich am Samstagmittag (ab 12.11 Uhr) im Vorfeld der Rekrutenvereidigung für vermutlich fünf Euro eine Portion aus der Kanone servieren lassen können.
Eine Stunde später geht es dann vom Gallusplatz aus mit dem Kindermaskenumzug durch die Altstadt: von der Hauptstraße über die Obermainstraße, Grabenstraße, Holzgasse, und wieder über die Hauptstraße zum Gallusplatz zurück. Die folgende Kinder-After-Zugparty ist für alle frei.
Die Denzlinger Guggenmusiker sind dann bereits in Flörsheim und werden am Abend in Begleitung von FNC-Verantwortlichen in vier Kneipen aufspielen. Allzu lang darf das nicht werden, oder der FNC muss die Aufgaben geschickt verteilen, denn schon um acht Uhr am Sonntagmorgen geht es zum Aufhängen der Zugnummern.
Nächste Woche geht es weiter
Am Rosenmontag ruhen die närrischen Aktivitäten in Flörsheim bekanntlich, alles schaut nach Mainz, wo auch der FNC beim Umzug wie gewohnt prominent vertreten sein wird. Am Dienstag geht es an die Refinanzierung der Aktivtäten, die Banken bekommen einen freundlich-fordernden Besuch der bewaffneten FNC-Offiziere. Zuvor geht es zur wohl am wenigsten lukrativen Station des Raubzugs ins Rathaus, dann zur Taunus-Sparkasse, Volksbank und Naspa, ehe es zum "Feldlager" in die MCE-Bank geht, die sich erstmals des Besuchs der Flörsheimer Narren erfreut.
Beim "Maskentreiben" am Dienstag ist ab 15.11 Uhr wieder freier Aufmarsch für alle, die noch immer Lust haben sich in den Altstadtgassen bei einem weiteren Umzug zu präsentieren. Aufstellung und Auflösestelle ist dabei das Konrad-Adenauer-Ufer. Auf den Gallusplatz geht es mit Musik von DJ Olaf Wagner zur Abschlussparty.
Am Mittwoch ist dann alles vorbei - für den FNC aber noch nicht ganz, da es am Abend zum Kateressen ins Joffche geht, wo durch die Verfrachtung von Bonbon, Konfetti und Luftschlange die Fastnacht offiziell beerdigt wird. Nachschlag ist am 7. März wieder das Garde-Tanzturnier mit nicht weniger als 48 Gruppen in unterschiedlichen Alters- und Genrekategorien aufgeteilt.
Mit dem FCV, berichtet Schäfer schließlich, habe man sich schon zusammengesetzt und die Kampagne 2027 besprochen, denn die fällt noch eine Woche kürzer aus als diesmal. "Weil der FCV so viele Sitzungen macht, ist da eine Absprache nötig", erläutert Schäfer. So werden die Saalfastnachter eine Sitzung kommendes Jahr wohl auf den Fastnachtssamstag legen. Fest steht schon, dass der FNC-Senatsabend 2027 am 16. Januar stattfinden wird.


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