Ein Kanonenschuss zerreißt die Stille vor dem Rathaus, weißer Rauch zieht über den Platz, Uniformierte rücken in Formation vor. Spätestens jetzt ist klar: Der Flörsheimer Narren-Club (FNC) meint es ernst – zumindest närrisch. Am Fastnachtsdienstag ging es für die Straßenfastnachter traditionell zum Bankensturm zur "Refinanzierung‘" der Kampagne.
Erste Station war das Rathaus, die wohl am wenigsten lukrative Station, wie man augenzwinkernd einräumte. Mit viel Theaterdonner und gespielter Strenge nahm die bewaffnete Garde den Bürgermeister ins Visier. „Wir kommen in friedlicher Absicht und sind ganz harmlos, solange die Kasse stimmt“, lautete die unmissverständliche Botschaft.
Weiter zog die Narrenschar zu den Filialen der Nassauischen Sparkasse, der Frankfurter Volksbank, der Taunus Sparkasse und erstmals zur MCE Bank. Mit Kanone, Generalstabswagen und Garden marschierten die Narren auf. Lautstarke „Warnschüsse“ hallten durch die Altstadt, der Bürgermeister geriet ebenso in symbolische Gefangenschaft wie Bankvertreter. Die Rollen waren klar verteilt: Hier die bewaffneten Narren, dort die standhaften Geldverwalter. Am Ende siegte wie immer der Humor – begleitet von Wortgefechten, bei denen keiner ohne Schmunzeln davonkam.
Am Nachmittag gehörten die Altstadtgassen wieder den Maskierten. Aufstellung und Auflösung am Konrad-Adenauer-Ufer, dazwischen enge Gassen, Kopfsteinpflaster und dichtes Gedränge. Anders als am großen Sonntag setzt der Dienstag weniger auf Größe als auf Nähe. „Flerschemer laufen für Flerschemer“ – dieser Satz war nicht nur Motto, sondern Programm.
Mit dabei waren unter anderem der Carneval Verein Weilbach, die Kolpingfamilie Flörsheim, die Konfettiherzjer, der Mooadel und die Raabekazze. Als der Generalstab des FNC schließlich einbog, klimperten Orden, Federbüsche wippten im Takt und aus den Lautsprechern dröhnten närrische Gassenhauer.
Dass Fastnacht kein Alter kennt, zeigte die Dorea-Familie Flörsheim. Rund 20 Teilnehmer, einige im Rollstuhl, verfolgten das Geschehen. Ehrenamtliche Helfer unterstützten beim Schieben. „Ohne diese Hilfe könnten wir solche Ausflüge nicht stemmen“, hieß es aus der Einrichtung. Die Freude in den Gesichtern sprach für sich.
Am Aschermittwoch kehrte Ruhe ein. Beim Kateressen im „Joffche“ traf sich der Verein ein letztes Mal in dieser Kampagne. Dann folgte der traditionelle Schlusspunkt: die symbolische Beerdigung der Fastnacht. In einem augenzwinkernden Zug trugen die Narren Orden, Luftschlangen und Konfetti zu Grabe. Vereinsvorsitzender Heinz Schäfer richtete zum Abschied den Blick auf den Orden: „Wir nehmen Abschied von unserem Orden, der unsere Garde, den Generalstab sowie all unsere Gönner und Freunde zum Strahlen gebracht hat. Geschmückt hast du uns wie kein Zweiter. In der gesamten Fastnachtszeit haben wir dich nicht abgelegt – nicht einmal unter der Dusche.“.
Selbst ein einzelnes Konfettistück bekam noch seinen großen Moment – stellvertretend für all die bunten Schnipsel, die aus der Kanone durch die Gassen segelten und den Kanonieren sichtliche Freude bereiteten. Und selbst der letzte Schokoriegel wurde nicht vergessen: „Ihr seid nicht nur gut geflogen, sondern habt auch bestens geschmeckt.“ Den Schlusspunkt setzte ein dreifaches, diesmal bewusst verhaltenes „Hall die Gail“, bevor am 11. November 2026 die nächste Kampagne beginnt.


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