Ein Experiment, das außer Kontrolle gerät und eine Schulklasse, die sich in einer Bewegung verliert: Mit der Inszenierung von „Die Welle“ nach dem Roman von Morton Rhue hat die Theater-AG des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums Flörsheim ihr Publikum am Mittwochabend in der Aula tief beeindruckt. Unter der Leitung von Maria Brinkmann und Sarah Speh-Bonnert setzten sich 16 Schülerinnen und Schüler mit der Frage auseinander, wie leicht sich Menschen von Gruppendruck und Macht verführen lassen.
Rund 100 Zuschauer erlebten, wie aus einer Schulprojektwoche über Faschismus ein beklemmendes Sozialexperiment wurde. Geschichtslehrer Ben Ross, überzeugend gespielt von Max Rader, möchte seinen Schülern zeigen, wie schnell autoritäre Strukturen entstehen können. Unterstützt wird er von Klara Voigt als engagierte Ehefrau Christy Ross und Larissa Moravek in der Rolle der Schulleiterin Owens, die bald erkennt, dass das Experiment gefährliche Züge annimmt.
Das Ensemble brachte die Dynamik und Spannung der Vorlage mit beeindruckender Intensität auf die Bühne. Stella Gabriel verkörperte die mutige Laurie Saunders, die als eine der ersten den gefährlichen Sog der Bewegung erkennt und sich offen gegen sie stellt. Fraya Jung spielte ihren Freund David Collins, der sich zunächst von der neuen Gemeinschaft mitreißen lässt, ehe er schmerzhaft die Folgen seines Mitlaufens begreift. Tom Scholze verlieh dem unsicheren Robert Billings, der durch „Die Welle“ erstmals Anerkennung findet und sie am Ende teuer bezahlt, eine bemerkenswerte Authentizität.
Chiara Mosca als sportlicher Brian Ammon und Yewon Lu als klasseninterner Wortführer Brad Marlowe zeigten, wie schnell Begeisterung in blinden Eifer umschlagen kann. Zoe Karamovic zeigte als Amy Smith überzeugend die Zerrissenheit einer Schülerin, die sich zwischen Gruppenzugehörigkeit und eigenen Zweifeln bewegt. Ina Li als Janet Baker und Andrii Gumenyuk als Alex Cooper, der den Verlauf des Experiments als Fotograf dokumentiert, ergänzten das Ensemble mit eindringlichen Momenten. Auch die weiteren Mitwirkenden – Rosalie Pilgrim, Alissa Schawirin, Hannah Ramlow, Letizia Randielle und Luna Öz – trugen mit sichtbarer Spielfreude und präsenter Ensemblearbeit zu einem geschlossenen, atmosphärisch dichten Gesamtbild bei.
Für die passende Atmosphäre sorgte die Technik-AG: Leon Kuhn verantwortete das Lichtdesign, Leon Bierbrauer führte präzise den Spot, während Lukas Kaschel und Paul Häußer am Ton für klare Übergänge und stimmige Effekte sorgten. Das wandelbare Bühnenbild, gestaltet von Sophia Köller, Leeloo Schütte und Raphael Viegas, verwandelte die Aula in ein realistisches Klassenzimmer – mit Symbolen der Bewegung und klaren Linien, die die zunehmende Radikalisierung der „Welle“ visualisierten.
Nach der Aufführung zeigten sich die Spielleitung sichtlich stolz auf ihr Ensemble. „Unsere Theater-AG ist richtig gewachsen: 19 begeisterte Schülerinnen und Schüler – von der siebten Klasse bis zum Abitur – stehen gemeinsam auf der Bühne", sagte Sarah Speh-Bonnert. Maria Brinkmann ergänzte: „Mich begeistert jedes Jahr, wie Schülerinnen und Schüler mit so unterschiedlichen Hintergründen und Altersstufen Hand in Hand arbeiten. Der Zusammenhalt ist enorm, und auch die Technik-Crew verdient großes Lob – ohne sie wäre dieser Abend so nicht möglich gewesen.“
Mit langem Applaus und nachdenklicher Stille endete der Theaterabend. Die Inszenierung bewies, dass Verantwortung und Zivilcourage Aufgaben der Gegenwart bleiben.


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