Haschke muss es wieder retten

Der Kerbe-Frühschoppen im Festzelt und der Gickelschlag stoßen am Montag auf große Resonanz

gus

Der erste Teil der Flerschemer Kerb liegt hinter der Stadt, ab dem morgigen Freitag geht es in die zweite Runde. Ein Traditionsfest nach Maß ist es bisher, beginnend mit dem Kneipenumzug des Kerbejahrgangs am Freitagabend, bis zum Familiennachmittag der Fahrgeschäfte der Kirmes am Mainufer mit vergünstigen Preisen am Dienstag. Für den Geschäftsführer des Fördervereins Flörsheimer Kerbeborsch, Niklas Scholz, eine soweit perfekte Veranstaltung, mit sehr gut besuchten Veranstaltungen im Festzelt, einem echten Kerbejahrgang samt talentiertem Kerbetanz sowie genügend Kräften für die Arbeitseinsätze des Vereins und seiner Unterstützer.

„Wir sind sehr zufrieden, die Abläufe funktionieren dieses Jahr, vor allem am Samstagabend war die Orga gut“, sagte Scholz. „Die Schichten waren alle besetzt, die Stimmung besonders am Samstag im Zelt klasse.“ Am Samstag war das Wetter zwar nicht gerade erbaulich, aber im Zelt war es schließlich trocken. Am Montag war es dagegen sehr hilfreich, dass das Wetter am frühen Nachmittag auf goldenen Oktober machte, denn im vergangenen Jahr verdarb regnerischer Niederschlag ein wenig den Spaß des Tages, eine Kerninstitution des Flörsheimer Kerbegeschehens: den Gickelschlag.

Diesmal warfen die Kandidaten mit dem Dreschflegel in der Hand einen Schatten auf den Platz am westlichen Ende des Geländes zu Fuße des Strohpförtchens. Wie gehabt galt es, sich mit verbundenen Augen von den umstehenden Zuschauern dirigieren zu lassen, in welche Himmelsrichtung und wie weit vor und zurück sie sich bewegen sollen, um ihre drei Versuche zu setzen, das den Gickel symbolisierende Tontöpchen zu zerschlagen. Kerwevadder Jaron Bach höchstpersönlich übernahm das Ziehen der Lose. Wie immer waren nicht alle, die eine Nummer erworben hatten, tatsächlich erschienen, obwohl die Lose doch erst im Rahmen des Frühschoppens verkauft werden. Andere hatten so viele gekauft, dass sie zweimal aufgerufen wurden.

Guter Brauch ist es auch, dass die ersten Kandidaten von dem Großteil der Umstehenden gezielt fehlgeleitet werden und so mit ihrem Schlag meterweit daneben liegen, dass es den Zuschauern eine (Schaden)Freude ist. Es zog sich diesmal, bis die drei Restaurant-Gutscheine im Gegenwert einer Pizza plus Getränk vergeben waren, 15 Frauen und Männer versuchten sich am Kunststück. Kilian Müller nahm als fünfter Kandidat den ersten Umschlag entgegen. Er zerschmetterte zwar nicht den Topf, touchierte ihn aber leicht an der Seite – das genügt laut ungeschriebenem Kerbegesetz.

Dass der Ton in dutzende Teile zerspringt ist allerdings das, was die Leute eigentlich sehen wollen. Dafür sorgte niemand anderes als Tobias Haschke – mal wieder. Ein Stammgast am Dreschflegel seit vielen Jahren und nicht ganz zufällig mit Abstand am erfolgreichsten bei der Ausübung des Handwerks. Der Kerbeborsch des Jahres 2009 erreichte den Zenit im Jahr 2023, als er gleich drei Blumentöpfe kleinhackte. Diesmal begnügte er sich mit zwei Auftritten und brachte den Wettkampf damit nach einer Hängepartie deutlich voran. „Ich habe selbst kein einziges Los gekauft“, bekannte Haschke, sein Kompagnon und Privatzurufer umso mehr. Wie gehabt, war das gezielte Heraushören des richtigen Geschreis der Schlüssel zum Erfolg.

Wie ernst die Kerbeborsch die Tradition des Gickelschlags nehmen zeigte sich, als der blau-weiße Seidenschal, der als Augenbinde gedacht war, sich für die Aufgabe als ungeeignet erwies, indem er rutschte und damit am Stoff vorbeizuschauen erlaubte. Eine Zuschauerin stelle daraufhin ihren Strickschal zur Verfügung, der offenbar besser funktionierte. Ob sie ihn anschließend zurückerhielt, ist nicht bekannt. Aber so zeigte sich, warum es ganz gut ist, dass die Flörsheimer Kerb so spät im Jahr terminiert ist. Bei der zwei Monate früher angesetzten Weilbacher Kerb hätte jedenfalls niemand einen rettenden Schal dabeigehabt.

Niklas Scholz verweist darauf, dass es für den „Nachkerbetanz“ am Samstagabend, anders als zum gleichen Zeitpunkt beim Kerbetanz am vergangenen Samstag, noch ein paar Restkarten zu erwerben gibt. Er geht davon aus, dass diese restlos beim Dämmerschoppen am Freitagabend, mit dem der zweite Teil der Kerb beginnt, ihre Abnehmer finden werden. Wenn nicht, wird es eben eine sicher kurze Öffnung der Abendkasse geben.

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